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Eine Straße trennt zwei Nachbarn

 ·  Den Verantwortlichen im Bad Homburger Rathaus und auch vielen Bewohnern des Stadtteils Dornholzhausen geht eine Form der Verkehrsberuhigung zu weit, zu der sich die Stadt Oberursel entschlossen hat. ...

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Den Verantwortlichen im Bad Homburger Rathaus und auch vielen Bewohnern des Stadtteils Dornholzhausen geht eine Form der Verkehrsberuhigung zu weit, zu der sich die Stadt Oberursel entschlossen hat. Dort soll die Gotische Straße in Oberstedten, die über die Gemarkungsgrenze zum Gotischen Haus am Bad Homburger Waldrand führt, noch ein halbes Jahr gesperrt bleiben, obwohl die dortigen Bauarbeiten vorläufig abgeschlossen sind.

Seit Mitte vergangenen Jahres wurden in die Saalburgstraße und in die Gotische Straße in Oberstedten neue Kanalrohre verlegt. Mit einer halbseitigen Sperrung, Baustellenampeln und "Anlieger frei"Schildern versuchte Oberursel nach Worten des zuständigen Ersten Stadtrats Dieter Rosentreter (FDP) anfangs, den Verkehr aufrechtzuerhalten. Die Autofahrer hätten jedoch keine Rücksicht genommen und Arbeiter und Fußgänger gefährdet. Es seien sogar Schilder weggestellt und Ampeln beschädigt worden.

"Deshalb haben wir im Oktober zum drastischeren Mittel der Vollsperrung gegriffen", sagt Rosentreter. Seither weisen große Schilder schon am Oberstedtener Kreisel darauf hin, daß die Durchfahrt nach Bad Homburg über die Gotische Straße nicht möglich ist. Die benachbarte Kurstadt erklärte sich im Rahmen der "normalen kollegialen Zusammenarbeit" bereit, die Sperrung ihrerseits schon an der Tannenwaldallee auf eigener Gemarkung anzukündigen, wie Ordnungsdezernent Egon Backhus (Freie Homburger Wähler) erläuterte.

Die Vollsperrung war bis zum Jahresende terminiert, doch dann ließ der Oberurseler Eigenbetrieb BSO wissen, die abschließenden Teerarbeiten verzögerten sich. Weil auch noch die Schmiedstraße aufgerissen werden soll, durch die im engen Oberstedtener Ortskern die Autos per Einbahnsystem zurückgeleitet werden, stellte man in Oberursel eine Sperrung bis Mitte 2006 in Aussicht. Fortan meldeten sich in den Leserbriefspalten der Lokalzeitung diejenigen zu Wort, die für eine dauerhafte Sperrung plädierten, und diejenigen, die nicht länger von ihren gewohnten Wegen abgeschnitten sein wollten. Der Durchgangsverkehr stört die Anlieger, weil die Fahrt nach Dornholzhausen durch Oberstedten weniger lang dauert als über die in Spitzenzeiten ständig verstopfte PPR-Kreuzung. Um sie zu umgehen, nutzen sogar Pendler aus dem Hintertaunus den Weg am Gotischen Haus vorbei.

Etwa 40 Prozent der Autofahrer auf Saalburg- und Gotischer Straße wollten eigentlich weiter nach Dornholzhausen oder ins Usinger Land, sagt Rosentreter und beruft sich auf Zählungen. Von einem geringeren Anteil geht Backhus aus. Er mochte die Verlängerung der Sperrung nicht hinnehmen und zog die Genehmigung zurück, die Barriere schon in Bad Homburg zu errichten. So versperren jetzt rot-weiß gestreifte Baken und zwei Paletten mit Verbundsteinen noch in Oberursel, aber direkt vor dem Ortsschild, die Durchfahrt.

Der Bad Homburger CDU-Stadtrat Peter Sothmann, zugleich Vorsitzender der Verkehrswacht Obertaunus, fühlte sich durch die Sperre ans Mittelalter erinnert, während Backhus ebenso wie die Bad Homburger Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) darauf hinwies, die Gotische Straße sei eine öffentliche Straße und als solche zur Verfügung zu stellen, es sei denn, sie werde entwidmet. Dies aber habe Oberursel nicht beantragt.

Der Erste Stadtrat Rosentreter wiederum formuliert als klares Ziel, den Durchgangsverkehr aus Oberstedten herauszuhalten. Deshalb wolle man demnächst ein Verkehrskonzept für den ganzen Stadtteil vorlegen. Welche Vorschläge darin enthalten sind, möchte er noch nicht preisgeben. Ein Entwidmungsverfahren zur völligen Sperrung halte er für rechtlich durchsetzbar.

Am Donnerstag trafen sich die beiden Dezernenten erstmals im Bad Homburger Rathaus, vertagten sich jedoch auf nächste Woche, um weitere Informationen zum Bauablauf einzuholen. Das Wort "Streit" mochten beide anschließend nicht benutzen. "Es gibt unterschiedliche Standpunkte", sagt Rosentreter. So gesteht Backhus zu, daß Bauarbeiten ungestört bleiben müßten und man bei drei Tagen Pause die Straße nicht aufmachen müsse. "Bei vier Wochen sieht das schon anders aus", sagt der Bad Homburger Dezernent, der sich auch eine Verkehrsberuhigung vorstellen könnte, die den Schleichweg zeitlich unattraktiv macht. Er möchte aber, daß die Gotische Straße nach Abschluß der Arbeiten wieder zur Verfügung steht, während Rosentreter mindestens eine längere zusammenhängende Sperrung bis zum endgültigen Abschluß der Arbeiten befürwortet und für die Zeit danach auf das Verkehrskonzept verweist - Entwidmung und dauerhafte Sackgasse nicht ausgeschlossen.

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Von Matthias Alexander

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