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Darmstadt Für das Deutsche Polen-Institut drängt die Zeit

 ·  Oberbürgermeister Benz könnte zur Jubiläumsveranstaltung des Deutschen Polen-Instituts am 22.Juni mit einem angemessenen Präsent kommen: dem Gründerzeitgebäude Oetinger Villa als künftiges Domizil des Instituts. Wenn die Stadtverordenten mitmachen.

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Wenn auf der Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am 31. Mai so abgestimmt werden sollte, wie dies vergangene Woche im Ausschuß für Kultur und Wissenschaft geschehen ist, dann könnte Oberbürgermeister Peter Benz (SPD) zur Jubiläumsveranstaltung des Deutschen Polen-Instituts am 22.Juni mit einem angemessenen städtischen Präsent kommen: dem Gründerzeitgebäude Oetinger Villa als künftiges Domizil des Instituts. Der Rahmen für eine solche Gabe wäre in mancherlei Hinsicht passend: Im Deutsch-Polnischen Jahr, zur Feier der Gründung des Polen-Instituts vor 25Jahren - und bei Anwesenheit von Bundespräsident Horst Köhler und des Präsidenten der Republik Polen, Aleksander Kwasniewski, die beide im Juni nach Darmstadt kommen werden.

Als persönlicher Aspekt käme hinzu, daß die Festveranstaltung im Kleinen Haus des Staatstheaters für den Darmstädter Oberbürgermeister das letzte öffentliche Podium darstellt: Am Tag darauf wird Benz aus dem Amt verabschiedet und sein Nachfolger Walter Hoffmann eingeführt.

Der Kulturausschuß hat dem Vorschlag des Magistrats mit großer Mehrheit zugestimmt, die als Jugend- und Kulturzentrum (JuKuz) genutzte denkmalgeschützte Gründerzeitvilla für das Polen-Institut herzurichten. Dies ist verbunden mit der Vorgabe, für das JuKuz zuvor eine akzeptable Alternative zu finden.

Bibliothek mit 50.000 Büchern

Über den Beschluß und das damit verbundene Junktim ist Dieter Bingen sehr zufrieden: Seit nunmehr drei Jahren ist der Direktor des Polen-Instituts mit der Stadt im Gespräch über einen neuen Standort, denn die vom Institut genutzten Häuser Deiters und Olbrich auf der Mathildenhöhe sind längst zu eng geworden. Die Bibliothek mit ihrem Bestand von 50.000 Büchern und einem jährlichen Zuwachs von mehr als 1.500 Medieneinheiten ist im Olbrichhaus in drei Kellerräumen so beengt untergebracht, daß dort in keines der Regale auch nur eine neue Ausgabe beispielsweise der Suhrkamp-Reihe "Denken und Wissen" unterzubringen wäre, des publizistischen Flaggschiffs des Instituts. Ein Drittel des Bestandes ist schon in den Kellerraum des Hauses der Akademie für Sprache und Dichtung ausgelagert. Von einer modernen Präsenzbibliothek, angemessenen Arbeitsbedingungen für die zwölf Instituts-Mitarbeiter, großzügigen Ausstellungs- und Tagungsräumen kann keine Rede sein.

Der Umzug ist schon seit Jahren drängend und die Oetinger Villa seit 2003 als möglicher Standort im Gespräch, aber Bingen wollte nie eine Lösung für sein Institut auf Kosten der Jugendlichen. "Wir haben schon zu Beginn der Gespräche mit der Stadt gesagt, daß die Jugendlichen in der Oetinger Villa eine Alternative haben sollen. Wir wollen ein Ausspielen um jeden Fall vermeiden. Worum es uns geht, ist eine Win-Win-Situation." Insofern sei er froh, daß im Vorschlag des Magistrats diese Verbindung - angemessene Alternative für das JuKuz, dann Sanierung der Villa und Nutzung durch das Polen-Institut - ausdrücklich formuliert sei.

Die 1898 erbaute großräumige Villa wäre für das Polen-Institut ein geeignetes Gebäude. "Es ist ein Haus, in dem alle Teile unseres Instituts unter einem Dach zusammengefügt werden können. Wir haben den Raumbedarf genau abgeglichen, die Villa entspricht sehr gut unseren Bedürfnissen und der gewünschten Außenwirkung. Die Bibliothek ließe sich bei bestehenden Ausbaukapazitäten dort gut unterbringen, wir könnten Arbeitsmöglichkeiten für Wissenschaftler einrichten und die Villa für unsere Veranstaltungen nutzen", sagt Bingen. Auch Tagungen, Konferenzen und Workshops für einen größeren Personenkreis sowie Ausstellungen und Lesungen, die aufgrund der räumlichen Enge jetzt teilweise an anderen Orten stattfinden müßten, seien in der Villa möglich. "Es geht uns nicht allein um Büroräume. Ein ehemaliges TÜV-Gebäude oder ein altes Landratsamt wäre nicht der richtige Ort für das Polen-Institut. Das Haus muß auch Atmosphäre haben und sollte über die Kapazität verfügen, sich zu einem Begegnungszentrum zu entwickeln."

Zeitfaktor spielt eine wichtige Rolle

Allerdings spielt für den Institutsdirektor neben den räumlichen Vorgaben der Zeitfaktor eine wichtige Rolle. Es gehe um eine Perspektive, die Planungssicherheit biete. Und diese umfasse zwei Jahre. "Bis dahin sollte etwas passiert sein." Das aber bedeutet für Bingen angesichts der nötigen Sanierung der Oetinger Villa, "daß am besten noch im Sommer eine Lösung für das JuKuz gefunden sein muß".

Daß die Zeit drängt, hat für Bingen auch mit der wachsenden Bedeutung seines Instituts zu tun. Durch den Prozeß der europäischen Einigung gebe es einen großen Informationsbedarf über die deutsch-polnische Nachbarschaft. Neue Projekte, wie die Herausgabe des Buches "Polnisch als Fremdsprache" für Gymnasien oder ein Lehrerheft zur polnischen Geschichte stünden in den nächsten zwei, drei Jahren an - alles Vorhaben, die zur Aufklärung dienen und einer "negativen Instrumentalisierung" entgegenwirken sollen, wie sie Bingen in einigen aktuellen Diskussionen erkennt.

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Von Matthias Alexander

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