20.06.2005 · Die Darmstädter Fachhochschul-Präsidentin kündigt Reformen an: „Wir haben in der Zeit des Wachstums nie überlegt, ob wir uns konzentrieren sollten und wo wir abbauen können“. Dies müsse jetzt geschehen.
Ähnlich wie die Technische Universität Darmstadt, die mit einem umfangreichen „Reformpaket“ auf den sogenannten Bologna-Prozeß, die neue staatliche Mittelvergabe und die Anforderungen im universitären Wettbewerb, reagiert, stehen auch der Fachhochschule Darmstadt (FHD) weitreichende Veränderungen bevor. Präsidentin Maria Overbeck-Larisch will noch in der ersten Hälfte des Wintersemesters einen Struktur- und Entwicklungsplan für die FH vorlegen, die zu den größten Fachhochschulen in Deutschland zählt.
Obwohl Einzelheiten bislang nicht feststehen, sieht Overbeck-Larisch den allgemeinen Handlungsrahmen durch die angespannte finanzielle Situation und das bislang stetige Wachstum der Fachhochschule vorgegeben. Auch wenn die zunächst vom Land angekündigten Kürzungen von 2,5 Prozent vom Tisch seien, drohten für 2007 Verluste von bis zu 1,5 Prozent. Die FH stehe vor großen Herausforderungen.
„Nie überlegt, wo wir abbauen können“
Overbeck-Larisch ist seit dem 1. März 2003 Präsidentin der Fachhochschule Darmstadt, in der sie zuvor 25 Jahre als Professorin für Mathematik und Naturwissenschaft und Leiterin des Zentrums für Forschung und Entwicklung gearbeitet hat. Nach einer spannenden Wahl um das Amt, das erstmals öffentlich ausgeschrieben war und um das sich 46 Kandidaten bewarben, löste sie FH-Präsident Christoph Wentzel ab.
Antworten verlangt nach Ansicht der Präsidentin auch die in 15 Jahren gestiegene Zahl der Studenten von 7000 auf mehr als 11000. Die Strukturen der FH hätten dieser Entwicklung nicht ausreichend angepaßt werden können. Overbeck-Larisch plädiert dafür, eine weitere Expansion in Frage zu stellen und den Fokus auf die Qualität des Studienangebots und das Profil der FH zu legen. „Wir haben in der Zeit des Wachstums nie überlegt, ob wir uns konzentrieren sollten und wo wir abbauen können“. Dies müsse jetzt geschehen.
In die Diskussion um den Struktur- und Entwicklungsplan wird die FH-Präsidentin federführend eingreifen, nachdem die Beratungen im Senat zu keinem greifbaren Ergebnis geführt haben. Der beauftragte Ausschuß zur Hochschulentwicklungsplanung, dem seit 2004 Einzelvorschläge aller 15 Fachbereiche vorliegen, sei mit der schwierigen Aufgabe nicht zu Rande gekommen. Deshalb werde der Strukturplan jetzt vom Präsidium erarbeitet, ein Vorgehen, das das neue Hochschulgesetz ermögliche. Abstimmungsgespräche mit allen Fachbereichen gingen dem aber voraus. Beteiligt würden daran Professoren, Mitarbeiter und die Studentenvertreter im Fachbereichsrat. In einigen Punkten zeichnen sich, so läßt die Präsidentin durchblicken, grundlegende Veränderungen bis in die Struktur der Fachbereiche hinein ab. Auch könnten künftig nicht mehr alle Professorenstellen besetzt werden. Ein allgemeiner Stellenabbau sei allerdings nicht vorgesehen.
Viele Neuerungen seit 2003
In ihrer ersten öffentlichen Bilanz seit dem Amtsantritt 2003 erwähnt Overbeck-Larisch eine ganze Reihe von Neuerungen auf, die umgesetzt worden seien. Dazu zählt die Präsidentin den „Afternoon Tea“, eine Gelegenheit für Mitglieder der Fachhochschule zum Gedanken- und Meinungsaustausch; Senatsmitteilungen, die nunmehr an alle Mitglieder der Fachbereiche gehen; das verabschiedete Leitbild für die Fachhochschule sowie das neu strukturierte und personell aufgestockte Sprachenzentrum der FH.
Auch das Bemühen um eine Intensivierung der Kontakte zur Wirtschaft zeitigt nach Ansicht der Präsidentin Erfolg. So sei mittlerweile ein Vertreter der Schenck AG Mitglied des Hochschulrates und T-Online das erste Mitglied des neuen Business-Clubs, der im vergangenen November gegründet wurde. Diese strategischen Partnerschaften haben verschiedene Ziele: eine finanzielle Förderung der Fachhochschule und die Bereitstellung von studentischen Praxisplätzen durch die Unternehmen einerseits, im Gegenzug seitens der FH Weiterbildungsangebote für die Firmen und die Möglichkeit für Mitarbeiter, als Lehrbeauftragte an der Fachhochschule zu unterrichten.
Optische Präsens verbessern
Bei der Anbahnung solcher Kooperationen hat es eine Fachhochschule, die in der Regel für ihre Praxisnähe gerühmt wird, keineswegs leichter als etwa die Technische Universität Darmstadt. In der öffentlichen Wahrnehmung hat Overbeck-Larisch vielmehr ein deutliches Mißverhältnis wahrgenommen. „Wenn man in Darmstadt jemanden fragt: Kennen Sie die FH, dann könnte man bislang froh sein, wenn mit einem ,Ja' geantwortet wurde“. Dies zu ändern sei eines der zentralen Ziele ihrer Arbeit. Dabei soll dem Präsidium künftig eine Abteilung helfen, in der Pressearbeit, Marketing und Fundraising zusammenkommen.
Erste Schritte, die Einnahmen der Hochschule zu verbessern, wurden von Overbeck-Larisch ebenfalls eingeleitet. Die Gebühren für Weiterbildungsveranstaltungen zum Beispiel, die sich an Firmenmitarbeiter richten, sind zwischenzeitlich deutlich angehoben worden. Zu den Zukunftsperspektiven der FH gehört die Sanierung verschiedener Gebäude, vor allem des alten FH-Hochhauses, in dem „bis auf den Brandschutz“ in 40 Jahren nichts geschehen sei. Pläne mit grober Kostenabschätzung von 18 Millionen Euro liegen dem Ministerium vor. Die „Ideenwerkstatt“ der FH, ebenfalls ein 2004 angeregtes Projekt, hat für Wiesbaden darüber hinaus eine vollkommene Neukonzeption erarbeitet: Die Konzentration der FH rund um das Hochhaus bei gleichzeitige Aufgabe der Gebäude am Haardtring.
Eine solche „Campus-Lösung“ wäre vermutlich der direkteste Schritt, um die optische Präsens der Fachhochschule in der Wissenschaftsstadt zu verbessern. Welche Aussichten auf Realisierung ein solches Bauvorhaben angesichts der Haushaltssituation des Landes besitzt, wagt Overbeck-Larisch allerdings nicht abzuschätzen.