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Deutsche Bahn 5500 Kilometer Schienen vor dem Austausch

09.03.2007 ·  Mit Investitionen in Höhe von 540 Millionen Euro in Hessen und 270 Millionen Euro in Rheinland-Pfalz und dem Saarland will die Deutsche Bahn ihr Schienennetz modernisieren. Die Baustellen werden längere Fahrtzeiten mit sich bringen.

Von Christian Siedenbiedel
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Ein bundesweites Sanierungsprogramm für das Schienennetz der Bahn wird in diesem Jahr zu erheblichen Beeinträchtigungen im Zugverkehr in Hessen führen. Wie die Deutsche Bahn AG gestern in Frankfurt ankündigte, sollen auf mehreren wichtigen Fernverkehrsstrecken die zum Teil mehr als 25 Jahre alten Gleise und Weichen erneuert werden.

Fünf große Bauprojekte will die Bahn allein in diesem Bundesland angehen, außerdem werden die Bahnfahrer in Hessen die Folgen von Großbaustellen in anderen Ländern spüren. In ganz Deutschland werden 5500 Kilometer Schiene ausgetauscht, 2000 Weichen erneuert, fünf Millionen Schwellen ausgewechselt und sechs Millionen Tonnen Schotter ersetzt. Die Investitionen für dieses Jahr in Hessen bezifferte die Bahn auf 540 Millionen Euro. Insgesamt sollen in Deutschland in den nächsten drei Jahren für das Sanierungsprogramm knapp fünf Milliarden Euro aufgewendet werden.

Erhebliche Auswirkungen für Hessen

Fünf große Baustellen werden für „geplante Verspätungen“ von Zügen in Hessen sorgen: So soll an Wochenenden von April bis Juni und im August die ICE-Strecke Leipzig–Frankfurt saniert werden. Unter anderem muss eine Brücke bei Weimar, die noch „aus Großvaters Zeiten“ stammen soll, komplett ausgetauscht werden. In weiteren Abschnitten werden die Schienen erneuert. Der ICE wird deshalb in dieser Zeit zwölf Minuten später am Frankfurter Südbahnhof ankommen und in die Gegenrichtung zwölf Minuten früher losfahren.

Auf der Strecke Fulda–Faßdorf–Bebra werden nach Bahnangaben neun Kilometer Gleis erneuert, und zwar ebenfalls an Wochenenden, von Juli bis September. Auch das wird eine längere Fahrtzeit für den ICE Leipzig–Frankfurt bedeuten, aber auch Verzögerungen im Nahverkehr. Außerdem werden auf der Strecke Fulda–Frankfurt, die als eine wichtige „Rennstrecke“ für die unterschiedlichsten Zuggattungen gilt, zahlreiche Weichen ausgewechselt. Das will die Bahn jeweils von Samstag, 2 Uhr, bis Sonntag, 14 Uhr, erledigen. Im Oktober und November soll an Wochenenden, zum Teil allerdings bis Montag früh, die Strecke Eichenberg–Bebra renoviert werden. Dort stehen nach Bahnangaben sieben Kilometer Gleiserneuerung an. Unmittelbar betroffen ist nur der Nahverkehr, der dort vom Bahnkonkurrenten Cantus erbracht wird, einer Tochter der Hamburger Hochbahn und der Hessischen Landesbahn.

Erhebliche Auswirkungen für Hessen und das Rhein-Main-Gebiet werden auch die Arbeiten an der Strecke Köln–Koblenz–Mainz haben, einem von bundesweit 28 Korridoren, die bahnintern als „sehr betroffen“ eingestuft wurden. Unter anderem wird die stark befahrene Strecke am Rhein erneuert. Fernverkehrszüge werden von der linken auf die rechte Rheinseite umgeleitet, was zu 20 bis 30 Minuten Fahrtzeitverlängerung führen soll.

Bahn will über die geänderten Fahpläne informieren

Zu den fern von Hessen gelegenen Großbaustellen, die trotzdem für Bahnfahrer in der Region Auswirkungen haben werden, gehört nach den Angaben der Bahn ein Abschnitt der Strecke Hamburg–Hannover. Dort erneuert die Bahn zwischen Celle und Lüneburg 28 Kilometer Gleise, außerdem tauscht sie 30 Weichen aus. Für zwei Monate kann die Strecke deshalb stellenweise nur eingleisig befahren werden. Viele Fernverkehrszüge, die über diese Strecke nach Frankfurt fahren, werden 20 Minuten länger brauchen. Intercity-Züge von Gießen nach Hamburg werden die Strecke zeitweise gar nicht benutzen können, sie enden dann in Hannover.

