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Bundestagswahl Nur Geis und Scheel haben eine echte Chance

31.08.2009 ·  Im Bundestagswahlkreis 247 bewerben sich sieben Direktkandidaten um ein Mandat. Der Vertreter der CSU gilt wieder als klarer Favorit.

Von Agnes Schönberger, Aschaffenburg
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Norbert Geis (CSU), der bei der Bundestagswahl am 27. September zum siebten Mal in Folge das Direktmandat im Wahlkreis 247 erringen möchte, hat vor wenigen Tagen beim Besuch des CSU-Landesgruppenchefs Peter Ramsauer in Karlstein die Region am nordwestlichen Zipfel Bayerns treffend charakterisiert. „Uns zeichnet aus, dass wir am Bayerischen Untermain zusammenhalten.“ Wenn es darum geht, den Standort des Automobilzulieferers Mahle in Alzenau zu retten, die Verlagerung der Lenkradproduktion von Takata-Petri nach Rumänien zu verhindern oder den sechsspurigen Ausbau der A 3 zu forcieren, kennt die Region nur eine Stimme. Kommunen, Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften halten zusammen – auch in Wahlkampfzeiten.

Nur einer schert aus dieser Phalanx etwas aus der Reihe. Der FDP-Kandidat Helmut Kaltenhauser vertritt wohl auch aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit als Abteilungsleiter der Landesbank Hessen-Thüringen eine differenzierte Position. Der Abbau vorhandener und der Aufbau neuer Arbeitsplätze wegen eines strukturellen Wandels an den Märkten sei ein Grundprinzip der Marktwirtschaft und sollte politisch nicht beeinflusst werden, meint Kaltenhauser: „Dies ist aber bei zahlreichen Fällen in der Region Untermain augenscheinlich der Fall.“ Er hält es zwar für richtig, mit den Verantwortlichen in den Unternehmen Gespräche zu führen. Diese sollten aber auf jeden Fall vertraulich bleiben, „wenn tatsächlich etwas erreicht werden soll“.

Nützliche Kontakte in der Region

Sieben Direktkandidaten treten im Wahlkreis 247 (der zur Bundestagswahl 2005 noch die Zahl 248 trug) an; er umfasst die Stadt und den Kreis Aschaffenburg. In der Stadt sind 49.836 Menschen wahlberechtigt, im Kreis sind es 134.847.

Vor vier Jahren hatte der aus Kleinkahl stammende Geis mit 52,4 Prozent der Erststimmen wieder den direkten Weg nach Berlin genommen. Das hat der Siebzigjährige, der sich im Vorfeld seiner Bewerbung gegen einen innerparteilichen Konkurrenten durchsetzen musste, auch am 27. September vor. Im Vorfeld der Delegiertenversammlung im November 2008 hatte es vor allem Diskussionen über das Alter des Parlamentariers gegeben, der seit 1987 dem Bundestag angehört. Doch bei der Abstimmung konnte sich Geis mit 99 von 145 Stimmen gegen seinen 40 Jahre jüngeren Herausforderer auch deshalb souverän durchsetzen, weil der Rechtsexperte und bekennende Katholik im Wahlkreis immer sehr präsent ist und aufgrund seiner langen politischen Karriere über viele, auch für die Region nützliche Kontakte verfügt.

Ein neues Gesicht bei der SPD

Als einzige der übrigen sechs Direktkandidaten hat nur die Grünen-Abgeordnete Christine Scheel gute Chancen, dem Parlament auch in der nächsten Wahlperiode anzugehören. Die zweiundfünfzigjährige Finanzexpertin aus Hösbach ist auf Platz 3 der Landesliste. Vor vier Jahren waren sieben Kandidaten der Grünen aus dem Freistaat über die Liste ins Bundesparlament eingezogen. Diesmal hat der Landesvorstand als Ziel zehn Prozent der Stimmen und zehn Mandate, drei mehr als bisher, ausgegeben. Scheel, die seit 1994 im Bundestag sitzt, ist stellvertretende Vorsitzende ihrer Fraktion. Unter Rot-Grün war sie von 1998 bis 2007 Vorsitzende des Finanzausschusses.

