06.12.2006 · Hessens Unterrichtsgarantie gegen kurzfristigen Stundenausfall ist nach Einschätzung des Kultusministeriums in den ersten 100 Tagen erfolgreich gestartet. Der Landeselternbeirat wünscht sich dagegen Lehrer statt Aushilfen.
Hessens Unterrichtsgarantie gegen kurzfristigen Stundenausfall ist nach Einschätzung des Kultusministeriums in den ersten 100 Tagen erfolgreich gestartet. Mehr als 12.000 externe Vertretungskräfte stünden bereit, Eltern könnten sich jetzt darauf verlassen, daß Kinder auch bei Erkrankung von Lehrern nicht vorzeitig vor der Haustür stünden, sagte Kultusministerin Karin Wolff (CDU) am Mittwoch. Bei der politisch umstrittenen Initiative haben die Schulen 30 Millionen Euro für die Einstellung von Aushilfslehrern bekommen.
Der Landeselternbeirat ist indes mit der Regelung nicht zufrieden: Anstelle externer Aushilfen sollen nach dem Willen vieler Eltern Lehrer einspringen, wenn kurzfristig Unterricht an Hessens Schulen ausfällt. „Viele Kreis- und Stadtelternbeiräte wünschen sich, die „Unterrichtsgarantie-Plus“- Kräfte durch richtige Lehrer zu ersetzen“, sagte die Landeselternbeiratsvorsitzende Kerstin Geis in einem dpa-Gespräch in Frankfurt. „Sie wünschen sich eine durchgängige Unterrichtsqualität für die Kinder, auch unter dem Aspekt, daß diese ja Landesprüfungen ablegen müssen.“ Bei dem Einsatz von Lehrern statt von Aushilfen gehe es um 42 Millionen Euro.
Keine Zahlen zum Stundenausfall
Die seit Schuljahresbeginn gültige „Unterrichtsgarantie Plus“, nach der die Schulen Referendare, Pensionäre, Eltern oder andere Kräfte einsetzen können, wenn ein Lehrer krank wird, sei in den meisten Fällen eher eine Betreuungs- als eine Unterrichtsgarantie, sagte Geis. So gebe es Klagen über die „Art und Weise, wie Unterricht geführt wird“. „Dem Grunde nach wird die ,Unterrichtsgarantie Plus' befürwortet. Für den ersten Tag und den zweiten Tag findet sie bei den Eltern auch eine hohe Akzeptanz.“ Kritisiert werde jedoch, daß die Aushilfen längere Zeit unterrichteten.
Trotz der „Unterrichtsgarantie Plus“ fielen nach wie vor Schulstunden in Hessen aus, wie viele, wisse sie aber nicht, sagte Geis. „Es gibt kein statistisches Zahlenmaterial.“ Der Landeselternbeirat forderte das Kultusministerium auf, genau zu erheben, wie häufig Aushilfen Unterricht erteilen.
„Zu Lasten der Oberstufe“
Viele Kinder akzeptierten zudem die externen Vertretungs-Kräfte nicht, berichtete Geis. „Die Schüler verstehen an dieser Stelle durchaus zu differenzieren.“ Schulen auf dem Land hätten Schwierigkeiten, geeignete Kräfte zu finden. „Städte, die eine Hochschule haben, haben es da ein bißchen leichter.“
„In der Grundschule führe die ,Unterrichtsgarantie Plus' dazu, daß die Kinder unruhiger werden, weil lernen auch über Beziehung stattfindet.“ Die Gymnasien hätten in der Regel ein Umfeld, das es leichter mache, geeignete Aushilfen zu finden, als viele Haupt- und Realschulen. Die Eltern der Gymnasiasten klagten jedoch darüber, daß die „Unterrichtsgarantie Plus“ oft zu Lasten der Oberstufe gehe, wo sie nicht gilt.