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Coachingbranche In fünf Stufen zum Erfolg

26.07.2010 ·  Wer Karriere machen will, nimmt sich immer öfter einen Coach – doch nicht jeder Berater ist seriös.

Von Mona Jaeger, Frankfurt
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Es geht wie so oft nicht um die richtigen Antworten, sondern um die richtigen Fragen. Das hat Karola Heise während ihrer einjährigen Ausbildung zum Coach gelernt: gut zu fragen. Die junge Frau mit der Sonnenbrille in den schulterlangen blonden Haaren ist selbständiger Business Coach. Einer von geschätzt 5000 bis 8000, die in ganz Deutschland arbeiten. Das Gros von ihnen ist weiblich. Frankfurt ist neben Berlin, Köln und Hamburg eine der Hochburgen dieser Art von Beratung.

Sich auf dem Karriereweg professionell helfen zu lassen oder auch nur das nächste Gespräch mit dem Chef einzuüben, ist inzwischen in vielen Unternehmen gang und gäbe. Die Branche boomt, und das ist in gewisser Weise ihr Fluch. Denn der Begriff des Coaches ist nicht geschützt und erlebt in Bindestrichberufen wie etwa dem Fitness-Coach eine wahre Inflation. Ob Gesundheit, Kleidung oder persönliches Glück: für alles findet sich ein Berater. Es gibt zwar Ausbildungen, die sind aber freiwillig und teuer. Nicht jeder ist bereit, soviel Zeit und Geld zu investieren, und nennt sich sofort „Coach“. Deswegen ist es gerade in beruflichen Dingen schwierig, einen guten Betreuer zu finden.

Die Stundenhonorare variieren stark

Für Karola Heise beginnt alles am Telefon. „Wenn man einen Termin bei einem Coach vereinbart, sollte man auf das eigene Bauchgefühl vertrauen und sich fragen, ob man die Person spontan sympathisch findet oder nicht.“ Denn die Chemie zwischen Coach und Coachee, wie der Klient heißt, muss stimmen. „Schließlich werden die Gespräche schnell sehr persönlich. Da ist Vertrauen wichtig.“

Ähnlich sieht das Christopher Rauen. Er ist selbst Coach und Vorsitzender des Deutschen Bundesverbands Coaching (DBVC), einem der größten deutschen Verbände der Branche. Man solle immer mehrere Betreuer in Qualität und Preis vergleichen, rät er. Dass kann sich lohnen: Die Stundenhonorare variieren stark; sie liegen etwa zwischen 80 und 300 Euro. Einige Verbände halten ihre Mitglieder an, die Stundensätze nicht unter 80 Euro rutschen zu lassen. „Ein guter Coach kostet eben auch etwas“, sagt Heise, die selbst zwischen 80 und 100 Euro nimmt.

Gecoachte sprechen nicht gern darüber

Um im Monat über die Runden zu kommen, reichen die auf den ersten Blick hoch erscheinenden Honorare. „Man kann nicht beliebig viele Coachings am Tag durchführen. Erstens braucht der Coach auch eine Pause zwischen den Terminen und zweitens habe viele Klienten nur am Abend Zeit“, sagt Heise. Die meisten Berater arbeiten deswegen noch als Trainer oder im Marketing.

Coaching mag inzwischen selbstverständlich sein – darüber zu sprechen, ist es noch nicht. Ein Angestellter aus dem mittleren Management erzählt, dass er sich vor einem halben Jahr hat coachen lassen, und das nicht zum ersten Mal. „Es tauchen immer wieder Fragen auf, bei denen ich mir Hilfe hole.“ Beim ersten Mal ging es darum, ob er den Arbeitgeber wechseln sollte, beim zweiten Mal um den Wunsch, die eigene Arbeit anders zu strukturieren. Coaching kann also helfen, erst herauszufinden, was man will, und dann Wege zeigen, wie man das Ziel erreicht.

