17.04.2009 · Schnelle DSL-Verbindungen sind auch in manchen Orten des Rhein-Main-Gebietes nur ein Traum. Die Politik müht sich, die Deutsche Telekom verrät nicht, wo das Breitbandnetz noch Löcher hat.
Von Manfred KöhlerDie Wirtschaftsförderung des Wetteraukreises will es jetzt ganz genau wissen. Unter www.breitband-wetterau.de hat sie einen Fragebogen veröffentlicht, in dem die Einwohner angeben sollen, welchen Anschluss ans Internet sie derzeit haben – und welchen sie gerne hätten. Denn, so die Erkenntnis, in 15 der 25 Gemeinden des Landkreises fehlt es an schnellen Auffahrten auf die Datenautobahnen. Sie seien aber schon für die Unternehmen notwendig, damit diese wettbewerbsfähig bleiben könnten.
Die Wetterau ist keine Ausnahme. Je weiter weg von den Großstädten, desto langsamer sind die Internet-Anschlüsse – so lautet immer noch die Faustregel. Und in mancher Gegend fehlt es sogar überhaupt an Verbindungsmöglichkeiten. So klaffen im Rheingau-Taunus-Kreis noch Lücken, im Odenwaldkreis heißt es, junge Unternehmen ließen sich kaum locken, solange ein rascher Datentransfer nicht gewährleistet sei. In großen Orten sind die Anschlüsse in peripheren Stadtteilen zwar leistungsfähiger, doch fließen die Daten auch dort nicht immer so schnell wie gewünscht. Wie es genau aussieht, weiß nicht einmal die Landesregierung. Eine detallierte Aufschlüsselung der Versorgung könne allein die Deutsche Telekom vornehmen, da sie den einzelnen Telefonanschlüssen konkret die Bandbreiten zuordnen könne, heißt es im Wirtschaftsministerium. Bei der Telekom aber ziert man sich, derlei Details zu veröffentlichen, um nicht der Konkurrenz Vorteile zu verschaffen.
So bleiben nur Näherungswerte. Nach Angaben des Ministeriums ist bei 98 Prozent der Privathaushalte in Hessen ein DSL-Anschluss mit mindestens 384 Kilobit pro Sekunde möglich. Mit einer Anschlussmöglichkeit von einem Megabit je Sekunde sind der Behörde zufolge 92 Prozent versorgt. Im Rhein-Main-Gebiet würden sogar nahezu 100 Prozent erreicht. Bei der Telekom heißt es, bei Anschlüssen mit der Vorwahl 069, also dem größten Teil Frankfurts sowie Offenbach, hätten 95 Prozent der Haushalte sogar mindestens DSL 3000.
Wer große Datenmengen übertragen will, um etwa Filme zu gucken, kommt freilich auch mit solchen Übertragungsraten nicht mehr aus. So ist denn auch der kostspielige Ausbau des Netzes generell, nicht nur in ländlichen Regionen, zu einem Wettlauf zwischen den Investoren und der stetig wachsenden Nachfrage nach immer schnelleren Verbindungen geworden. Die Deutsche Telekom hat nach den Worten eines Sprechers im vergangenen Jahr in ganz Deutschland 300 Millionen Euro in den Netzausbau investiert. Das geschieht allerdings nur dort, wo es sich auch rechnet. „Da ist der Kunde Architekt des Netzes“, heißt es bei dem früheren Staatskonzern. Umgekehrt bedeutet dies aber eben auch, dass der Ausbau stockt, wenn die erwarteten Erträge die Kosten nicht decken.
Damit Deutschland nicht auf Dauer in Regionen mit und ohne schnelle Anschlüsse geteilt wird, hat sich die Politik der Sache angenommen. In der Koalitionsvereinbarung von CDU und FDP imhessischen Landtag ist von einer Breitbandoffensive die Rede. Auch der ländliche Raum solle flächendeckend mit leistungsfähigen Internetanschlüssen versorgt werden, heißt es dort, ohne dass allerdings Mindestübertragungsraten genannt werden. Im Konjunkturprogramm der hessischen Landesregierung sind Mittel für den Ausbau des Breitbandnetzes nicht vorgesehen, was von der Opposition im Landtag kritisiert wurde. Die Budesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, dass bis Ende nächsten Jahres flächendeckend leistungsfähige Anschlüsse vorhanden sein sollen. Bis 2014 sollen drei Viertel aller Haushalte Anschlüsse von mindestens 50 Megabit je Sekunde haben. Die Bundesregierung hat den Ausbau des Breitbandnetzes in ihr zweites Konjunkturprogramm aufgenommen.
Allerdings werden schon länger Staatsmittel eingesetzt, um die Breitbandversorgung dort sicherzustellen, wo es sich für private Unternehmen nicht lohnt. Aus einem vom Bund und dem Land Hessen gemeinsam getragenen Programm wurde im vergangenen Jahr die Erschließung von 13 Ortsteilen im Werra-Meißner-Kreis mit Anschlüssen von mindestens sechs Megabit je Sekunde finanziert, wie es im hessischen Wirtschaftsministerium heißt. Bund und Land zahlen 60 Prozent der Investition, für den Rest müssen die jeweiligen Kommunen aufkommen. In diesem Jahr steht aus dem Bund-Länder-Programm sogar eine Million zur Verfügung.
Der Ausbau des auf dem alten Telefonnetz basierenden Breitbandnetzes ist nicht die einzige Möglichkeit, schnelle Anschlüsse ans Internet zu ermöglichen. Funkverbindungen können helfen, aber auch der weitere Ausbau des Fernsehkabelnetzes ist möglich. Der Kabelnetzbetreiber Unitymedia hat unlängst bekräftigt, dass er unter anderem in weiteren Teilen des Rhein-Main-Gebiets sein Netz so modernisieren will, dass es auch fürs Telefonieren und als Internetverbindung taugt. Das in Köln ansässige Unternehmen wirbt damit, deutlich schnellere Verbindungen zu niedrigeren Tarifen anbieten zu können als die Anbieter, die sich des herkömmlichen Breitbandnetzes bedienen. In den beiden Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Hessen zusammen sollten bis Jahresende 70 Prozent aller Haushalte die Möglichkeit haben, die Angebote nutzen zu können. Den Kunden kann der Wettbewerb dieser beiden Systeme nur recht sein – er trägt zu niedrigen Preisen bei.