Zu den Gründen für das gewaltige Sanierungsprogramm sagte der Konzernbevollmächtigte der Bahn für Hessen, Klaus Vornhusen, der Verkehr auf der Schiene habe erheblich zugenommen. Vor allem beim Güterverkehr beobachte man hohe jährliche Wachstumsraten; seit 2002 habe er um 25 Prozent zugelegt. Aber auch im Personenfernverkehr der Bahn gebe es zurzeit Steigerungsraten, die über denen des Gesamtverkehrsmarkts lägen, ebenso auf wichtigen Pendlerstrecken. Das führe zu einem höheren Verschleiß der Schienen im Vergleich zu früheren Jahren. Gleichzeitig seien viele Strecken so befahren, dass die Bahn immer weniger Zeit habe, notwendige Instandhaltungsschritte in den Betriebspausen zu erledigen. „Gerade auf den Hauptstrecken wird auch die Baustellenlogistik immer anspruchsvoller“, sagte Vornhusen.

Die Bahn bemühe sich, die Fahrgäste so gut wie möglich über die anstehenden Bauarbeiten und die damit verbundenen Baustellen-Fahrpläne zu informieren, sagte Bahnsprecher Gunnar Meyer. Man sehe dabei die Kommunikation während der Sperrung des S-Bahn-Tunnels in Frankfurt als vorbildlich an und werde sich daran orientieren. „Wir setzen alle Medien ein, werden im Internet die geänderten Fahrpläne veröffentlichen, auf Plakaten und zusätzliches Informationsmaterial verteilen, sogenannte Memo-Cards“, sagte Meyer. In der kritischen Zeit werde die Bahn außerdem das Personal an den Bahnsteigen verstärken, zum Teil mit mobilen Auskunftsständen.

Die wichtigsten Projekte im Überblick

Zwischen Fulda und Bebra und Eichenberg und Bebra werden Weichen und Gleise erneuert, ebenso auf der „Rennstrecke“ zwischen Fulda und Frankfurt. Beeinträchtigungen gibt es für den ICE Leipzig-Frankfurt, aber auch für den Nahverkehr.
Bei Schlüchtern wird der Bau einer zweiten Röhre für den Schlüchterner Tunnel begonnen. Die Bohrungen sollen am 30. März beginnen. Die Bahn rechnet mit keinen Behinderungen für Züge Frankfurt-Fulda.
Gearbeitet wird in diesem Jahr auch an den Strecken Gießen-Dillenburg und Gießen-Weilburg.
Am Frankfurter Flughafen werden vom 9. bis zum 30. Juli Weichen und Schienen im Tunnelbahnhof ausgetauscht. Er wird für einige Zeit gesperrt. Die Bahn plant Pendelzüge vom Frankfurter Hauptbahnhof zum ICE-Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen.
Bei der Frankfurter S-Bahn soll an der Linie Kronberg-Frankfurt zwischen März und Mai an einem neuen Bahnsteig gebaut werden, das soll an Wochenenden zu Beeinträchtigungen führen.
Voraussichtlich im Mai wird offenbar an der Frankfurter S-Bahn-Stadion Galluswarte gearbeitet.
Im Frankfurter Süden will die Bahn den Umbau des Schienenknotens an der Station „Stadion“, an dem die Neubaustrecke Frankfurt-Köln eingefädelt wird, in diesem Jahr fortsetzen.
In Rheinland-Pfalz sind unter anderen die Strecken Köln-Koblenz-Mainz und Mainz-Mannheim im Sanierungsprogramm. An der Rheinstrecke muss im Laufe der Sommermonate an Wochenenden mit längeren Fahrzeiten (20 bis 30 Minuten) gerechnet werden, weil die Fernverkehrszüge auf die rechte Rheinseite umgeleitet werden.
In Mainz wird der alte Bahntunnel saniert, er wird für längere Zeit gesperrt.

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Jahrgang 1969, Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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