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Bürger betreiben Windrad Strom von Genossen

 ·  Eines der zwei neuen Windräder auf der Neutscher Höhe wird von einigen hundert Bürgern betrieben. Sie versprechen 4,25 Prozent Rendite.

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In dieser Woche sind die Bagger angerückt, um die Fundamente auszuheben. In einer Woche treffen sich die Genossen auf der Neutscher Höhe und feiern den Baubeginn: Dort entsteht eines von zwei neuen Windrädern als Projekt einer Genossenschaft. Das ist einmalig in Südhessen.

Der Standort auf der ersten Odenwaldkuppe hinter der Bergstraße, auf Seeheim-Jugenheimer Gebiet, hat sich für Windräder hervorragend bewährt. Denn die ersten drei von bisher zehn südlich des Mains in Hessen errichteten Windkraftanlagen laufen auf der Neutscher Höhe seit 1994. Doch Ärger gab es um die beiden neuen, im vergangenen Dezember vom Regierungspräsidium genehmigten Anlagen schon mehr als genug.

In Modautal ist man sauer auf die Nachbarn

Die Nachbargemeinde Modautal verweigerte ihr Einverständnis wegen angeblich zu geringen Abstands zur Wohnbebauung – aus Sorge um Lärm und Schatten. Außerdem führen die Wege zu einem der beiden Windräder über Neutscher Gemarkung, was die Neutscher abgelehnt haben; Neutsch ist ein Ortsteil von Modautal. Das Regierungspräsidium sprach den Investoren trotzdem das Recht zu, sofort mit dem Bau zu beginnen. Das fehlende Einverständnis der Nachbarkommune sei kein Ablehnungsgrund, hieß es aus Darmstadt. Die Bestimmungen zu Abstand, Lärm und Schattenwurf seien erfüllt.

In Modautal ist man sauer auf die Nachbarn. Und nun wurden auch noch zwei Eilanträge von Bürgern abgelehnt, die gegen den Sofortvollzug geklagt hatten. Weil man aber in Modautal weiß, dass die Windräder nicht zu verhindern sind, gibt es nun doch eine Einigung über die Zuwege. Die Kritik richtet sich vor allem gegen das an der Gemarkungsgrenze liegende Vorhaben, das künftig das Rimbacher Unternehmen Esm betreiben will. Die Hersteller von Schwingungselementen für Windkraftanlagen (F.A.Z. vom 7. Juli) wollen dabei eigene Teile messen und testen. Das Genossenschaftsmodell liegt weiter westlich, näher an Ober-Beerbach und Frankenhausen, und steht deshalb weniger in der Kritik. Noch ist nicht über alle Klagen entschieden, im schlimmsten Fall könnte entschieden werden, dass eine der beiden Anlagen nachts gedrosselt werden müsste, glauben die Investoren.

3,5 Millionen Euro haben sie zu stemmen

Gebaut werden die Windräder vom Heppenheimer Unternehmen „3 P Windenergie“ mit dem Hersteller Repower. Ursprünglich gründeten 13 Personen im Dezember 2010 die Energiegenossenschaft Starkenburg mit Sitz in Heppenheim. Es handelte sich meist um Genossen, die beruflich mit Energie oder Energieberatung zu tun haben und sich nun auch praktisch und finanziell beteiligen möchten. Anteile von jeweils 2000 Euro müssen Genossen einbringen. Bis gestern taten das 227 Personen. Manche blieben bei Kleinbeträgen, bei anderen summierten sich die Summen auf sechsstellige Zahlen. „Wer draufschaut, soll auch davon profitieren“, lautet eine Maxime der Genossenschaft. Deren Mitglieder kommen aus der Region; sie werden die neuen Windräder demzufolge stets vor Augen haben.

3,5 Millionen Euro – 2,2 Millionen für das Windrad von der Oberkante des Fundaments an und 1,3 Millionen für Grundstück und Vorkosten – haben sie zu stemmen, und die Energiegenossenschaft glaubt, dass mit Baubeginn Kosten dazukommen. Vorstandsmitglied Micha Jost verspricht für die Energie „aus guter Odenwälder Luft“ eine Rendite von 4,25 Prozent für jeweils 1800 Euro Darlehen. Der Ertrag aus den übrigen 200 Euro soll Manövriermasse sein und nicht festliegen.

Theoretisch reicht der Strom für 1250 Haushalte

An dem Windrad beteiligt ist auch die Energiegenossenschaft Odenwald, die fast die Hälfte des Kapitals in die gemeinsame Dachgesellschaft „Windstark 1 & Co KG“ mitbringt. Es gibt dann zwei Kommanditisten. Erste Zahlungen musste die Genossenschaft schon leisten.

Die Nabe der baugleichen Windräder wird in 100 Meter Höhe eingebaut, hinzu kommen die Rotorblätter mit einem Radius von 46 Metern. Am Sockel sind die Windräder nur 4,20 Meter dick. Sie gründen auf einem nur zwei Meter tiefen Fundament aus Beton, das allerdings 16 Meter Durchmesser hat. Die Türme werden nicht aus Beton, sondern aus Stahl errichtet. Allein für die Kräne werden Stellflächen von 45 Meter mal 25 Meter bereitgehalten. Der Strom aus den Windrädern – theoretisch reicht er aus für zweimal 1250 Haushalte – fließt laut Jürgen Simon von 3 P bei Ober-Beerbach in das Netz der HSE. Noch in diesem Jahr.

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Jahrgang 1952, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Landkreis Darmstadt-Dieburg.

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