21.07.2010 · Das Amt für Straßen und Verkehrswesen hat eine Machbarkeitsstudie zur Neugestaltung des Darmstädter Kreuzes erstellt.
Von Rainer Hein, DarmstadtDas Darmstädter Kreuz, das jeden Tag im Schnitt 225.000 Fahrzeuge passieren, wird in den nächsten Jahren umgestaltet. Einer Machbarkeitsstudie des Amtes für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) , das aus acht untersuchten Varianten eine favorisiert, hat das Bundesministerium für Verkehr-, Bau- und Stadtentwicklung inzwischen zugestimmt. Das geht aus der Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage der Darmstädter Bundestagsabgeordneten Daniela Wagner (Die Grünen) hervor. Ziel der Planungen, die das Land Hessen finanziert, ist es vor allem, die „Verflechtungsbeziehungen“ zu verbessern, die als „sehr kritisch“ gelten und gefährliche Stauungen zur Folge haben. Gemeint sind damit die vielen Fahrspurwechsel, zu denen Autofahrer durch die Komplexität dieses Kreuzes gezwungen werden, das aus A 5 und A 67 und dem nach Darmstadt und Griesheim führenden Zubringer A 672 besteht und eher wie ein Herz aussieht. Zwischen 2006 und 2008 ereigneten sich hier insgesamt 776 Unfälle.
Anlass, über eine Neuordnung der Verkehrsbeziehungen nachzudenken, ist die über kurz oder lang notwendige Sanierung von drei Brücken: Die eine führt die B 26, die andere die A 672 über die A5 und die dritte befindet sich unter der „Hähnchenkurve“ der A 672 an der Anschlussstelle Griesheim. Da die Sanierungsplanungen davon abhängen, wie breit die zu überquerenden Autobahnen in Zukunft sein werden, machten sich das ASV und das Ingenieurbüro Durth Roos grundsätzliche Gedanken zur Gestaltung eines Autobahndreiecks, um dessen Leistungsfähigkeit und Verkehrssicherheit durch eine Neuordnung der Verkehrsströme zu verbessern. Ausgangspunkt der Überlegungen sind Prognosen über die Zunahme des Güter- und des Straßenverkehrs. Sie sagen für das Darmstädter Kreuz bis 2025 nach Angaben des Bundesverkehrsministeriums eine Zunahme bei Personenwagen um 19 Prozent und bei Lastwagen um etwa 35 Prozent voraus.
Sieben „Verflechtungszonen“
Ein gewisser Zeitdruck ergibt sich für die Verkehrsplaner neben der Notwendigkeit der Brückensanierung auch durch den sechsspurigen Ausbau der Autobahn 67 zwischen Darmstadt und Lorsch und durch die Planungen für die ICE-Schnellbahntrasse Frankfurt-Mannheim, die nach Stand der Dinge direkt entlang von A 67 und A 5 verlaufen soll, möglicherweise mit einem Haltepunkt (Westbahnhof) in Höhe des Darmstädter Kreuzes. In die Planungen dieser verschiedenen einzelnen Bauvorhaben sollen die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie, nachdem das Bundesministerium sein Plazet gegeben hat, nun einfließen.
In der Untersuchung sind sieben „Verflechtungszonen“ am Darmstädter Kreuz identifiziert, die derzeit zu Stauungen führen und deshalb gleichzeitig Gefahrenzonen bilden. Am häufigsten reihen sich die Fahrzeuge aus der A 5 in Richtung Süden, weil sich die Fahrer im starken Strom aus Frankfurt in den schwächeren Strom aus Richtung Rüsselsheim einfädeln müssen. Die Leistungsfähigkeit des Kreuzes, so heißt es in der Studie, sei an dieser Stelle nicht mehr gegeben. Kritisch wird es auch für Lastwagenfahrer, die von der A 5 in Richtung Süden auf die A 67 fahren wollen. Sie müssen dafür zwei Spuren nach links queren. Die favorisierte Variante sieht nun vor, diese Gefahrenstelle zu entschärfen, indem die Auf- und Abfahren klarer geregelt und die Verkehrströme deutlicher voreinander getrennt werden. So ist zum Beispiel eine separate Spur für Lastwagenfahrer von Weiterstadt an vorgesehen, die von der A 5 auf die A 67 führt, wodurch der gefährliche Spurenwechsel vermieden würde.
Unterschiedliche Angaben zur Verkehrsentwicklung
Innerhalb des Autobahndreieckes sollen an verschiedenen Stellen außerdem immer wieder Betonleitwände getrennte Spuren schaffen. Eine neue Spur ist für Autofahrer vorgesehen, die etwa von Eberstadt nach Darmstadt wollen. Sie müssten künftig dann nicht mehr die A 5 mitbenutzen. Für die Neuordnung des Darmstädter Kreuzes sind insgesamt 100 Millionen Euro veranschlagt. Wie es in der Machbarkeitsstudie heißt, ist das Gesamtprojekt nur in Abschnitten zu realisieren: „Zunächst steht die Erneuerung der Brücken im Zuge der A 672 und der B 26 über die A 5 an, kurz- bis mittelfristig wird darüber hinaus die Brücke der A 672 über die A 67 bei der Anschlussstelle Griesheim zu erneuern sein.“ Zeitangaben machte das Amt bislang noch nicht.
Die Bundestagsabgeordnete Wagner, die Mitglied im Verkehrsausschuss ist, stellt die Machbarkeitsstudie in Frage. Anlass sind unterschiedliche Angaben zur Verkehrsentwicklung. Wagner verweist darauf, dass das ASV Darmstadt eine Steigerung des Güterverkehrs um 84 Prozent seinen Überlegungen zugrunde lege, das Bundesverkehrsministerium aber nur von 35 Prozent ausgehe.