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Brügelmann insolvent Pionier der Fahrradversender steht vor dem Aus

Der traditionsreiche Radhändler Brügelmann aus Sulzbach bei Frankfurt ist insolvent. Der Radversender der ersten Stunde könnte nur noch durch einen schnellentschlossenen Investor vor dem Ende gerettet werden.

© Cornelia Sick Manfred Brügelmann in seinem Fahrradladen in Sulzbach

Eine kleine Chance hat Brügelmann noch. Doch für den bundesweit bekannten Fahrradversender aus Sulzbach, der einmal als Pionier und später als einer der größten in Europa galt, müsste sich schon in den nächsten Tagen ein Investor finden. Gelingt das nicht, ist die Geschichte des Hauses, das Manfred Brügelmann aus dem 1932 von den Eltern gegründeten Frankfurter Fahrradladen aufgebaut hat, zu Ende.

Jochen Remmert Folgen:

Der Geschäftsbetrieb ist seit wenigen Tagen eingestellt, das Insolvenzverfahren läuft. 50 Mitarbeiter zählte das Haus in den besten Zeiten, zuletzt waren es noch 18, zum Teil seit vielen Jahren im Haus. Doch auch denen musste der Frankfurter Insolvenzverwalter Holger Lessing nun kündigen, wie er sagt. Wenn sich nicht doch noch ein Investor findet, wird der Insolvenzverwalter die verbliebenen Lagerbestände versteigern oder verkaufen.

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18 Mitarbeiter zu übernehmen

Einem ernsthaft interessierten Investor würde Lessing den Fahrradhandel mitsamt dem Namen womöglich sogar für einen Euro verkaufen. Der Investor müsste dann aber bereit sein, die 18 Mitarbeiter zu übernehmen – ebenso wie die Verpflichtungen gegenüber Lieferanten. Der Einstieg würde also zunächst viel Geld kosten, bevor die Voraussetzungen dafür geschaffen werden könnten, wieder welches zu verdienen. Ebendiese finanzielle Last und das damit verbundene Risiko ist Lessing zufolge bisher allen Interessenten zu groß gewesen, von denen zuletzt zwei geblieben waren, einer aus Rhein-Main, einer aus Süddeutschland.

Über viele Jahre war Brügelmann für Radler, vor allem für Rennradfahrer, eine sichere Bezugsquelle auch für solche Ersatzteile, die andere Händler nicht auf Lager hatten. Das traf beispielsweise für die italienischen Campagnolo-Gangschaltungen zu, die unter Rennradfahrern als die edleren, aber auch teureren im Vergleich zu denen des japanischen Shimano-Konzerns gelten. Für Radler aus dem Rhein-Main-Gebiet, die erst am Samstagvormittag merkten, dass ihnen noch ein Ersatzteil für die große Radrunde am Sonntag fehlte, war deshalb der Sulzbacher Laden oft die letzte Rettung. Mit einem großen Lager rettete Brügelmann zwar viele Radlerwochenenden, er verdiente aber nicht mehr genug Geld. Das hatte mehrere Gründe, sind sich Branchenkenner einig.

Katalog statt Homepage

Während eine Riege neuer Händler das Internet längst als Vertriebsweg erkannt hatte, setzte Brügelmann weiter auf seinen mit den Jahren eher antiquiert wirkenden Katalog. Dort waren die Preise und das Sortiment für eine Saison festgeschrieben, während die neue Konkurrenz im Internet das Angebot Tag für Tag ändern konnte. Abgesehen davon, dass Brügelmann, wie der Insolvenzverwalter berichtet, Kosten in sechsstelliger Höhe für die Herstellung des Katalogs zu stemmen hatte.

Ein zweiter Fehler Brügelmanns ist nach Einschätzung von Insidern darin zu sehen, dass das Haus den durch Mountainbikes getragenen Aufschwung des Fahrrads seit Ende der neunziger Jahre nie recht mitgemacht habe. Zwar hat auch Brügelmann die Fahrräder mit den dicken Stollenreifen ins Programm genommen. Als modern galten da aber längst andere Produkte, beispielsweise von Hi-Bike, einem Unternehmen, das drei junge Leute 1994 in einer Doppelgarage in Frankfurt-Sossenheim gründeten. Heute ist das Unternehmen in Kronberg ansässig und verkauft Ersatzteile und Räder via Internet. Gleichzeitig ist das Ladengeschäft ein Anlaufpunkt für Mountainbiker, Rennradler und Downhillfahrer.

Rad-Doping schlecht fürs Geschäft

Manfred Brügelmanns Welt, der auf die Siebzig zugeht, ist eine andere gewesen, die von Rudi Altig und später Bjarne Riis, Erik Zabel und Jan Ullrich. Selbst in jungen Jahren erfolgreicher Radsportler, war Brügelmann bis 2007 aktiv beim Bund deutscher Radfahrer, lange offizieller Fahrradlieferant des Verbands. Dann kamen die Dopingskandale, der Rennradboom war vorüber. „Der Kunde verzeiht uns nicht mehr, wenn wir weiterhin Geld an dieses dreckige Geschäft geben“, hatte Brügelmann damals der Rhein-Main-Zeitung gesagt und damit begründet, weshalb er den Bund deutscher Radfahrer nicht mehr unterstützte.

Der Grund für die wirtschaftlichen Probleme bei Brügelmann dürfte aber nicht darin liegen, dass man plötzlich entdeckt hatte, dass es auch dopende Radsportler gibt, sondern eher in betriebswirtschaftlichen Versäumnissen, wie der Insolvenzverwalter bestätigt. Die erfolgreichen Händler beherrschten vor allem eines: Sie könnten den Warenumschlag so organisieren, dass kein großes Lager mehr erforderlich sei. Ein Lager mit unzähligen Schächtelchen, Karteikarten und ein dicker Katalog seien nicht mehr zeitgemäß.

Quelle: F.A.Z.

 
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