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Begabtenförderung an Hochschulen Sponsoren für junge Talente gesucht

11.11.2009 ·  Um das geplante Stipendienprogramm des Bundes mitzufinanzieren, sollen Hochschulen um Stifter werben. Das finden nicht alle gut. Allein die Technische Universität Darmstadt müsste jährlich 3,5 Millionen Euro auftreiben.

Von Sascha Zoske
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Die Antworten klingen ein wenig nach Radio Eriwan. „Im Prinzip“ finden es die Hochschulpräsidenten richtig, dass die neue Bundesregierung mittelfristig zehn Prozent aller Studenten mit Stipendien ausstatten will. Schnell jedoch folgt auf die grundsätzliche Zustimmung das „Aber“: Das Verfahren, mit dem das schwarz-gelbe Bündnis sein Ziel erreichen möchte, stößt in den Universitäten und Fachhochschulen des Rhein-Main-Gebiets auf erhebliche Skepsis.

Ausschließlich nach Begabung und unabhängig vom Einkommen der Eltern sollen die Stipendien laut Koalitionsvertrag vergeben werden. Monatlich würden die Geförderten 300 Euro erhalten, wobei Bund und Land je 75 Euro beisteuern müssten. Die restlichen 150 Euro sollen die Hochschulen selbst einwerben, von der Wirtschaft oder von Privatleuten.

Allein auf das Land Hessen mit seinen derzeit etwa 171.000 Studenten kämen - diese Zahl und eine Förderquote von zehn Prozent zugrunde gelegt - Kosten von rund 14 Millionen Euro zu. Diese Annahme sei aber „relativ spekulativ“, hebt der Sprecher des Wissenschaftsministeriums, Ulrich Adolphs, hervor. Nach seinen Worten ist derzeit kaum abzusehen, wie sehr die Berliner Pläne dem schon jetzt stark belasteten Landeshaushalt zusetzen werden. Dazu müssten die Überlegungen erst „konkretisiert“ werden.

TUD bräuchte 3,5 Millionen Euro - jedes Jahr

Deutlicher formulieren jene ihre Einwände, die dafür sorgen sollen, dass die zweite Hälfte der Fördersumme zusammenkommt. Jörg Feuck, Sprecher der TU Darmstadt, rechnet vor, dass seine Universität jährlich 3,5 Millionen Euro auftreiben müsste, wenn jeder zehnte Student ein Stipendium bekommen solle. „Das ist schon eine enorme Summe.“ Obwohl die TU gute Kontakte zur Wirtschaft habe, sei es fraglich, ob sie so viel Geld beischaffen könne. „Ich weiß nicht, wie das gehen soll“, sagt auch Manfred Schubert-Zsilavecz, Vizepräsident der Frankfurter Universität - und das, obwohl seine Hochschule ihren Sitz in einer Stadt hat, der es an großzügigen Mäzenen nicht mangelt.

Noch größer sind die Bedenken an den Fachhochschulen. Das Akquirieren von Stipendien sei eine „Zusatzaufgabe, die wir eigentlich nicht leisten können“, sagt Detlev Buchholz, Präsident der Fachhochschule Frankfurt. Sein Kollege Detlev Reymann von der Hochschule Rhein-Main, vormals FH Wiesbaden, wird noch deutlicher. Bei einer Quote von zehn Prozent müsste seine Hochschule private Partner für etwa 950 Stipendien finden. „Wer soll denn das bei mir machen? Dafür brauchte ich vier, fünf Leute extra.“ Überdies sieht Reymann diese Art der öffentlich-privaten Partnerschaft schon vom Ansatz her kritisch: „Es ist nicht Aufgabe der Hochschulen, von der Wirtschaft Geld einzutreiben.“ Der Staat stehle sich hier aus der Verantwortung: Statt die Aufgabe an die überlasteten FHs und Unis zu delegieren, solle er selbst bei den Unternehmen um Unterstützung für die Studenten bitten.

„Staat soll 75 Prozent der Stipendienkosten übernehmen“

So weit geht der Frankfurter Vizepräsident Schubert-Zsilavecz nicht, aber auch er wünscht sich Änderungen an dem Konzept von CDU und FDP. In den ersten drei Jahren solle der Staat nicht 50, sondern 75 Prozent der Stipendienkosten übernehmen, schlägt er vor. Ebenfalls zu überdenken seien die Förderkriterien: Außer der Leistung könne auch soziales Engagement berücksichtigt werden. Dem schließt sich FH-Präsident Buchholz an. Und sowohl Reymann als auch Schubert-Zsilavecz fordern, über der Stipendiendiskussion das BAföG nicht zu vergessen: Weil die Fördergrenze zu hoch angesetzt sei und dadurch fähige Abiturienten aus ärmeren Familien vom Studium abgehalten würden, „verschenkt das Land Talente“, meint der Wiesbadener FH-Präsident.

Jenes Modell der Begabtenförderung, das die Bundesregierung jetzt erproben will, wird in Nordrhein-Westfalen schon praktiziert: Dort trägt das Land die Hälfte der Kosten eines 300-Euro-Stipendiums, der Rest muss aus privaten Quellen fließen. Auch an der Universität Bochum war anfangs die Sorge groß, nicht genügend Unterstützer zu finden, wie die Leiterin des dortigen Fundraising-Büros kürzlich auf einer Tagung in Frankfurt berichtete. Doch die Hochschule nahm die Herausforderung an - und warb statt der zuerst angestrebten 85 Stipendien 120 ein.

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Jahrgang 1969, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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