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Darmstadt HSE investiert – und verdient weniger

01.07.2010 ·  Der Darmstädter Energieversorger HSE will 1,3 Milliarden Euro in die Stromerzeugung aus Wind, Sonne und Wasser stecken. Der Gewinn brach jedoch 2009 deutlich ein.

Von Rainer Hein, Darmstadt
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Was Nachhaltigkeit in der Energiebranche bedeutet, hat man am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz der Heag Südhessischen Energie AG nicht nur im Geschäftsbericht 2009 nachlesen können. Auch der neue Markenauftritt mit dem Slogan „Das Ganze sehen“ diente dem Vorstandsvorsitzenden Albert Filbert zur Verdeutlichung der Unternehmensstrategie. Die lautet weiterhin, auf erneuerbare Energieerzeugung zu setzen. Das schon im vergangenen Jahr verkündete Ziel, bis 2014 rund eine Milliarde Euro in Wind-, Wasser-, Solar oder Biogasanlagen zu investieren, präzisierte der für Finanzen, Personal und Betrieb zuständige Vorstand Holger Mayer insofern, als er von 1,3 Milliarden Euro sprach, die in den nächsten fünf Jahren dafür ausgegeben werden sollen.

Im abgelaufenen Geschäftsjahr beteiligte sich die HSE mit 50,1 Prozent an der Forest Carbon Group AG, ein Unternehmen, das Firmen dabei unterstützt, ihre Kohlendioxid-Emissionen freiwillig durch Aufforstung oder Waldschutz zu kompensieren. Der südhessische „Kompensationswald“ soll in British Columbia in Kanada wachsen. Diese Form von „Ganzheitlichkeit“ ist für den HSE-Vorstand Kern seiner Nachhaltigkeitsphilosophie, die die gesamte Geschäftstätigkeit umfassen und erstmals im Laufe des Jahres auch in einem Nachhaltigkeitsbericht dokumentiert werden soll.

Allgemein schlechte Wirtschaftsdaten

Filbert und Mayer berichteten am Mittwoch, dass die hohen Investitionen in regenerative Energien auch mit entsprechenden Belastungen verbunden seien und angesichts der Wirtschaftlage und der Diskussion um die Zukunft der Kernenergie eine „unternehmerische Herausforderung“ darstellten. Die HSE sei dafür aber gut aufgestellt. Das Unternehmen habe den Wandel vom reinen Weiterverteiler hin zu einem „Nachhaltigkeitskonzern“ inzwischen erfolgreich vollzogen und die Vertriebsgesellschaft Entega sich als Stromanbieter in ganz Deutschland etabliert. Konkrete Belege für den Spitzenplatz blieben Filbert und Mayer zwar schuldig, sie kündigte aber eine Pressekonferenz zu dem Thema für nächste Woche an und nannten als Beispiel für den Markterfolg die Zahl von 30 000 neuen Ökostromkunden. Inzwischen würden 50 Prozent der Energiemenge außerhalb Südhessens abgesetzt. Wie der Vorstandsvorsitzende berichtete, wird die HSE die Anteile der Stadtwerke Mainz an der Entega ebenso übernehmen wie die von der Cityworks AG und der Count and Care GmbH. Die Gespräche dazu seien abgeschlossen.

Die allgemein schlechten Wirtschaftsdaten 2009 haben sich auch in der HSE-Bilanz niedergeschlagen. Bedingt unter anderem durch den Rückgang der Energienachfrage in der Produktion, setzte der Konzern mit 7,5 Milliarden Kilowattstunden weniger Strom als 2008 ab. Damals waren es 7,7 Milliarden. Die verkaufte Erdgasmenge sank von 10,3 Milliarden Kilowattstunden auf neun Milliarden, der Wasserabsatz betrug rund 13 Millionen Kubikmeter nach 13,4 Millionen 2008. Trotzdem stieg der Konzernumsatz von 1,2 auf 1,4 Milliarden Euro, was mit den an der Börse gehandelten Energiemengen begründet wurde.

„Zufriedenstellend“

Bei einem Eigenkapital von 287 Millionen Euro konnte ein Bilanzgewinn in Höhe von 34 Millionen Euro nach 41,5 Millionen 2008 erwirtschaftet werden. Der Hauptversammlung wird vorgeschlagen, 33,4 Millionen Euro auszuschütten. Filbert bezeichnete das Jahresergebnis als zufriedenstellend.

2009 hat die HSE nach den Angaben im Geschäftsbericht fast 200 Millionen Euro größtenteils in den Bau regenerativer Energieanlagen investiert. Dazu zählen zwei weitere Biogasanlagen in Lorsch und Semd, zwei Windenergieprojekte in Groß-Umstadt und Schlüchtern, die Beteiligung an einem Onshore-Windpark, der Strom für 15 700 Haushalte zur Verfügung stellen soll, und an einem Windpark in der Nordsee, der von 2013 an rund 115 000 Haushalte versorgen wird. Insgesamt sind gegenwärtig regenerative Erzeugungsanlagen mit einer Kapazität von 175 Megawatt in Betrieb oder im Bau. Die Finanzierung dieser Anlagen hat dazu geführt, dass sich die Eigenkapitalquote leicht verringerte und die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten und die sonstigen Verbindlichkeiten insbesondere durch die Schuldscheindarlehen um 274 Millionen Euro erhöhten.

Deutliche Kritik übte Filbert an der Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke: „Die Atomkraft ist keine Brückentechnologie, sondern eine Innovationsbremse.“ Die aktuelle Diskussion sei kurzsichtig. Die Energiebranche stehe vor einem gravierenden Strukturwandel und benötige neben dem Ausbau der regenerativen Energien Innovationen in den Netzen und bei den Speichertechnologien. Die HSE engagierte sich an diesem „Umbau“ weiter durch das 2008 gegründete Naturpur-Institut für Klima- und Umweltschutz, das vergangenes Jahr 25 Millionen Euro in Forschungsprojekte investierte, und durch eine Kooperation mit Opel zur klimaneutralen Elektromobilität. Außerdem wird Darmstadts Konzern 55 Millionen Euro in den Bau einer Gasturbinenanlage investieren, um Produktionsschwankungen, wie sie bei regenerativer Energieerzeugung unvermeidlich sind, auszugleichen.

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Jahrgang 1958, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

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