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Elvis-Festival Der "King" bleibt in der Wetterau unvergessen

15.08.2004 ·  "Wir müssen uns mit der Erfahrung begnügen, daß geliebte Tote uns gegenwärtiger und lebendiger sein können als alle Lebenden." Dieses Hesse-Zitat erinnert in Bad Nauheim an Elvis Presley, zu dessen Ehren es wieder ein Festival gab.

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"Wir müssen uns mit der Erfahrung begnügen, daß geliebte Tote uns gegenwärtiger und lebendiger sein können als alle Lebenden." Eine Frau hat melancholische Worte des Dichters Hermann Hesse fein säuberlich auf ein weißes Blatt Papier geschrieben und dieses mit Klebestreifen an der schwarzen Gedenkstelle befestigt, die vor der Villa Grunewald in Bad Nauheim an den Aufenthalt von Elvis Presley zwischen Oktober 1958 und April 1960 in der Wetterau erinnert. Über den Dichterworten und einem Farbfoto des heute vor 27 Jahren verstorbenen Sängers und Schauspielers ist der "King of Rock'n'Roll" zum Relief erstarrt. Das aus strahlend weißem Marmor gemeißelte lächelnde Gesicht des jungen Presley erinnert an das Antlitz eines barocken Engels. Auf der kleinen Rasenfläche vor dem Gedenkstein an der Ecke der Terrassenstraße und der Auguste-Viktoria-Straße stehen Vasen mit dunkelroten Rosen sowie ein großer Blumentopf mit schon ein wenig verblühten rosafarbenen Geranien.

Der "King" bleibt in der Wetterau unvergessen. "We remember Elvis" lautete am Sonntag abend denn auch das Motto eines Treffens bei Kerzenschein und Musik vor der Villa Grunewald, in der Presley mit seinem Anhang vor mehr als 45 Jahren knapp vier Monate lang wohnte. Allerdings endete damals sein Aufenthalt mit einem Rausschmiß. Nachdem seine beiden Leibwächter offenbar aus Langeweile auf dem Flur ein kleines Feuerchen entfacht hatten, war dies für Hotelier Otto Schmidt dann doch zuviel des Rummels. Er drängte den Clan am 3. Februar 1959 zum Auszug. Die Elvis-Entourage mietete sogleich eine Villa an der Bad Nauheimer Goethestraße an, richtete dort auch ein kleines Tonstudio ein. Hier entstand der Welthit "It's now or never", und an einem Spätsommerabend begegnete Presley dort der erst 14 Jahre alten Priscilla Beaulieu, die er acht Jahre später heiratete.

Zahlreiche Fans folgten am Wochenende denn auch den "Spuren von Elvis in Bad Nauheim", indem sie sich von Stadtführern seine einstigen Unterkünfte zeigen ließen. Zum Teil bekleidet mit knappen T-Shirts, bedruckt mit Elvis-Konterfeis, oder in knallengen, schwarzen Lederhosen und -hemden pilgerten am Freitag und Samstag abend überwiegend Frauen und Herren im gesetzteren Alter zu Konzerten und einer Rock-'n'-Roll-Nacht mit Elvis-Interpreten und Rock-Bands.

Bunte Luxusautos und Petticoats gab es, wie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung berichtet, am Samstag im Sprudelhof und bei einer Straßenkreuzerparade in Bad Nauheim und Friedberg zu sehen. Und mit einem Gospelkonzert in der Bad Nauheimer Dankeskirche, bei dem ein Chor der evangelischen Kirchengemeinde sowie ein Solist an die weniger bekannte Seite Presleys als Soul- und Gospelsänger erinnerten, und mit der Gedenkveranstaltung vor der Villa Grunewald klang am Sonntag das dritte europäische Elvis-Festival aus.

Doch der vergötterte Tote wird in der Wetterau, dem "European Home of Elvis Presley", auch künftig gegenwärtig bleiben: in einer Bad Nauheimer Confiserie als eßbares Kunstwerk in der Form von Bilderkuchen, Schokotalern und Pralinen, in einem Teehaus als Rooibush- oder Grüntee-Spezialmischung sowie im nächsten Jahr bei einer großen Feier aus Anlaß seines 70. Geburtstags am zweiten Januarwochenende. Und im August 2005 wird es bei der vierten Auflage des "Elvis-Festivals" in Bad Nauheim wieder heißen: "We remember Elvis." JENS JOACHIM

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