Home
http://www.faz.net/-gzl-11myt
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Darmstadt Evangelische FH erwägt Studiengebühr

20.01.2009 ·  Die Evangelische Fachhochschule in Darmstadt befindet sich in einer angespannten finanziellen Lage, an der die „hessischen Verhältnisse“ nicht unschuldig sind. Denn anders als staatliche Hochschulen erhält sie nach dem Aus für die Studiengebühren kein Geld aus dem Landesetat.

Von Rainer Heint
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Die Evangelische Fachhochschule (EFH) in Darmstadt befindet sich in einer angespannten finanziellen Lage, an der die berühmten „hessischen Verhältnisse“ nicht ganz unschuldig sind. Die private Hochschule in Trägerschaft der evangelischen Kirche und des Diakonischen Werks hat 2007 wie alle anderen Hochschulen und Universitäten in Hessen auch Studienbeiträge in Höhe von 500 Euro eingeführt. Diese wurden nach der Landtagswahl 2008 durch den neugewählten Landtag wieder abgeschafft. Gleichzeitig ersetzte das Land den Hochschulen die Einnahmeausfälle. Einzige Ausnahme: die EFH.

Sie hat bisher, weil in privater Trägerschaft, keinen Euro aus dem Ausgleichstopf des Landes erhalten. Deshalb hat der Hochschulrat jetzt beraten, wie es weitergehen soll. Denn ohne die Studienbeiträge, die die EFH zunächst nur für die neu Immatrikulierten erhoben hatte und in diesem Wintersemester ganz aussetzte, klafft eine Lücke von 400.000 Euro im 6,8 Millionen Euro umfassenden Etat. „Diese Summe ist nicht einzusparen, indem wir das Licht früher ausschalten. Das ginge nur, wenn wir Stellen nicht mehr besetzten“, sagte EFH-Präsidentin Alexa Köhler-Offierski am Dienstag.

Der Hochschulrat hat auf Initiative der studentischen Vertreter beschlossen, auch zum Sommersemester zunächst keine Studienbeiträge zu erheben, in der Hoffnung, die neue Landesregierung werde finanzielle Hilfen gewähren. In den Gesprächen mit Vertretern des Ministeriums für Wissenschaft und Kunst sowie den Fraktionen von CDU, FDP, SPD und Grünen habe es positive Signale in diese Richtung gegeben, sagte Köhler-Offierski.

Zuschuss des Landes seit vier Jahren gleich

Die EFH setzt also auf die Faktoren Zeit und Einsicht. Allerdings nur bis zum Herbst: Sollte das Land bis dahin nicht für Gleichbehandlung gesorgt haben, müssten die Studenten, so die Präsidentin, im Oktober einmalig für beide Semester 444 Euro zahlen. Auf diese Höhe hat der Rat die Studiengebühr reduziert durch die Entscheidung, bis auf sozial begründete Ausnahmefälle alle Studenten zur Zahlung heranzuziehen.

Köhler-Offierski und EFH-Kanzler Gustav Fetzer haben darauf hingewiesen, dass das Land seinen Zuschuss von 1,2 Millionen Euro seit vier Jahren nicht angepasst habe – im Gegensatz zur Landeskirche – und im Vergleich zu anderen Bundesländern auch deutlich weniger zahle. Der Landesanteil am EFH-Budget liege bei 18 Prozent, Berlin hingegen fördere vergleichbare Einrichtungen mit 80 Prozent, Bayern mit 70, Baden-Württemberg mit 40 Prozent. Ein weiteres Argument der Hochschulleitung ist das Profil der EFH: Sie bilde 1200 Studenten für Berufe aus, die wie Sozialarbeiter, Pflegefachkräfte oder Heilpädagogen zwar gesellschaftlich unabdingbar seien, aber schlecht bezahlt würden. Die Studenten stärker zu belasten als Kommilitonen an staatlichen Hochschulen, sei nicht gerechtfertigt.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Perspektivlosigkeit ist Gift

Von Rainer Schulze

Die Zukunft der Wohnungsbaugesellschaft Nassauische Heimstätte ist unklar. Das Land will sich von der Beteiligung trennen - Frankfurt hat die Hand gehoben. Eine Entscheidung tut not. Mehr