Bei der SPD gibt es mit Andreas Parr ein neues Gesicht. Der Krankenpfleger aus Goldbach ist 38 Jahre alt und in der Region noch recht unbekannt. Er gehört weder dem Gemeinderat noch dem Kreistag an. Parr hatte 2008 die Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokraten im Gesundheitswesen gegründet. Er ist Mitglied im Unterbezirksvorstand der SPD und stellvertretender Parteivorsitzender in Stadt und Kreis Aschaffenburg. Hoffnungen, seinen Arbeitsplatz im Aschaffenburger Klinikum mit einem Sitz im Bundestag zu tauschen, kann er sich nicht machen. Der SPD-Mann hat Platz 31 der Landesliste inne. Derzeit gehören der SPD-Bundestagsfraktion 24 Bayern an. 2005 hatte die Aschaffenburger Landtagsabgeordnete und Stadträtin Karin Pranghofer mit 26,7 Prozent der Zweitstimmen fast drei Prozentpunkte gegenüber der vorherigen Bundestagswahl verloren. Ob Parr diesen Negativtrend aufhalten kann, ist angesichts der Umfragewerte für die Bayern-SPD fraglich. Pech hatte der Alzenauer FDP-Kandidat. Die unterfränkischen Liberalen hatten Kaltenhauser zu ihrem Spitzenkandidaten gewählt, der nach ihrem Willen einen aussichtsreichen Platz auf der Landesliste erhalten sollte. Doch bei der entscheidenden Abstimmung Ende März kandidierte auf dem für Unterfranken eingeplanten Spitzenplatz 8 sein innerparteilicher Konkurrent Joachim Spatz und gewann. Kaltenhauser musste als zweiter Unterfranke mit dem aussichtslosen Platz 22 vorliebnehmen. Der siebenundvierzigjährige Mathematiker ist trotzdem nicht verbittert, sondern hat seine liberalen Mitstreiter aufgefordert, einen engagierten Wahlkampf zu führen.

Der Wahlkampf verlief bislang ruhig, wenn nicht langweilig

Für die Linke tritt der Sozialarbeiter Reinhold Rückert an, der in Aschaffenburg wohnt. Der Einundsechzigjährige ist Kreisschatzmeister seiner Partei. Schon früh hat sich Rückert in Erwerbsloseninitiativen engagiert. In Aschaffenburg hat er das Arbeitslosencafé Oase und später das Café Metropol mit aufgebaut. Er ist nicht auf der Landesliste vertreten, sondern bewirbt sich nur um das Direktmandat. Für die ÖDP tritt Rudolf Lang aus Stockstadt und für die NPD Udo Sieghart aus der oberfränkischen Stadt Hof an.

Der Wahlkampf in Stadt und Kreis Aschaffenburg ist bislang ruhig, wenn nicht gar langweilig verlaufen. Für einen kurzen Aufreger sorgte Geis, der dafür bekannt ist, sich zu pointiert zu allen möglichen Reizthemen zu äußern. Im ZDF-Morgenmagazin hatte er das Nein seiner Partei zum Adoptionsrecht für Lesben und Schwulen mit den Worten verteidigt: „In der Ehe und bei heterosexuellen Paaren liegt die Zukunft. Und nicht bei irgendwelchen Fehlentwicklungen.“ Der Aufschrei war groß und zumindest für kurze Zeit ein Stammtischthema gefunden.

Der CSU-Politiker pöbele gegen schwule Paare, kritisierte die SPD. Scheel sprach von einer Beleidigung homosexueller Menschen. Und Kaltenhauser bescheinigte Geis, dieser habe seinen Ruf als „extrem konservativ im negativen Sinne“ bestätigt. Nach Angaben des Liberalen hat Geis gesagt, die Rücknahme der Verfassungsklage sei „wahrscheinlich dem Koalitionspartner FDP geschuldet“. Das findet Kaltenhauser prima und bittet die Presse, „diese Aussage im Wahlkampf möglichst oft zu wiederholen“.

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