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Bad Nauheim Erste Klinik für Psychokardiologie

30.11.2006 ·  An der Kerkhoff-Klinik in Bad Nauheim ist eine Klinik für Psychokardiologie eröffnet worden. Denn Depression gilt beispielsweise als Risikofaktor für Herzerkrankungen.

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Mit dem neuen Rehabilitationszentrum auf dem Gelände der Kerckhoff-Klinik ist in Bad Nauheim erstmals ein Hospital mit einem integrierten Konzept für die Diagnose und Therapie von Herzerkrankungen eröffnet worden. Die Klinik für Psychokardiologie steht dabei in enger Kooperation mit der benachbarten Kerckhoff-Klinik, die zu den bedeutendsten deutschen Einrichtungen für Herzchirurgie zählt, und der Pitzer-Klinik für Rehabilitationsmedizin. Geleitet wird die neue Klinik von Professor Jochen Jordan, der zu den Mitbegründern der Psychokardiologie zählt.

Nach Auskunft von Jordan hat sich beispielsweise herausgestellt, daß Depressionen einen ebenso großen Risikofaktor für die Entstehung von Herzerkrankungen darstellen wie das Rauchen. Ähnlich große Bedeutung hat die vitale Erschöpfung, also das sogenannte „Burn-out-Syndrom“, vor allem als Vorbote für Infarkte.

Messung der Herzfrequenzvariabilität

Nach Krankheitsbeginn, so zeigt sich immer wieder, kommt es durch psychische Ursachen zu sogenannten Belastungsstörungen, welche die Prognosen für die Genesung und damit die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen. Depressionen etwa lassen sich nach einem Herzinfarkt bei bis zu einem Drittel der Patienten beobachten. Herzpatienten mit Depressionen haben eine zweieinhalbfach erhöhte Sterblichkeitsrate. Studien belegen, daß auch die klassischen Risikofaktoren in ihrer Intensität in Zusammenhang stehen mit seelischen Erkrankungen und psychischen Belastungen, durch entsprechende Therapien aber günstig zu beeinflussen sind.

Die psychokardiologische Diagnostik basiert auf klinischen Interviews, Fragebogenauswertung und psychophysiologischen Messungen wie die Bestimmung der Herzfrequenzvariabilität, die für die Ermittlung von Stress und Stressbelastbarkeit an Bedeutung gewinnt. Die Herzfrequenzvariabilität ist ein Indikator für die Fähigkeit des Herzens, die Schlaghäufigkeit zu variieren, und gibt Aufschluß über die Anpassungsmöglichkeiten des Herzens bei Belastungen. Bei Herzinfarktpatienten läßt sich nach Angaben von Professor Jordan ein deutlicher Zusammenhang zwischen Herzfrequenzvariabilität und Sterblichkeit nachweisen. Auf der anderen Seite läßt sich die Herzfrequenzvariabilität innerhalb kurzer Zeit durch Behandlungen wie Entspannungsübungen, Psychotherapie oder Körpertraining positiv beeinflussen.

Bis zu 160 Betten sind eingeplant

Dort setzt das therapeutische Konzept der Psychokardiologie an, die auf Tiefenpsychologie und Verhaltenstherapie basiert. Ziel ist es also, individuelle Ursachen für bestimmtes Fehlverhalten herauszufinden und gemeinsam mit dem Patienten Strategien zu entwickeln, wie er sich in kritischen Lebenslagen besser vor seelischen Belastungen und damit vor Herzerkrankungen schützen kann. Zum Behandlungsspektrum in der Klinik zählen unter anderem Progressive Muskelentspannung, Biofeedback oder Massagen.

Betrieben wird die neue Klinik von einer gemeinsamen Gesellschaft der Pitzer-Kliniken und der Kerckhoff-Klinik mit zunächst 20 Betten. Später sollen bis zu 160 Betten bereitstehen. Die Klinik für Psychokardiologie soll nach dem Willen ihrer Gründer auch den Klinikstandort Bad Nauheim weiter aufwerten. Auf dem Areal der Kerckhoff-Klinik am Rande des Kurparks ist in den zurückliegenden Jahren ein Krankenhauskomplex entstanden, der wie sonst nur an Universitätskliniken die Vernetzung verschiedener medizinischer Disziplinen ermöglicht.

In dieses sogenannte Bad Nauheimer Campus-Modell bringt die Kerckhoff-Klinik Kardiologie, Herzchirurgie und Rheumatologie ein, die William Harvey-Klinik die Gefäßchirurgie. Die Pitzer-Kliniken sind beteiligt mit Rehabilitationsabteilungen und der Diabetes-Klinik. Nicht zuletzt wird das Max-Planck-Institut für Herz-Lungen-Forschung, für das vor wenigen Wochen der Grundstein gelegt wurde, zum Wissenstransfer aus der Forschung in die klinische Praxis beitragen.

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