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Einkaufszentrum Loop 5 Eine neue Innenstadt im Gewerbegebiet

09.10.2009 ·  Das Einkaufszentrum Loop 5 in Weiterstadt wird den Einzelhandel im gesamten Rhein-Main-Gebiet beeinflussen. Das hoffen jedenfalls die Mieter.

Von Jochen Remmert, Weiterstadt
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Weniger pompös als das mit dem gewaltigen Glastrichter posierende Einkaufszentrum in Frankfurt. Weniger streng, weniger uniform, weniger öde als das Gros der anderen Zentren im Rhein-Main-Gebiet. Das Einkaufszentrum Loop 5 spricht eine andere, leichtere Sprache – mit mediterran anmutenden Terrazzo- und Holzböden und mit viel Grün. „Es soll Spaß machen, sich hier aufzuhalten“, sagt José Quintela. Er ist beim portugiesischen Einkaufszentrenbetreiber Sonae Sierra für Konzept und Architektur verantwortlich. Sonae Sierra hat Loop 5 zusammen mit dem französischen Shoppingcenter-Spezialisten Foncière Euris entwickelt.

Die beabsichtigte Atmosphäre der Unbeschwertheit kann gleichwohl nicht verbergen, dass es in dem 300 Meter langen Komplex an der Gutenbergstraße im Weiterstädter Gewerbegebiet um dasselbe geht wie im Zentrum an der Zeil oder dem in Sulzbach: möglichst viele Besucher, möglichst hoher Umsatz. Das bedeutet im hart umkämpften deutschen Einzelhandelsmarkt auch, dass das attraktive neue Zentrum anderen Einkaufsstätten, seien es andere Zentren oder auch mehr oder weniger nahe Innenstädte, Kunden abspenstig machen wird. Das wird vor allem Darmstadt spüren, auch Frankfurt und vielleicht sogar Wiesbaden.

Anmutung des Baus

Olaf Wagner, der mit seinen Fotofachgeschäften namens Kamera sowohl in Frankfurt im Einkaufszentrum My Zeil als auch in Loop 5 vertreten ist, setzt große Hoffnungen in seine neue Dependance in dem Weiterstädter Zentrum. Dort sei der Branchenmix breiter als im Zentrum an der Zeil und verspreche daher mehr Besucher. „Und nichts brauchen Sie mehr als Frequenz in meinem Metier“, sagt Wagner. Deshalb hat er sich auch dafür entschieden, sich in Weiterstadt nahe beim Eingang zum Elektronikmarkt Saturn anzusiedeln. Und dass der große Aldi-Markt ebenfalls nicht weit entfernt ist, lässt ihn ebenso auf Kunden hoffen.

Von der Anmutung des Baus und der Ausstattung in Weiterstadt ist der Kaufmann, der 1989 sein erstes eigenes Fotofachgeschäft in Wiesbaden eröffnet hat, geradezu begeistert. Freundlicher und wertiger als an der Zeil sei alles, sagt er. Die Miete sei dabei fast gleich hoch.

Vielzahl von Marken als Mieter

Überhaupt traut Wagner einem Konzept wie dem im Zentrum der Portugiesen mehr zu als dem an der Zeil. Wenn an der Frankfurter Einkaufsstraße die Geschäfte schlössen, dann sei auch das Zentrum wie ausgestorben, klagt er. Drei Kunden zwischen 20 und 22 Uhr, das sei doch keine Frequenz. Eine künstliche Innenstadt im Weiterstädter Gewerbegebiet, in der alle 175 Geschäfte und Restaurants bis 22 Uhr öffneten, sei für Kunden da attraktiver, ist er sich sicher.

Tatsächlich ist es dem Zentrumsbetreiber aus Lissabon gelungen, eine Vielzahl von Marken als Mieter zu gewinnen, die auch in der Breite Publikum anziehen, seien es die jungen Modemarken Marc O’Polo, Esprit, Tom Tailor und Tommy Hilfiger, sei es der gehobene Herrenausstatter Nicolas Scholz. Er hat einmal 1977 mit einer ersten Filiale im Darmstädter Luisencenter begonnen, firmiert inzwischen unter NIC und gehört heute zum Modehaus Bonita.

Weniger Kunden bei umliegenden Einzelhändlern

Für das Modehaus Peek und Cloppenburg, dessen Filiale sich in Loop 5 über zwei Ebenen erstreckt, war es eine naheliegende strategische Entscheidung, als Ankermieter dort einzusteigen, wie Ali Asghar Asghari, Leiter der Dependance, sagt. „Wir wollten uns an der Schnittstelle zwischen Rhein-Neckar-Raum und Rhein-Main-Gebiet in attraktiver Lage ansiedeln, das ist uns hier gelungen“, erläutert er. Asghari gefällt das neue Zentrum, „weil man hier eine eigene Handschrift erkennt“, wie er sagt. Es wirke einladend und harmonisch, nicht überladen.

Für ihn steht außer Frage, dass ein Einkaufszentrum mit 56.500 Quadratmetern Vermietungsfläche und 3.000 für Kunden kostenlose Parkplätzen nicht nur den Darmstädtern, sondern auch den Einzelhändlern im nördlichen Rhein-Main-Gebiet Kunden nehmen werde. Das aber gehöre zum Geschäft.

Staus nicht ganz vermeidbar

Tatsächlich gehen die Betreiber nach Angaben des Deutschlandchefs von Sonae Sierra, Thomas Binder, davon aus, auch in Städten Kunden gewinnen zu können, die eine halbe Stunde Autofahrzeit entfernt liegen. Darmstadt zählt ohnedies dazu, Frankfurt und Wiesbaden auch. Im Einzugsgebiet macht Binder 700.000 Einwohner und damit potentielle Kunden aus. Zu Beginn rechnet Sonae Sierra sogar mit 100.000 Besuchern täglich. Staus werde man heute und in den folgenden Tagen wohl trotz intensiver Zusammenarbeit mit der Polizei nicht ganz vermeiden können, meinte Binder zufrieden.

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Jahrgang 1961, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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