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Brauchtum Bei der letzten Ruhestätte knausern viele Hessen

31.10.2007 ·  Urnenbestattungen liegen in Hessen im Trend. Sie kosten weniger, und die Grabpflege ist einfacher als bei herkömmlichen Erdbestattungen im Holzsarg. Zudem sind günstige Grabsteine aus China zunehmend gefragt.

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Urnenbestattungen liegen in Hessen im Trend. Sie kosten weniger, und die Grabpflege ist einfacher als bei herkömmlichen Erdbestattungen im Holzsarg. Viele städtischen Friedhöfe verzeichnen einen wachsenden Anteil der Urnenbestattungen. Bei einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa zum Beginn des Trauermonats November stellte sich auch heraus, dass die Gebührenordnungen der Friedhöfe nicht nur schwer zu durchschauen sind, sondern auch große Preisunterschiede aufweisen. An religiösen Feiertagen wie Allerheiligen (1. November) und Allerseelen (2. November), dem Volkstrauertag (18. November) und Totensonntag (25. November) gedenken viele Menschen ihrer Toten.

Ob im Reihen- oder Gemeinschaftsgrab, in einer Urnenwand oder auf einem anonymen Gräberfeld - die Einäscherung des Leichnams mit anschließender Beisetzung in einer Urne wird nach Aussagen der Friedhofsleitungen immer häufiger in Auftrag gegeben. Entscheidend sei, dass diese Art der Bestattung deutlich preiswerter sei als die herkömmliche Bestattung im Sarg, sagte Gabriele Wöllstein, Leiterin der Offenbacher Friedhöfe. „Hochherrschaftliche Familiengräber sind nicht mehr gefragt.“ Das zeige sich auch an der wachsenden Zahl günstiger Grabsteine aus China.

Fulda widersetzt sich Trend

Nur in der Bischofsstadt Fulda gibt es diesen Trend nicht. „Bei uns werden immer noch überwiegend Bestattungen im Sarg gewünscht. Der Anteil von Urnengräbern liegt gerade einmal bei 25 Prozent“, sagte Jürgen Schmitt von der Friedhofsverwaltung. Dagegen zeigt sich auf Wiesbadens Friedhöfen die große Nachfrage für Urnen besonders deutlich: Im Schnitt lassen in der Landeshauptstadt 70 Prozent der Angehörigen ihre Verstorbenen einäschern und bezahlen für das Reihengrab 400 Euro. Nur 30 Prozent entscheiden sich für die mit 810 Euro doppelt so teure Erdbestattung.

In Kassel ist die Zahl der Urnenbestattungen in den letzten fünf Jahren kontinuierlich gestiegen. Zwar ist dort der Preis eines Reihengrabes für Urnen deutlich höher als in Wiesbaden, doch dafür ist in den 845 Euro die Bepflanzung und Pflege der Grabstätte schon enthalten. Auch in Frankfurt geht der Trend zur pflegeleichten Bestattung: „Bei Urnenbestattungen in namentlich gekennzeichneten Rasengräbern haben wir einen Zuwachs von 40 Prozent“, berichtete Karlheinz Braun vom Grünflächenamt. Von den 5400 Beerdigungen im vergangenen Jahr in Frankfurt seien rund 3400 Urnenbestattungen gewesen.

In vielen Fällen gibt es nur einen Grabstein

„Die Hinterbliebenen bevorzugen Gräber mit wenig Pflegeaufwand. Und bei Urnenbeisetzungen hat man eben eine kleinere Grabstätte zu pflegen“, sagte der Leiter des Gießener Friedhofsamts, Thomas Röhmel. „Viele Hinterbliebene beschränken sich sogar darauf, nur einen Stein anfertigen zu lassen“. Die Offenbacherin Wöllstein stellt fest, dass vielen die Ruhezeit von rund 20 Jahren für ein Grab zu lang ist: „Immer häufiger wollen die Angehörigen schon nach der Hälfte der Ruhezeit ihr Nutzungsrecht für ein Grab zurückgeben. Sie fühlen sich mit der Pflege überfordert.“ Wer sich für eine anonyme Bestattung entscheidet, muss sich darum nicht sorgen. In Wiesbaden machen anonyme Begräbnisse wie in vielen anderen Orten Hessens rund 20 Prozent der jährlichen Bestattungen aus, Tendenz steigend.

Im Preisgefüge herrschen große regionale Unterschiede - auch auf Grund umständlicher Abrechnungen. So bezahlen Hinterbliebene zum Beispiel in Frankfurt nicht nur für die Bestattung des Toten und für die Nutzung des Grabes, sondern auch noch gesondert für das Recht zur Nutzung der Grabstätte. Schon im Vergleich der Nachbarstädte Frankfurt und Offenbach werden die Unterschiede deutlich: In Offenbach kostet das Reihengrab für eine Erdbestattung 1050 Euro und damit rund 450 Euro mehr als in Frankfurt. Das Urnen-Reihengrab mit einem Preis von 590 Euro ist in Offenbach um rund 200 Euro teurer. Dafür ist dort die Beisetzungsgebühr für Urnen deutlich günstiger: Sie kostet in Offenbach 210 Euro und in Frankfurt 820 Euro. Die Gebühren für Erdbestattungen liegen in beiden Städten bei rund 950 Euro.

In Deutschland gibt es verschiedene Möglichkeiten, Tote zu bestatten:

Reihengräber werden - wie der Name schon sagt - der Reihe nach und nur für die Dauer einer vorgegebenen Ruhezeit zugeteilt. Ihre Dauer ist regional verschieden, oft ist diese Frist auf etwa 20 Jahre begrenzt. Sie richtet sich auch nach der Art der Bestattung: Ruhezeiten von Särgen sind länger als die von Urnen. Nach ihrem Ablauf kann die Frist beim Reihengrab nicht verlängert werden. Das Grab wird danach geräumt.

Die Lage von Wahlgräbern kann im Gegensatz zu Reihengräbern auf dem Friedhof ausgesucht werden. Interessenten können ihr Wahlgrab auch schon vor ihrem Tod erwerben. Die Wahlgräber sind allerdings kostspieliger als andere Bestattungsformen, ihr Nutzungsrecht kann aber nach Ablauf der Ruhezeit erneuert werden.

Das Gemeinschaftsgrab ist in seiner Form flexibel. Mehrere Grabstätten werden dafür beispielsweise auf einer Grünfläche oder unter einem Baum angelegt. Für den Friedhofsbesucher sind die Gräber nur durch Gedenksteine oder Namensplaketten erkennbar. Diese individuellen Erkennungszeichen fehlen bei der anonymen Bestattung völlig. Trauernde können in einem solchen Fall an einem gemeinsamen Grabmal den Toten gedenken.

Neben diesen gebräuchlichen Bestattungsarten sind noch andere erlaubt, darunter die Aufbewahrung der Asche in einer Urnenmauer, die Verstreuung der Asche und die Seebestattung. Nicht überall sind Friedwälder anzutreffen.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/lhe
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