bie. Die Aussicht auf den sensationellen Fund, der endlich reich macht. Lust des Entdeckers oder vielleicht nur ein Überbleibsel aus der Zeit der Jäger und Sammler: Eckhard Laufer kennt das Gefühl, wenn sich plötzlich der Piepston der Metallsonde verändert und auf Edelmetall hindeutet. Selbst ehrenamtliche, absolut seriöse Altertumsforscher sind dann nicht mehr zu halten. "Alle laufen zusammen und wollen sogleich losgraben", berichtet der 39 Jahre alte Polizeioberkommissar aus eigener Erfahrung. Dem im Emsland aufgewachsenen Beamten mit dem verschmitzten Lächeln traut man die nötige Beherrschung zu, sich doch bitte schön zuerst einmal in aller Ruhe dem Fundort zu widmen.
Denn erst die Erde mit ihren Verfärbungen, kaum noch sichtbaren Spuren vergangenen Holzes, Kohleschichten oder ergänzenden Funden wie Münzen ermöglicht es, die römische Schnalle oder den keltischen Armreif in einen historischen Zusammenhang zu stellen: Wer hat sie getragen und wann, warum überhaupt sind sie ausgerechnet hier zu finden?
"Der unglaubliche Verlust von Information": Das ist es, was Laufer den Kampf gegen Raubgräber hat aufnehmen lassen. Nicht sture Gesetzesauslegung, sondern Überzeugung, die er schon als kleiner Junge gewonnen hat. Mit seinem Vater ist er Spuren der Vergangenheit nachgegangen, denn der war ehrenamtlich für die Archäologie tätig. Als Laufer 1992 nach Hessen zog, beeindruckten ihn die vielen Siedlungsplätze, Gräberfelder und antiken Militäranlagen im Taunus, so daß er zwei Jahre später ebenfalls ehrenamtlicher Kreisarchäologe wurde. Völlig neu war für ihn aber auch das hiesige Ausmaß der Raubgräberei an diesen für Hobbyschatzsucher verheißungsvollen Stätten.
Das Heidetränk-Oppidum, eine spätkeltische Anlage bei Oberursel mit 130 Hektar Siedlungsfläche, weist stellenweise nach zehn bis 15 Jahren Schatzsuche kaum noch Bronze- oder Edelmetallfunde auf. In einem Aufsatz schätzte Laufer, daß dort 20 bis 30 Sondengänger zwischen 20 000 und 60 000 Funde aus dem Boden geholt haben. Das Angebot an keltischen Goldmünzen vom Heidetränk-Oppidum und eines weiteren Oppidums auf dem Dünsberg bei Gießen ließ zeitweise sogar die Preise im Münzhandel fallen. Manche Erkenntnisse über das Leben in diesen mehr als 2100 Jahre alten Siedlungen haben die Archäologen paradoxerweise nur von Fundstücken, die Sammler freiwillig abgegeben haben oder die über den Handel in die Museen gelangt sind. Kein Wunder, daß auch der Landesarchäologe, Professor Egon Schallmayer, den "enormen wissenschaftlichen Schaden" durch Raubgräber beklagt.
Die Verbindung seines Freizeitengagements für die Archäologie mit seinem Beruf ließ Laufer zu einem über die hessischen Grenzen hinaus gefragten Experten für Raubgräberei werden. Seine Hausarbeit im Fach Kriminologie behandelte dieses Thema. Laufer und Peter Jüngling von der Polizei Hanau sind die einzigen "Kontaktbeamten für Raubgrabungsdelikte" in Hessen. Der Usinger Polizist setzt viel daran, die Sinne seiner Kollegen für das zerstörerische Tun zu schärfen. Selbst Museen schickten die Schatzsucher manchmal mit erhobenem Zeigefinger einfach wieder weg, wenn sie dubiose Fundstücke anböten. "Schönes Hobby" sei früher der übliche Kommentar bei der Begegnung mit einem Menschen gewesen, der den an einer Stange befestigten runden Sensor über den Boden kreisen läßt. Dabei schreibt in Hessen das Gesetz vor, daß alles, was man aus dem Boden holt, zwischen Finder und Grundstückseigentümer zu teilen ist. Hinzu kommt das Denkmalrecht, das eine Suche an Burgen oder anderen Denkmälern ohne Genehmigung verbietet - diese Orte werden auf entsprechenden Internetseiten als bevorzugte Plätze gehandelt.
Unterschlagung, die Beschädigung von Kulturdenkmälern und Hehlerei bei dem, der kauft: 15 Ermittlungsverfahren seien seit 2003 in Hessen eingeleitet worden, sagt Laufer, aber noch keines abgeschlossen. Der Bußgeldrahmen werde leider meist nicht ausgeschöpft, bedauert er und setzt auf ein Signal: "Es wird Zeit für die erste Freiheitsstrafe für Intensivgräber." Neben der Verunsicherung der Szene setzt der Polizeibeamte auf Prävention: Landwirte oder Waldbesitzer über ihre Rechte aufklären, Schatzsucher über ihre Pflichten. Außerdem gibt es inzwischen eine Arbeitsgemeinschaft Raubgrabung beim Landeskriminalamt, in der Polizei und Archäologen zusammenarbeiten. Allein, bei Konfrontation mit den Sondengängern muß es nicht bleiben. Wer mit den Denkmalbehörden zusammenarbeitet und sich fortbildet, kann eine Nachforschungsgenehmigung bekommen. "Wir prüfen dabei den Einzelfall", sagt Landesarchäologe Schallmayer. Wer sich bewähre, könne ein wertvoller ehrenamtlicher Fundmelder werden. "Andere melden sich nie mehr."
Laufer würde sich wünschen, daß jede Kriminalpolizei nicht nur eine Umwelt AG, sondern auch eine Denkmalschutz AG bekommt. Doch so weit ist es noch lange nicht. Immerhin hat das Engagement des archäologiekundigen Polizisten inzwischen Anerkennung gefunden. Er wurde jüngst vom Deutschen Nationalkomitee für Denkmalschutz mit der Silbernen Halbkugel ausgezeichnet.

