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Bruce Darnell Mädchen schreien, Mütter wollen auch etwas sehen

24.06.2007 ·  In Heidi Klums Casting-Show war Bruce Darnell streng und hat auch viel geweint, in Wiesbaden hat er Bademoden-Models noch ein paar Tipps gegeben. Und vor allem sich inszeniert.

Von Dorothea Friedrich
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Ein sehnsüchtiges „Bruuuuuce!“ ist der Schlachtruf des Tages. Im Liliencarré herrscht Ausnahmezustand. Bruce Darnell, der deutschen Mädchen liebster Fernsehjuror, der strenge Weinende aus Heidi Klums Casting-Show, ist von einem Wäschegeschäft des Wiesbadener Einkaufszentrums als Choreograf für eine Bademodenschau eingekauft worden.

Unter den Kindern der Stadt scheint sich das wie ein Lauffeuer herumgesprochen zu haben. Sie sind jedenfalls alle da und haben ihre großen Schwestern und Mütter, die für das Alibi dankbar sind, im Schlepptau. Alle Blicke hängen an dem minimalistisch mit schwarzer Hose, weißem Hemd und schwarzer Krawatte gekleideten Mann, dessen Beine allein so lang sind wie ein zierliches Model groß. „Size Zero“ würde man tippen, falls es diese sagenumwobene Konfektionsgröße bei Männern gibt.

„Drama, Baby!“

„Hammergesicht! Hammerkörper! Aber im Gesicht: nichts!“, beschwört Darnell eines der Mädchen, Otto-Modelle allesamt; Veranstalter Lascana ist eine Tochter des Versandhauses. Doch ein neues Mantra à la „Die Handetasche muss lebendig sein“, mit denen er T-Shirts bedruckt und auf seiner Homepage verkauft, gibt es an diesem Vormittag nicht. Dass Bruce „Drama, Baby!“ verlangt, ist sowieso hinlänglich bekannt. Doch als eines der Babys dann seine Anweisungen perfekt befolgt, ist Darnells Lippen ein ergriffenes „Wahnsinn!“ abzulesen.

Fachmännische Debatten führen inzwischen die weiblichen Teenager: Sind die Brüste der Mannequins gerichtet oder nicht? Meist mit dem Befund: Ja, sind sie, aber vielleicht hat Lascana ja auch nur den Mega-Push-up-BH schlechthin im Programm. Man kann sich gern später im Shop, in dessen Umkleidekabinen die Kundinnen zwischen den Beleuchtungsarten Candlelight, Beach, Home oder Daylight wählen können, selbst davon überzeugen.

Allure und Charakter

Die Mädchen geben derweil ihr Bestes. Stürmischen Applaus erntet aber nur Darnell, wenn er mit wippenden Schultern selbst läuft. Merkwürdigerweise hat sein Gang nichts Parodistisches, sondern wirkt elegant, grazil, er ist eins mit seinem Körper. Die dem früheren Fallschirmjäger später gestellte Frage, ob die Models wie er etliche Male aus einem Flugzeug springen sollten, damit sie sich dermaßen entspannt auf dem Laufsteg fallen lassen könnten, beantwortet der stets freundliche Mann mit einem bescheidenen „Alles eine Frage von Allure und Charakter.“

Bei der Modenschau am Nachmittag müssen die Rolltreppen angehalten werden, um mehr Zuschauern Platz zu machen, und nur mühsam halten die Sicherheitsleute die Menge in Schach. Dennoch wippen auch sie im Takt der Musik, weichgekocht von den schrillen Teenagerschreien ringsherum. Manche der Mädchen sehen aus, als seien sie gerade der letzten Windel entstiegen, bevor eine ehrgeizige Mutter sie zum russischen Talentscout geschickt hat. Hysterischer Beifall für den erst zum Schlussbild erscheinenden Choreografen. Bruce Darnell strahlt. Der Catwalk scheint der einzige Ort zu sein, an dem ein Phänomen wie er artgerecht glücklich sein kann.

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