Die von dem Architekten Wolfgang Fischer als Fraktionsvorsitzendem und seinen beiden Stellvertretern Wilhelm Braun und Hans-Peter Schäfer geführte Gruppierung verfügt somit über sieben Mandate in der Stadtverordnetenversammlung. Die NHU erhält somit zwei Sitze in den Ausschüssen. Demnach müssen Freie Homburger Wähler und Republikaner, die jeweils zwei Stadtverordnete zählen, nun um einen verbliebenen Ausschußsitz losen.
In einer Pressekonferenz begründeten die Dissidenten ihren Schritt am Freitag mit ihrer Sorge um die Zukunft der Stadt. Es bewege sich nichts, sondern es herrsche "absoluter Stillstand", so Fischer. Unmut über die CDU-Kommunalwahlliste, "eine Einheitsliste von Abnickern", und die Tatenlosigkeit der Oberbürgermeisterin Ursula Jungherr (CDU) seien weitere Gründe, die zu diesem Schritt geführt hätten. Zu oft habe er sich in der Stadt anhören müssen "Euch kann man ja gar nicht mehr wählen", klagte Fischer. Als CDU-Stadtverordnete habe er nicht öffentlich widersprechen dürfen, wenn ein falscher Weg eingeschlagen worden sei. Wo Wolters als Stadtoberhaupt "zu viele Schubladen geöffnet" habe, beschränke sich Jungherr rein aufs Verwalten und vergeude viele Chancen. So blieben vom Neubau der Feuerwache bis zur Entwicklung des Mahle-Geländes oder dem Dorotheenquartier einfach zu viele Projekte auf der Strecke.
Auch gelinge es Jungherr nicht, die Wirtschaftsförderung in Schwung zu bringen, obwohl Homburg noch "verhältnismäßig" reich sei. Als Beispiel hierfür führte Fischer die Blockade von Privatinitiativen beim früheren "Darmstädter Hof" oder einem Supermarkt für Ober-Eschbach an. Jungherr habe es auch "verschlafen", die Stadt als Trainingsstädte für die Fußball-Weltmeisterschaft ins Gespräch zu bringen, obwohl Homburg überall wegen der gepflegten Kunstrasenplätze beneidet werde.
Braun warf der Homburger CDU vor, mehr und mehr die eigenen Wurzeln zu kappen und die Beziehung zur Basis zu verlieren. Er sei seit 50 Jahren Mitglied bei der IG Metall und schon 60 Jahre in der Kolpingfamilie aktiv, habe in Kirdorf den Kaninchenzüchterverein aufgebaut, 500 Fastnachtsvorträge gehalten und in 28 Parlamentsjahren gerade dreimal gefehlt - dafür sei er von der CDU auf den Listenplatz Platz 50 gesetzt worden: Somit zähle all sein Engagement nicht - man müsse wohl im Golfclub sein.
Holger Fritzel hob hervor, daß sich die Gruppierung als eine bürgerliche Wahlmöglichkeit zur CDU verstehe, aber keine Frontalopposition betreiben wolle. Es sei ihr gemeinsames Ziel, die Stadt voranzubringen. Sein CDU-Parteibuch wolle er behalten, da er mit den Grundsätzen der CDU in Bund und Land übereinstimme. Falls gegen ihn dennoch ein Parteiausschußverfahren angestrengt werde, sehe er diesem "gelassen entgegen". Fritzel wird am 16. November abermals für den Vorsitz des Finanzausschusses der Stadtverordnetenversammlung kandidieren, dem er bisher als CDU-Stadtverordneter bereits vorstand.
Schäfer begründete seinen Austritt aus der Fraktion der Freien Homburger Wähler mit der mangelnden Perspektive dieser Gruppierung. Es sei der FHW nicht gelungen, ein eigenes Profil zu entwickeln und die Konturen zu schärfen, um auf der politischen Bühne Bad Homburgs wahrgenommen zu werden. Scharf wies das frühere SPD-Mitglied zurück, daß er sich je bei der CDU für einen Listenplatz ins Gespräch gebracht habe: "Ich bin keine politische Hure, die mit jedem ins Bett steigt."

