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Bayerischer Untermain Keine Windräder im Naturpark

Es gebe genug Fläche außerhalb von Schutzgebieten am Bayerischen Untermain, sagt der Regionale Planungsausschuss. Das aber kritisiert die Stadt Aschaffenburg.

© dpa Vergrößern Die Meinungen spalten sich bei den drei geplanten Windrädern auf dem Fürstenhagener Bergrücken

Windräder in den bayerischen Naturparken Spessart oder Odenwald bleiben vorerst tabu, weil es nach einer Voruntersuchung durch die Regierung von Unterfranken am Bayerischen Untermain auch außerhalb der Schutzgebiete genügend Standorte für Windkraftanlagen gibt. Im regionalen Planungsausschuss stellte die Regionsbeauftragte Anja Rock jetzt die ersten Ergebnisse ihrer Prüfung von Flächen vor, die unter Berücksichtigung von Abstandsflächen zur Wohnbebauung, Naturschutzgebieten oder Wasserschutzzonen den Bau von Windrädern erlauben. Rock hatte nur Standorte berücksichtigt, die größer als zehn Hektar waren.

Agnes Schönberger Folgen:    

Ziel der Regionalplanung sei es, die Windkraftanlagen auf wenige Standorte zu konzentrieren. 30 Hektar seien das Minimum für einen Windpark, sagte sie. Als „weiße Flächen“ wurden allerdings auch kleinere Gebiete erfasst, um Gemeinden die Möglichkeit zum Bau von kleineren Anlagen zu lassen. Die Resultate ihrer Untersuchung sollen als Grundlage zur Festsetzung von Vorrang-, Vorbehalts- und Ausschlussgebieten für die Windenergienutzung dienen. Die Ausschussmitglieder stimmten gegen die beiden Vertreter der Stadt Aschaffenburg dafür, den Regionalplan auf der Grundlage der vorgelegten Daten fortzuschreiben.

Probleme wegen eines Flugplatzes

Nach der Erhebung stehen in der Region 16 Standorte mit einer Gesamtfläche von knapp 2000 Hektar für die Windenergieanlagen zur Verfügung. Sie sind jedoch teils mit Einschränkungen versehen. Gespräche mit betroffenen Gemeinden wie Großostheim oder Niedernberg haben ergeben, dass es dort Probleme wegen eines Flugplatzes oder der Bundesstraße 469 und dem Bau einer Hochspannungsleitung geben kann. Neunkirchen ist zudem quasi von Windrädern „umzingelt“ und damit ein „typischer Fall“, sagte Rock, für eine Gemeinde, auf die das Ausschlusskriterium „Einkreisung eines Ortes durch Windkraftanlagen“ zutrifft. Nach dem Klima- und Energieschutzkonzept sollen sich in Zukunft am Bayerischen Untermain mindestens 50 Windräder drehen. Dafür wäre Rock zufolge eine Fläche von rund 500 Hektar, also ein Viertel der ermittelten Potentialflächen, nötig. Die Regionsbeauftragte formulierte vorsichtig, es sei nicht „unrealistisch“, das Ziel von 50 Anlagen außerhalb von Landschaftsschutzgebieten zu erreichen.

Das Ergebnis der Untersuchung bedeutet für die Stadt Aschaffenburg, dass sie auf absehbare Zeit von ihren Plänen für Windräder auf der Hohen Warte Abschied nehmen muss. Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) hatte zwar schon in der Verbandsversammlung im Juli beantragt, die gesamte Region und damit die besonders windreichen Standorte in den Höhenlagen des Spessarts in die Untersuchung einzubeziehen. Die Kommune war jedoch mit ihrem Antrag gescheitert. In der jüngsten Sitzung gab Herzog, der im Planungsausschuss nicht stimmberechtigt ist, zu Protokoll, dass der Aschaffenburger Stadtrat an seiner Position festhalte, die Errichtung von Windkraftanlagen in Landschaftsschutzgebieten zumindest zu prüfen, um nicht unnötig Zeit zu verlieren.

Landrat: „Konsequent“ vorgegangen

Landrat Ulrich Reuter (CSU) hielt ihm entgegen, der Stadtrat müsse zur Kenntnis nehmen, dass er sich mit seiner Meinung in der Verbandsversammlung nicht durchsetzen konnte. Nach seinen Worten ist der Planungsverband auch nicht der richtige Adressat für das Anliegen der Stadt. Vielmehr sei der Bezirk zuständig. Denn dieser müsse eine neue Verordnung erlassen, wenn Windkraftnutzung in den Landschaftsschutzgebieten möglich sein solle.

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Miltenbergs Landrat Roland Schwing (CSU) bescheinigte der von der CSU dominierten Verbandsversammlung, in der Frage der Landschaftsschutzgebiete „konsequent“ vorgegangen zu sein. Auch er zeigte sich zuversichtlich, das Ziel von 50 Windkraftanlagen außerhalb der Naturparke erreichen zu können. Sollte sich herausstellen, dass die bisherige Einschätzung zu optimistisch war, soll in einem zweiten Schritt auch in den Landschaftsschutzgebieten nach Flächen für Windräder gesucht werden. Reuter zufolge gibt es in ganz Unterfranken keine Planungsregion, die Windenergienutzung in Schutzzonen zulässt. Der Vortrag Rocks machte deutlich, dass der Bau von Windrädern erhebliche Eingriffe in die Natur mit sich bringt. Für Fundament und Baustelle einer Einzelanlage müssen nach ihren Angaben mindestens 4000 Quadratmeter Wald gerodet, die Wege für den Transport der Windräder verbreitert und zudem noch der Leitungsbau berücksichtigt werden.

Quelle: F.A.Z.

 
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