Zertifikate zur besseren Qualitätskontrolle wurden entwickelt

Wer einen Coach im Rhein-Main-Gebiet sucht, sollte sich die Verbandslisten anschauen. Hindernis ist hierbei, dass es etwa 20 Verbände im deutschsprachigen Raum gibt. DBVC-Vorsitzender Rauen sieht den Grund dafür in den unterschiedlichen Definitionen des Berufsbildes. „Die Vielfalt an Verbänden spiegelt die Vielfalt des Marktes wider.“ Das macht es für den Suchenden nicht einfacher. Die beiden größten Verbände sind der DBVC und der deutsche Verband für Coaching und Training, in dem auch die Frankfurter Coacherin Heise Mitglied ist. Viele Kunden fänden sie über diese Mitgliederlisten, sagt sie. Ebenfalls eine gute Adresse ist die von Rauen initiierte Internetseite www.coach-datenbank.de. Wer „Frankfurt“ als Suchbegriff bei den beiden Verbänden eingibt, kommt schon auf 40 Treffer. Die Auswahl ist also groß.

Um diese etwas einzugrenzen, haben die beiden Verbände und noch einige andere Zertifikate entwickelt. Sie wollen damit dem Business Coaching den Anstrich von Professionalität geben, den die Bindestrichberufe nicht haben. Heise hat außer dem Zertifikat für ihre Ausbildung zum Coach in Hamburg auch noch eins ihres Verbandes. Um das zu bekommen, musste sie einen Text in der Art einer Uni-Hausarbeit einreichen. Dabei sei nicht nur Wissen abgefragt worden, sondern es seien auch einige Beispielfälle zu behandeln gewesen. Das Beruhigende daran: „Es sind auch einige durch die Prüfung gefallen.“ Dies könnte dafür sprechen, dass das Zertifikat auch etwas taugt.

Soll der Coach aus der gleichen Branche kommen?

Dennoch sollte man sich beim ersten Gespräch mit dem Coach nach seinen Methoden erkundigen. Nicht nur der Berater sollte also die richtigen Fragen stellen, sondern auch der potentielle Kunde. „Sätze wie ,Das kann man nicht erklären, man muss es erfahren‘ sind Unsinn. Es gibt Methoden, die man lernen kann“, sagt Heise. Fünf Stufen sind nach ihren Worten zu beschreiten: In einem ersten Schritt wird sich kennengelernt, bevor es, zweitens, zur Definition der Ziele kommt. Die Frage ist dann im dritten Schritt, wie diese Ziele erreicht werden können. Durch so genannte Interventionen wird die Person dann gecoacht. Was das für Methoden sind, lernt man bei einer der Ausbildungen. Die vierte Stufe nennt Heise den „Ökocheck“. Dabei werde geschaut, ob der Weg zum Ziel auch mit der restlichen Lebensplanung zusammenpasse. „Es ist schlecht, wenn man einen Job in München annehmen will, die Familie aber in Frankfurt fest verwurzelt ist.“ Zuletzt wird dann überlegt, wie die nächsten Schritte aussehen und wie es nach dem Coaching weiter geht. Das Ganze sollte nicht länger als zehn Sitzungen dauern.

So arbeitet ein seriöser Coach. Geschmackssache ist hingegen, ob er aus der gleichen Branche kommen sollte wie sein Kunde. Anders als man es vielleicht vermuten würde, ist das keine Voraussetzung für eine qualifizierte Beratung. „Der Coach ist kein Besserwisser, sondern begleitet einen Prozess, in dem sein Klient seine Lösungen findet oder vorhandene Lösungen optimiert“, sagt der DBVC-Vorsitzende Rauen.

Oft wird der entsprechende Stallgeruch verlangt

Ähnlich sieht es Heise: „Es geht um Empathie und darum, ob ich meinen Kunden ernst nehme und seine Probleme verstehe.“ Falsch ist es trotzdem nicht, wenn der Betreuer das Metier seines Schützlings kennt. Heise hat früher für Nestlé und Ferrero gearbeitet; sie kennt sich daher gut im Marketing aus und wirbt mit diesem Wissen. Dementsprechend viele ihrer Kunden kommen aus dieser Branche.

Laut Rauen erwarten viele Auftraggeber den entsprechenden „Stallgeruch“. Heise sieht das pragmatisch, vielleicht auch, weil sie noch einen weiteren Job hat: „Wer den Stallgeruch haben will, soll ihn sich suchen.“ mona jaeger

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