07.11.2008 · Andere Städte haben sie schon, auch Frankfurt und die Rhein-Main-Region könnten eine Internationale Bauausstellung ins Leben rufen. Im Frankfurter Main-Forum wurde jetzt diskutiert, wozu eine solche Ausstellung überhaupt gut sein soll?
Von Rainer SchulzeWas Hamburg und Berlin schon unternommen haben, steht Frankfurt und der Rhein-Main-Region möglicherweise noch bevor: eine Internationale Bauausstellung (Iba). Was lag näher, als die beiden Stadtplaner zur gemeinsamen Diskussionveranstaltung von IHK, Handwerkskammer und Urban-Future-Forum ins Frankfurter Main-Forum einzuladen, die die Bauausstellungen in den beiden Großstädten maßgeblich vorbereitet und organisiert haben? Jörn Walter, Oberbaudirektor in Hamburg, und Hans Stimmann, früherer Berliner Senatsbaudirektor, geizten nicht mit Lehren und Ideen für die „Iba Frankfurt/Rhein-Main“. Walter schilderte, warum man sich in Hamburg entschieden hat, von 2006 bis 2013 eine Iba auszutragen: „Die Grundsatzfrage lautete: Wie halten wir international Anschluss?“ Stimmann empfahl der Rhein-Main-Region, zunächst einmal in sich zu gehen und nach einer Schwierigkeit zu suchen, die man mit einer Iba heilen könnte.
Region zäumt das Pferd von hinten auf
Die Region zäumt das Pferd aber sozusagen von hinten auf. „Wir haben eine Lösung, die Bauausstellung. Jetzt suchen wir nur noch ein Problem“, scherzte Nicola Beer, die der Lenkungsgruppe des Landtags vorsitzt. Die Iba suche noch nach einer „Dachmarke“. Zunächst soll dargelegt werden, ob die Region tatsächlich eine Iba braucht. Erst danach stelle sich die Frage der Organisation und Finanzierung. Es gehe darum, war sich das Podium einig, die Stärken zu stärken und zu betonen.
Gewissermaßen probeweise formulierten die Teilnehmer der Podiumsdiskussion allerdings schon einige Ziele. Walter äußerte, die Region sei gut beraten, das Thema der regionalen Verflechtung anzufassen. Es gehe immerhin nicht nur um die Stadt Frankfurt, sondern um einen stark verflochtenen Raum. Schon bei der Iba im Ruhrgebiet sei es gelungen, eine gemeinsame Identität zu stiften – damals über das Thema Industriekultur. Als ein Schlüsselthema benannte Walter die „Stadt im Klimawandel“. Beer schlug vor, die Frage der Lebensqualität und die Internationalität der Region als vorrangige Ziele zu behandeln.
Angesichts einiger dieser Ideen bekannte Stimmann, er würde sich wohl vor Langeweile abwenden. Die Stadt im Klimawandel, die Multikulturalität, die Metropolregion – das seien zwar wichtige Themen, die angegangen werden müssten. Aber als Thema einer Bauausstellung seien sie ungeeignet. „Das interessiert außerhalb der Region niemanden.“ Die Region täte gut daran, sich als Kultur- und Wirtschaftszentrum zu positionieren. Frankfurt habe bereits ein funktionierendes Image: Bankenmetropole und Flughafen. Die Herausforderung laute, den Status als Amerikas „Gateway to Europe“ zu transformieren und mit europäischer Baukultur zu verbinden. „Was bedeutet die europäische Stadt für diese Region?“, könne das Thema lauten. Außerdem riet Stimmann, den inflationär gebrauchten Begriff Metropolregion zu meiden.
Einwohner leben schon in einer permanenten Bauausstellung
Der Frankfurter IHK-Vizepräsident Mathias Müller ist der Ansicht, dass die Einwohner des Rhein-Main-Gebiets schon in einer permanenten Bauausstellung leben. Denn die Immobilienbranche erwirtschafte hier jedes Jahr 16,5 Prozent der Bruttowertschöpfung. Seiner Ansicht nach geht es bei einer Iba nicht an erster Stelle ums Bauen. Einen Beleg dafür sah er darin, dass auf dem Podium nur ein einziges Mal das Wort „Architektur“ fiel: „Es geht um gesellschaftlichen Wandel, nicht um Architektur.“
Lutz Raettig, Mitglied des Exekutivkomitees der regionalen Initiative Themenwelt, könnte sich hingegen „Leuchtturmprojekte“ vorstellen, die die Stärken der Region betonen. Der Moderator der Veranstaltung und Ressortleiter dieser Zeitung, Matthias Alexander, gab zu bedenken, dass sich auch die großen öffentlichen Wohnbaugesellschaften engagieren und, etwa auf dem frei werdenden Frankfurter Universitätscampus Bockenheim, Musterstadtteile anlegen könnten.