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Darmstadt „Ein Bahnhof Tann ist der Supergau“

10.02.2010 ·  Der Bergsträßer Landrat Wilkes (CDU) ist gegen einen Fernbahnhof in Darmstadt. Die ganze Region würde abgehängt, argumentiert er.

Von Werner Breunig, Darmstadt
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Die Landkreise Bergstraße und Odenwald haben sich am Mittwoch vehement gegen einen neuen Fernbahnhof West im Darmstädter Stadtteil Tann ausgesprochen. Der Bergsträßer Landrat unterbreitete stattdessen einen neuen Vorschlag für die Schnellbahntrasse zwischen Frankfurt und Mannheim. Matthias Wilkes (CDU) empfahl, die Neubaustrecke an Darmstadt vorbeizuführen und schloss sich dem Wunsch der Bahn AG an. Allerdings verlangte Wilkes, dass von Norden her eine Spange zum Darmstädter Hauptbahnhof gelegt wird, von Süden her aber nicht. Im Süden sollten stattdessen die ICE-Züge über die vorhandene Main-Neckar-Bahn laufen mit Halt in Darmstadt, Bensheim, Weinheim und Heidelberg und sodann auf die Schnellbahnstrecken Richtung Karlsruhe oder Stuttgart einschwenken. Zur Haltung des Kreises Darmstadt-Dieburg gab es gestern unterschiedliche Angaben für und gegen einen Bahnhof Tann.

Wilkes sagte, ein Außenbahnhof in Tann wäre ein „Supergau“. Dieser Fernbahnhof wäre vom Darmstädter Hauptbahnhof aus nur mit der Straßenbahn zu erreichen und fordere 20 Minuten Zeit vom Aussteigen im Hauptbahnhof bis zum Einsteigen in Tann. Wenn jetzt die DB Netz in einem „Gefälligkeitsgutachten“ für die Straßenbahn werbe, dann sei allein das schon verräterisch. Benötigt werde aber der Anschluss Darmstadts an den Fernverkehr. Denn die Region Südhessen sei sternförmig aus fünf Richtung auf den Hauptbahnhof ausgerichtet.

Zwischen Main und Neckar lebten eine Million Menschen

Ein Bahnhof Tann werde nicht angenommen, und für zwei Züge je Stunde sei es unverantwortlich, einen neuen Bahnhof mit Steuergeld zu bauen. Lägen erst die Gleise, dann blieben sie für Generationen liegen und bestimmten die Zukunft. Deshalb sei jetzt eine „Jahrhundertentscheidung“ zu treffen. Es gehe auch um die Verknüpfung der Region mit einer S-Bahn.

2015 soll Wilkes zufolge Darmstadt samt Bergstraße an das S-Bahn-Netz des Rhein-Neckar-Raumes angebunden werden. Ein Außenbahnhof nur für den Fernverkehr entwerte Darmstadt als Oberzentrum. Die Bahn müsse wiederum bedenken, dass zwischen Main und Neckar eine Million Menschen lebten. Zudem gehe es für den Güterverkehr um den Lückenschluss zwischen Rotterdam und Genua, und hier sollten die Güter weg von der Straße auf die Schiene.

„Wissenschaftsshuttle“

Auch der Odenwälder Landrat Dietrich Kübler (ÜWG) schloss sich Wilkes an. Er erinnerte an Gutachten aus der Region, die sagten, ein ICE-Halt in Darmstadt sei nur sinnvoll, wenn er auch aus dem Umland erreichbar sei. „Wir brauchen die Verbindung über Darmstadt“, äußerte er.

Wilkes hatte schon vor Jahren mit den Bürgermeistern und Oberbürgermeistern der Metropolregion Rhein-Neckar einen „Wissenschaftsshuttle“ entlang der Bergstraße verlangt. Inzwischen lässt die Bahn morgens und abends einige ICE-Zügen über die Main-Neckar-Bahn laufen.

Mit Darmstadt nicht verscherzen

Gestern gab es Irritationen über die Rolle des Kreises Darmstadt-Dieburg. Zwar hatte dieser Landkreis gemeinsam mit Wilkes und Kübler zu der Pressekonferenz eingeladen, doch aus dem Kreis Darmstadt-Dieburg erschien niemand.

Während Wilkes ausdrücklich sagte, dass der Darmstadt-Dieburger Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD), der zurzeit in Kur weilt, seine Vorschläge mittrage, also den Bahnhof Tann ebenfalls vehement ablehne, wusste man gestern im Landratsamt nichts von der neuen Idee Wilkes’. Vielmehr wurde eine Pressemitteilung verbreitet, in der Schellhaas bekräftigte, dass sein Landkreis nach wie vor zu den Beschlüssen über einen ICE-Halt stehe. Die Direktanbindung des Hauptbahnhofs Darmstadt sei die 1-A-Lösung, doch man könne auch mit einer 1-B-Lösung, dem Bahnhof Tann, leben. Der Bau sei aus wirtschaftlicher Sicht positiv zu bewerten. Dringend notwendig seien ein Halt in der Region und die S-Bahn nach Süden wie nach Norden. Der Leiter der Wirtschaftsförderung im Landratsamt, Ralf Möller, versuchte am Mittwoch das Durcheinander damit zu erklären, dass Darmstadt-Dieburg es mit der Stadt Darmstadt nicht verscherzen wolle. Die Stadtverordnetenversammlung dort plädiert für die ausschließliche Anbindung des Hauptbahnhofs an das Schnellbahnnetz, Oberbürgermeister Walter Hoffmann empfiehlt den neuen Außenbahnhof.

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Jahrgang 1952, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Landkreis Darmstadt-Dieburg.

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