25.02.2010 · Nach etwas mehr als ein Jahr Revision soll der älteste noch laufende Atommeiler Deutschlands Biblis A in Südhessen am 20. März wieder ans Netz gehen. Das kündigte der Betreiber RWE in Essen an.
Nach etwas mehr als ein Jahr Revision soll der älteste noch laufende Atommeiler Deutschlands Biblis A in Südhessen am 20. März wieder ans Netz gehen. Das kündigte der Betreiber RWE in Essen an. Das Unternehmen hatte den Neustart Ende 2009 wegen noch ausstehender Arbeiten um zwei Monate verschoben.
RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann Chef forderte in Essen eine Laufzeitverlängerung für alle 17 deutschen Atomkraftwerke - einschließlich Biblis. „Wir brauchen die Kernenergie, um die Stromversorgung sicherzustellen“, sagte Großmann. Sollte die Laufzeit nicht verlängert werden, müsste RWE noch in diesem Jahr Biblis A abschalten. Der Reaktor ging 1974 in Betrieb.
Opposition im Landtag äußert heftige Kritik
Eine RWE-Sprecherin sagte, unter Volllast könnte Biblis A von März an noch sechs Monate laufen. Großmann zufolge will RWE auch versuchen, Strommengen anderer Kernkraftwerke auf Biblis zu übertragen, um die Laufzeit auszudehnen.
Nach Ansicht von Großmann steht die Kernenergie dem Ausbau von Ökostrom nicht im Weg. Sein Unternehmen setze auf konstruktive Gespräche mit der Bundesregierung. Hessens Umweltministerin Silke Lautenschläger (CDU) hatte im Januar gesagt, Biblis A könne länger arbeiten.
Die Opposition im hessischen Landtag reagierte mit Kritik. „Biblis A muss noch dieses Jahr vom Netz gehen“, forderte SPD-Generalsekretär Michael Roth. Die Sicherheit sei nicht gewährleistet, insbesondere im Hinblick auf terroristische Aktionen, heißt es in der Mitteilung.
Kurz vor dem Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe
Die Grünen äußerten sich ähnlich. „Großmann behauptet, die Atomenergie sei nötig, um die Stromversorgung in Deutschland sicherzustellen. Dabei standen die beiden Schrottreaktoren Biblis A und B in den letzten Jahren mehr still als sie liefen und trotzdem gingen die Lichter in Deutschland nicht aus“, sagte die energiepolitische Sprecherin, Ursula Hammann.
Die Linken im Landtag wiesen auf bundesweit geplante Proteste gegen die Atomkraft am 24. April kurz vor dem Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe hin. Auch in Biblis sollen Menschen auf die Straße gehen. In Tschernobyl in der nördlichen Ukraine führten am 26. April 1986 Bedienungsfehler und Sicherheitsmängel zu Explosionen in dem Kernkraftwerk. Offiziell ist von fast 17.000 Tote die Rede. Atomkraftgegner sprechen von bis zu 100.000 Toten.