02.08.2007 · Es gibt sie doch noch, die beliebten Lehrer. Eckhard Glöckner von der Heinrich-Böll-Schule in Nieder-Roden zählt dazu. Nach fast 40 Jahren im Schuldienst ist er kein bisschen ausgebrannt.
Von Agnes SchönbergerEckhard Glöckner zählt zu Deutschlands besten Lehrern. Dem pädagogischen Leiter der Heinrich-Böll-Schule in Nieder-Roden wurde jüngst der erstmals verliehene Lehrerpreis „Pisagoras“ zuerkannt. Die Auszeichnung hat den Zweiundsechzigjährigen überrascht und ein wenig stolz gemacht. Gefreut hat Glöckner insbesondere der Umstand, dass ihn ehemalige Schülerinnen und Schüler für den Preis vorgeschlagen hatten.
Diese mussten auf einer Internetplattform nicht nur die Wahl ihres Lieblingslehrers begründen, sondern auch ein Beispiel schildern, warum gerade dieser so wichtig für sie war. Die 2006 gegründete Initiative „Deutscher Lehrerpreis“ wird von der Ständigen Konferenz der Kultusminister sowie der Wirtschaft unterstützt und steht unter der Schirmherrschaft von Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU).
„In jedem Schüler stecken Talente“
Unter etwa 4000 Kandidaten nahm die Jury, der Trainer Ottmar Hitzfeld und ZDF-Intendant Dieter Stolte sowie Professoren, Schauspieler und Manager angehörten, die Auswahl vor. Neben Glöckner wurde im Rhein-Main-Gebiet noch Ludwig Fleischmann vom Karl-Rehbein-Gymnasium in Hanau ausgezeichnet. Die Ehrung war mit einem Hotelaufenthalt und Gala-Diner in Berlin verbunden.
Wer mit Glöckner im Café gegenüber der Heinrich-Böll-Schule sitzt, erlebt hautnah, wie beliebt der Lehrer ist. Eine Mutter kommt vorbei und bedankt sich für die Unterstützung ihrer Tochter. Eine ehemalige Schülerin bescheinigt ihm, ein „toller Mensch“ zu sein, der immer für die Schüler da gewesen sei. „Ich kann einfach nichts Schlechtes über ihn sagen“, meint die einundzwanzigjährige Anna Tcherniavski.
Glöckner bezeichnet sich selbst als einen „Achtundsechziger“. Damit ist nicht nur sein soziales und gewerkschaftliches Engagement gemeint, sondern auch die Tatsache, dass er 1968 seine erste Stelle an der Haupt- und Realschule in Groß-Zimmern angetreten hat. Sein Credo lautet: „Nur der Lehrer, der brennt, kann andere befeuern.“ Tatsächlich wirkt der Zweiundsechzigjährige kein bisschen „ausgebrannt“, sondern nach fast 40 Jahren im hessischen Schuldienst außergewöhnlich motiviert. Er findet, „in jedem Schüler stecken Talente“. Diese Begabungen herauszufinden habe ihn immer gereizt.
„Die Gemeinschaft lebt von starken Persönlichkeiten“
Dass er nicht wie andere Lehrer am „Burn-out-Syndrom“ leidet, hängt nach seinen Worten mit seinen vielfältigen Interessen zusammen. Der Vater von zwei erwachsenen Töchtern findet zu Hause in Dieburg die nötige Distanz, obwohl auch seine Frau Lehrerin war. Energie tankt er beim Joggen oder Tennisspielen. Beim Gitarrespielen, Malen oder Lesen kann er ebenfalls gut abschalten. Und Kochen ist für ihn wie Meditation. „Da jage ich alle aus der Küche und konzentriere mich ganz auf die Zubereitung der Mahlzeit.“
Glöckner wurde in Leipzig geboren. Als er zehn war, holte der Vater die Familie aus der sowjetisch besetzten Zone nach Dieburg, wo er seine erste Lehrerstelle angetreten hatte. „Das war damals noch ein angesehener Beruf“, erinnert sich der Sohn. Dass er und sein älterer Bruder ebenfalls Lehrer wurden, hing jedoch nicht nur mit dem väterlichen Vorbild zusammen. Bei Eckhard Glöckner waren Erfahrungen als Gruppen- und Stammesführer bei den Pfadfindern ebenso entscheidend. Prägend war auch der Besuch des humanistischen Gymnasiums. Dort habe er gelernt, dass jeder Einzelne wichtig sei und die Gemeinschaft von starken Persönlichkeiten lebe.
Fasziniert vom Deutsch- und Geschichtslehrer, der im Gegensatz zum eher konservativen Kollegium „offen und klug“ gewesen sei, studierte Glöckner später diese beiden Fächer sowie Sozialkunde. Auf wenig Verständnis stieß bei seinen Mitschülern sein Wunsch, Haupt- und Realschullehrer zu werden. Denn wer wie Glöckner zu den Besten seines Jahrgangs gehörte, wurde damals Jurist, Arzt oder zumindest Oberstudienrat. „Der Glöckner bleibt unter seinem Niveau“, habe es damals geheißen.
Überzeugter Anhänger der Gesamtschule
Das Lehrerexamen bestand er ebenso mit Auszeichnung wie das Referendariat und später die Prüfung für das gymnasiale Lehramt. Der ehrgeizige junge Mann bekam ein Hochbegabtenstipendium und promovierte über „Schulreformprozesse in Preußen“. Noch keine 30 Jahre alt, wurde er pädagogischer Leiter der 1974 eröffneten Integrierten Gesamtschule in Nieder-Roden.
Man habe das Ziel gehabt, in einer bildungsfernen Region eine moderne Schule aufzubauen, erinnert sich Glöckner an die damaligen Schulreformen und hitzigen Bildungsdebatten. Es galt Überzeugungsarbeit zu leisten und Ängste vor der „Einheitsschule“ und „Gleichmacherei“ abzubauen. 1980 gab es in Nieder-Roden die ersten Projektwochen an einer Schule in Hessen. „Da mussten wir uns rechtfertigen, was das alles soll“, erzählt Glöckner.
Er ist bis heute ein überzeugter Anhänger der Gesamtschule, die Kindern unabhängig von ihrer sozialen Herkunft eine Chance bieten und sie individuell fördern möchte. Der Pädagoge weiß allerdings auch, dass das System nur funktioniert, „wenn genügend starke Schüler zu uns kommen“. Dafür kämpft er, aber nicht verbissen. Denn Glöckner verfügt über eine Eigenschaft, die ihm das (Berufs-)Leben erleichtert. Dinge, die er nicht ändern kann, nimmt er mit Humor.
Abgedroschene Trivialitäten
Herrmann Mueller (Herbie_2005)
- 01.08.2007, 23:35 Uhr
Agnes Schönberger Jahrgang 1956, freie Autorin für die Rhein-Main-Zeitung in Aschaffenburg.
Jüngste Beiträge