07.03.2009 · Trotz Finanzkrise geraten große Hochbauprojekte im Rhein-Main-Gebiet nicht ins Stocken. Dabei müssen Unternehmen, Städte und Länder dafür Millionen investieren. Zu Verzögerungen kommt es meist nur aus planungsrechtlichen Gründen oder wegen der Kälte.
Etwa 60 Millionen Euro sind für den Bau eines neuen Stadions in Mainz veranschlagt: Rund 45 Millionen Euro für die 35.000 Zuschauer fassende multifunktionale Arena gedacht, 15 Millionen Euro für die Infrastruktur in Bretzenheim. Weder die Stadt noch der Verein Mainz 05 gehen davon aus, dass die Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise das Projekt negativ beeinflussen wird. Schließlich sei die Finanzierung gesichert. Der Verein beteiligt sich mit einer unverzinslichen Einlage von 7,5 Millionen Euro und muss eine jährliche Pacht von mindestens 2,2, Millionen Euro zahlen; das Gros wird über Zuweisungen des Landes und Kommunalkredite finanziert. Allenfalls bei den Stahlpreisen könne der wirtschaftliche Abschwung eine Rolle spielen, sagt Stadtsprecher Markus Biagioni: Diese seien gesunken. Nach Angaben des Sprechers von Mainz 05, Tobias Sparwasser, laufe derzeit die Ausschreibung. Noch im Sommer werde voraussichtlich mit dem Bau begonnen, eröffnet werden solle das Stadion 2010/2011.
Die großen Bauprojekte in Wiesbaden scheinen ebenso unbeschadet der darniederliegende Konjunktur weitgehend planmäßig voranzukommen. Das an der Mainzer Straße auf der Basis einer öffentlich-privaten Partnerschaft entstehende Zentrale Justiz- und Verwaltungszentrum, ein Gemeinschaftsprojekt von Stadt und Land, soll Ende des Jahres bezugsfertig sein. Auf der derzeit größten Innenstadt-Baustelle nahe Rathaus und Landtag lässt der Investor, die Hamburger Quantum-Gruppe, die dem Neubau der „Dernschen Höfe“ im Wege stehenden Gebäude niederlegen, und auch in das neue Künstlerviertel, das von der Stadtentwicklungsgesellschaft vermarktet wird, ist wieder Bewegung geraten: Am Freitag wurde im Süden des Viertels der Grundstein gelegt für das „Da Vinci Village“, ein Komplex mit 50 sogenannten „Pick-Up-Häusern“.
City-Passage kommt nicht voran
Dass der irische Investor Markland Holdings Limited mit seinen Plänen für eine Erneuerung der von ihm Ende 2005 erworbenen City-Passage in Wiesbaden nicht vorankommt, hat nach Einschätzung von Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) mit der Krise nichts zu tun; Markland habe damit wohl eher konzeptionelle Schwierigkeiten.
In Eschborn ist das 15.000 Tonnen schwere Fundament für den Börsenneubau schon im November gegossen worden, inzwischen sind die Hochbauarbeiten für den gläsernen Kubus im Gange. Der Zeitplan für die 250 Millionen Euro teure neue Zentrale der Börse AG wird nach Worten von Silke Neumann, Sprecherin der Grundstückentwicklungsgesellschaft Groß & Partner, voll und ganz eingehalten. Im Sommer 2010 sollen die 2000 Mitarbeiter die 21 Geschosse beziehen, und Eschborn erhält – Finanzkrise hin oder her – ein neues Wahrzeichen.
Sogar in Hofheim tut sich was
Im gesamten Main-Taunus-Kreis bleibt der wirtschaftliche Niedergang bisher ohne Auswirkungen auf die Großprojekte. Am Gleiskopf in Bad Soden beginnt in diesem Jahr zwischen Bahnhof und Salinenstraße die Erschließung und Bebauung für den neuen Unternehmenssitz der Messer Group. Industriegashersteller Stefan Messer investiert in die künftige Hauptniederlassung samt Veranstaltungszentrum und Museum 20 Millionen Euro. Sogar am Chinonplatz in Hofheim tut sich endlich etwas: Der neue Investor MIB Berlin hat beim Kreis den Bauantrag eingereicht und möchte mit der Errichtung des rund 30 Millionen teuren Einkaufszentrums so schnell wie möglich beginnen. Die MIB sei mit einem hohen Eigenkapital und einer finanzstarken Familie im Hintergrund in das Projekt eingestiegen, widersprach Uwe Laule, Sprecher der MIB Center Hofheim GmbH jüngst Befürchtungen der Politiker.
