19.04.2009 · „Pushen“, „creepen“, „rushen“, „pumpen“. Wenn die Zuschauer des „Intel Friday Night Game“ sich unterhalten, klingt es wie eine Geheimsprache. Erstmals war in der Stadthalle Offenbach ein Spieltag der Bundesliga für Computerspiele zu erleben.
Von Katharina Michael, Offenbach„Pushen“, „creepen“, „rushen“, „pumpen“. Wenn die Zuschauer des „Intel Friday Night Game“ sich flüsternd unterhalten, klingt es wie eine Geheimsprache. Mehr als 1000 Fans der „Electronic Sports League“ sind angereist um die Spitzenbegegnungen der Computerliga mitzuerleben. Um ein reines Freizeitvergnügen geht es dabei schon lange nicht mehr. Aus dem einsamen Zocken am Computer ist ein Profisport geworden. Es gibt Teams und Fans, Trikots und Sponsoren. Und es gibt Preisgelder. Bis zu 10.000 Euro kassiert, wer am Ende der Saison auf dem ersten Platz steht.
„Neue Karte, Xlord pusht, letzter Angriff, Level fünf“, sagt Moderator Andreas Lenski und klingt immer hektischer. Im Publikum herrscht Ruhe. Die Blicke sind auf eine Leinwand über der Bühne gerichtet, auf der das Strategie-Rollenspiel „Warcraft 3“ zu sehen ist. „Xlord“ alias Daniel Spenst, amtierender deutscher Meister, spielt dort gerade gegen Herausforderer Dennis „Hasuobs“ Schneider. Wie hypnotisiert starren die beiden Spieler auf ihre Bildschirme, verziehen dabei keine Miene. Nur das Klicken der Maus ist zu hören. Dann ist ein helles grünes Licht zu sehen. „Lich von Hasuobs fällt und – GG“. Der Moderator seufzt. Das Spiel ist beendet, „GG“ ist Spielerjargon für „good game“. Dennis Schneider hat aufgegeben. Das Publikum applaudiert lautstark, die Fans des „Team Alternate“, dem auch Xlord angehört, stimmen Siegesgesänge an. Dennis Schneider sieht es gelassen. „Ich habe nicht damit gerechnet gegen Xlord zu gewinnen“. Er zuckt mit den Schultern. In dieser Saison ist es noch keinem Spieler gelungen, Spenst zu schlagen. „Es ist als wüsste er vorher, welches Ziel ich gerade anvisiere.“ Mit diesen Worten verlässt Schneider die Bühne. Die Erschöpfung steht dem Zwanzigjährigen ins Gesicht geschrieben. „Bei so einem Spiel braucht man volle Konzentration, ein Fehler kann die Niederlage bedeuten“.
Blitzlichtgewitter und viel Applaus
Seit fünf Jahren spielt er in der Spitzenliga, ist bekannt in der Szene, manchmal, erzählt er, wird er sogar auf der Strasse erkannt. Negativ hat noch nie jemand auf sein Hobby reagiert. „Meine Eltern waren am Anfang schon besorgt, wegen meinen schulischen Leistungen, aber jetzt sind sie stolz auf mich“ sagt er. Zwei Stunden pro Tag spielt Dennis Warcraft 3. Mehr ist neben seinem Wirtschaftsinformatikstudium nicht zu schaffen. „Ich muss meinen Tag sehr gut planen,das Spielen, die Uni, meine Freundin, das alles muss ich unter einen Hut bekommen.“ Trotzdem will er weiter spielen, solange es geht. „Warcraft 3 ist einfach ein Teil meines Lebens, ich könnte nicht plötzlich aufhören, aber das geht wohl allen Sportlern so.“
Auf der Bühne wird es wieder laut. Das Spitzenspiel in der Disziplin „Counter-Strike“ steht an. Begleitet von Blitzlichtgewitter und viel Applaus läuft Team Mousesports in die Halle. Die fünf Spieler posieren kurz im Scheinwerferlicht, dann verschwinden sie hinter ihren Rechnern. Ihr Kapitän Franz „Gore“ Burghardt ist zuversichtlich. „Am Ende stehen die Besten oben und das sind nun mal wir.“ Der Schiedsrichter ermahnt zur Ruhe. Das Spiel beginnt. Zuerst sind nur Schüsse zu hören. Die Spieler sind in die Rollen von Terroristen oder Polizisten geschlüpft und jagen den Gegner mit Messern, Pistolen und Gewehren durch die virtuelle Welt. „Aggressiv macht mich das überhaupt nicht, eher im Gegenteil“ sagt Besi, 22 Jahre, der selbst spielt, heute aber nur zusieht. Auf der Leinwand tötet „Roman R.“ vom Team Alternate gerade im Alleingang drei seiner Gegner. Das Publikum tobt.
Michel Koch vom Jugendamt Offenbach, sieht das etwas kritischer. Zwar betont er, dass auch er nicht hier sei um „den nächsten Amokläufer zu sehen“. Die Fragen des Jugendamts nach den Gefahren des exzessiven Spielens bleiben für ihn jedoch „im Raum stehen“. Auf der Leinwand ist ein rot gekleideter Terrorist zu sehen, dann fällt ein Schuss. Team Alternate gewinnt deutlich mit 16 zu 6. Die Mousesports nehmen es gelassen. Schließlich gibt es in weniger als 24 Stunden die nächste Chance sich zu beweisen. Dann geht es in Dänemark um den internationalen Titel.