In Bad Homburg ist am Freitag der Grundstein für ein Gebäude gelegt worden, in dem das neue Sendezentrum des Ballungsraumfernsehens Rhein-Main TV seinen Sitz haben wird. Der Komplex an der Siemensstraße in Bad Homburgs größtem Gewerbegebiet bietet insgesamt 9500 Quadratmeter Fläche sowie Stellplätze für 200 Autos. Bauherr ist die C&W Projektentwicklungsgesellschaft mbH & Co, die im vergangenen Jahr mit Sitz in Bad Homburg gegründet wurde. Deren Gesellschafter sind die Projektentwicklungsgesellschaften Comunithy mbH Düsseldorf und WPE Walter GmbH Augsburg. Mit dem Bau der Immobilie, deren Investitionsvolumen bei 25 Millionen Euro liegt, wurde im Januar begonnen. Bezugsfertig soll das Gebäude im September 2004 sein. Mieter ist außer der Rhein-Main Ballungsraumfernsehen Verwaltungsgesellschaft und der Bibo-tv Studiobetriebs GmbH auch die Niederlassung von Microsoft Deutschland in Bad Homburg. Roy Walter vom Vorstand der Walther Bau AG sagte dazu gestern, man verspreche sich aus der Kombination eines EDV-Unternehmens und einer Medienfirma Synergieeffekte. Gleichwohl sei das Gebäude so konzipiert, daß es auch eine Drittnutzung erlaube. Rund 25 Prozent der Bürofläche sind derzeit noch frei.
Das Gebäudegrundstück liegt in direkter Nachbarschaft zum Landratsamt des Hochtaunuskreises. In der Baugrube mit einer 3900 Quadratmeter großen Grundfläche entstehen in den kommenden Monaten zwei Tiefgaragengeschosse und ein Untergeschoß für TV-Studios, auf denen vier Voll- und ein Staffelgeschoß errichtet werden, zu deren Ausstattung modernste Medientechnik gehört. Der Geschäftsführer von Rhein-Main TV und Bibo-tv, Ralph Bibo, bezifferte die Investition des Senders mit rund sieben Millionen Euro.
Das neue Regionalfernsehen, das sich in der Abkürzung rm.TV nennt, wird mit dem Programmstart allerdings nicht auf die Fertigstellung warten. Der Sender, der seine Sendelizenz von der Hessischen Landesanstalt für privaten Rundfunk am 8. April 2002 erhalten hat, will im Spätsommer mit der Ausstrahlung beginnen. Der Sendebetrieb wird von den rund 50 Mitarbeitern, von denen die Hälfte Redakteure sind, in einem ehemaligen Verlagsgebäude in Bad Homburg gestartet, das die Gesellschaft für die Übergangszeit gemietet hat. Im ersten Schritt erreicht rm.TV 1,1 Millionen Haushalte über Kabel. Für 2005 ist der Empfang mit digitaler Satellitentechnik geplant. Dann können rund 4,5 Millionen Menschen zwischen Friedberg und Darmstadt, Aschaffenburg und Mainz bis nach Rüdesheim Regionalfernsehen sehen.
Bibo sagte gestern bei der Grundsteinlegung, er verfolge die Vision eines kosteneffizienten Fernsehens für die Rhein-Main-Region. Beabsichtigt sei, ein "Wir-Gefühl" zu erzielen und rm.TV das Image eines "Mein-Senders" zu verschaffen. Dies soll durch eine Programmischung aus aktuellen Nachrichten, Reportagen, Info- und Unterhaltungsmagazinen, Sportberichte, Live-Übertragungen sowie Veranstaltungstips aus der Region geschehen. Geplant sind an Werktagen vier Stunden neu produziertes Programm und an Sonn- und Feiertagen zwei Stunden. Das Sendemonopol wurde Rhein-Main TV von der Landesmedienanstalt zunächst für zehn Jahre zugesprochen.
In den Ansprachen wurde nicht verschwiegen, daß aufgrund der wirtschaftlichen Situation im Vorfeld der Grundsteinlegung erhebliche Barrieren zu überwinden waren. So sprach Walter von schwierigen Verhandlungen mit den Banken, Bibo von mehrmaligen Planungsüberarbeitungen. Vollkommen reibungslos verlief hingegen, wie alle Redner betonten, die Zusammenarbeit mit der Stadt Bad Homburg.
Im Kreis wie in der Kurstadt wird das Ballungsraumfernsehen als Arbeitgeber und Imagefaktor begrüßt. Homburgs Bürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) nannte die Grundsteinlegung einen "Akt mit Symbolwert". Rhein-Main TV werde zur Meinungsvielfalt beitragen und die Identität der Region stärken. Vize-Landrat Wolfgang Müsse (FDP) sprach von einem "guten Tag für den Kreis". Bad Homburg und der Hochtaunus spielten nun in der "ersten Liga der hessischen Medienstandorte" mit. RAINER HEIN

