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Bad Vilbel zu Radeberger-Rückzug „Höhere Gewalt vereitelt Sicherung des Erfolgs“

 ·  Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr bedauert den Rückzug der Radeberger-Gruppe, die in der Stadt doch keine neue Konzernzentrale bauen wird. Die SPD will eine Sondersitzung der Stadtverordneten beantragen.

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Mit Enttäuschung ist in der Wetterau die Entscheidung der Radeberger-Gruppe zur Kenntnis genommen worden, auf den Umzug von Frankfurt-Sachsenhausen nach Bad Vilbel zu verzichten. Albert Christmann, Sprecher der Geschäftsführung der Radeberger-Gruppe, bestätigte in Frankfurt einen Bericht der Rhein-Main-Zeitung vom Freitag, dass das Neubauvorhaben in Bad Vilbel wegen der Folgen der Wirtschaftskrise nicht verwirklicht werde (Rückzieher: Radeberger verzichtet auf Umzug nach Bad Vilbel). Verantwortlich für die Entscheidung seien die Rahmenbedingungen im deutschen Biermarkt, die sich durch die Wirtschaftskrise verschlechtert hätten. Das Unternehmen nutze trotz der schon fortgeschrittenen Planung die Option, das reservierte, etwa 22 Hektar große Grundstück in Bad Vilbel nicht zu kaufen. In einer Klausel des vor fünfeinhalb Monaten unterzeichneten Vertrages hatte sich Radeberger ein Rücktrittsrecht bis Mitte November einräumen lassen.

Radeberger und die Stadt hatten Anfang Juni mitgeteilt, dass für die Binding-Brauerei im Bad Vilbeler Gewerbegebiet „Im Quellenpark“ östlich der B 3 und westlich der Main-Weser-Bahnlinie eine neue Braustätte und Abfüllzentrale errichtet werde. Geplant waren auch der Bau eines Gebäudes für die nationale Hauptverwaltung der Unternehmensgruppe und ein Logistikzentrum. Die Betriebsaufnahme war für 2012 vorgesehen. Radeberger-Chef Albert Christmann hat nach seinen Worten, die Stadt Bad Vilbel am späten Donnerstag Nachmittag vom Rückzug informiert.

Aus für „ehrgeizige Pläne“

Bad Vilbels Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU) war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. So blieb unklar, ob er von der Absage völlig überrascht wurde. In einer Pressemitteilung teilte der Rathauschef lediglich mit, dass die schlechte Wirtschaftslage den „ehrgeizigen Plänen“ ein Ende bereitet habe. Der Kurstadt und der Region helfe auch die Genugtuung nicht weiter, unter rund 60 Bewerbern der Sieger gewesen zu sein. „Höhere Gewalt hat die endgültige Sicherung dieses Erfolgs vereitelt“, schrieb Stöhr. Er bezeichnete es als „anständig“, dass sich die Unternehmensgruppe bereiterklärt habe, die bisherigen Aufwendungen zu übernehmen. Das sei nicht selbstverständlich.

Der Bad Vilbeler SPD-Chef Udo Landgrebe sagte, seine Fraktion werde eine Sondersitzung der Stadtverordneten beantragen, in der Stöhr zu den Vorgängen Stellung nehmen solle. Er wolle wissen, ob sich der Bürgermeister bei Radeberger regelmäßig über den Fortgang des Projekts versichert habe. Er frage sich, so Landgrebe, ob die Entscheidung viel früher hätte vorausgesehen werden können. Er erinnerte daran, dass mit dem Ansiedlungsvorhaben der Firma Hochtief im Gewerbegebiet „Im Quellenpark“ schon einmal "falsche Hoffnungen“ geweckt worden seien. Für den unbebauten Gewerbepark, auf dem nach den Versprechungen der Stadt 10.000 Arbeitsplätze entstehen könnten, sollte ein "professionelles Industriemanagement von einem externen Berater" betrieben werden.

„Ökologischer und finanzieller Frevel"

Für die Grünen sagte der Stadtverordnete Ulrich Rabl, seine Fraktion sei von Beginn an gegen die Brauereiansiedlung gewesen. Es wäre "ein ökologischer und finanzieller Frevel" gewesen, das Areal zu bebauen und eine vor drei Jahren neu gepflanzte Streuobstwiese zu zerstören.

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