Auch das wichtigste Bauprojekt im Hochtaunuskreis, der in öffentlich-privater Partnerschaft von 2010 an geplante Neubau der beiden Krankenhäuser in Bad Homburg und Usingen, ist von der Finanzkrise noch unberührt. „Wir haben eine positive Rückmeldung von den Banken“, sagte einer der Projektsteuerer. Dort heiße es, die Konsortien der Bauunternehmen warteten nur auf die Ausschreibung des 140-Millionen-Euro-Vorhabens.
Die Stadt Friedrichsdorf setzt darauf, dass der Investor, der auf dem ehemaligen Milupa-Gelände ein Einkaufszentrum errichten will, an diesem Ziel festhält. Ein nach Angaben des Unternehmens deutlich kleineres und nicht vergleichbares Projekt in der Nähe von Hamburg war vor kurzem aufgeschoben worden. Verzögerungen bei anderen großen Bauvorhaben im Hochtaunuskreis haben keine finanziellen Gründe. Die Umwandlung des alten Bad Homburger Landratsamts in ein Einkaufszentrum ist wegen Klagen von Nachbarn noch nicht begonnen worden.
„Loop 5“ wird wie geplant hochgezogen
Keine Verzögerungen gibt es dagegen für das 265 Millionen Euro teure Einkaufszentrum „Loop 5“ in Weiterstadt. Hier liegt der Bau im Zeitplan, und auch bei der Vermietung gibt es laut Investor Sonae Sierra keine Schwierigkeiten. Eröffnet wird im Herbst.
Gleiches gilt für das Besucherinformationszentrum der Grube Messel. Insgesamt sieben Millionen Euro investiert das Land in sein Weltnaturerbe. Eröffnung ist im Frühjahr 2010.
Und der Zeitplan für das innerstädtische Einkaufszentrum in Offenbach steht ebenfalls: Am 2. April soll am Aliceplatz Richtfest für das „Komm“ gefeiert werden. Der Bauherr, die Hochtief Projektgesellschaft, will das zirka 70 Millionen Euro teure Einkaufszentrum am 24. September eröffnen.
Wegen des kalten Winters kommt es hingegen zu mehrmonatigen Verzögerungen bei einigen Neubauten, die Teil der auf 250 Millionen Euro veranschlagten Schulsanierung sind. So soll die neu erstellte Cafeteria an der Rudolf-Koch-Schule erst im September bezogen werden – vier Monate später als geplant.
Staudinger-Kohlelager im Zeitplan
Keine Verzögerung zeichnet sich beim Bau eines geschlossenen Kohlelagers am Kraftwerk Staudinger in Großkrotzenburg ab. Der Bau des Bunkers, der die offenen Kohlelager auf dem Areal am Mainufer ersetzen soll, liegt im Zeitplan. Ursprünglich sollten jedoch zwei Bunker für insgesamt 63 Millionen Euro entstehen. Der zweite war zur Versorgung des geplanten Kohleblocks 6 gedacht. Wegen der Verzögerungen durch das Planfeststellungsverfahren wurde des Bau des dazugehörigen Kohlebunkers verschoben.
Im veranschlagten Zeit- und Kostenrahmen liegen die beiden Krankenhausneubauten in der Hanauer Innenstadt. Knapp 40 Millionen Euro gibt das Land für den Ausbau des städtischen Klinikums Hanau aus, auf die Stadt entfällt ein Eigenanteil von 9 Millionen Euro für die Ausstattung des Mittelbaus. Die Bauarbeiten haben im vergangenen September begonnen. Die Bauzeit soll 27 Monate betragen. Seit Dezember 2007 entsteht am katholischen St. Vinzenz-Krankenhaus ein Nordostflügel. Derzeit laufen die Innenausbauten im Neubau. Voraussichtlich im Spätsommer wird die Eröffnung stattfinden. Das Land investiert 19 Millionen Euro, das gesamte Bauvolumen beträgt 21,5 Millionen Euro.
Hoppla....
Michael Seip (Mike63)
- 09.03.2009, 09:46 Uhr