18.11.2005 · Neben dem steinernen Wachturm stehen römische Legionäre, doch der Durchgang durch den Limes ist geöffnet. Für eine Ausstellung im Römerkastell Saalburg ist die Szene aus dem dritten Jahrhundert nach Christus mit Zinnfiguren nachgestellt.
Neben dem steinernen Wachturm stehen römische Legionäre, doch der Durchgang durch den Limes, die Grenze des Römischen Reiches, ist geöffnet. Händler in gallischer Tracht haben ihre Pferde mit Warenbündeln beladen und brechen auf, um im „Freien Germanien“ außerhalb des Imperiums Geschäfte zu machen. Für eine Ausstellung im Römerkastell Saalburg ist die Szene aus dem dritten Jahrhundert nach Christus mit Zinnfiguren nachgestellt. Insgesamt 27 „Dioramen“, Szenen mit Zinnfiguren und gemaltem Hintergrund, spiegeln die Alltagsgeschichte.
Die Schau zeigt, wie Besatzer und Einheimische einander eben nicht nur bekriegten, sondern auch Handel miteinander trieben. Und wie sich die Kulturen dreier Völker vermischten, nachdem im Jahr 85 nach Christus die römische Provinz Obergermanien entstanden war: Die Soldaten und Kaufleute brachten mediterrane Lebensart in den Taunus. Die einheimischen Germanen, die nun im römischen Imperium lebten, behielten teils eigene Traditionen bei, übernahmen aber auch Sitten von den Römern. Außerdem wanderten Kelten, die in der linksrheinischen Provinz Gallien ihr Hauptsiedlungsgebiet hatten, in die neue Provinz ein. Gallien war früher als Obergermanien, schon von Cäsar, dem Imperium einverleibt worden - die Alltagskultur der keltischen Gallier, etwa ihre Kleidung, war schon stark von den Römern beeinflußt.
Vermischung der Kulturen augenfällig
Deutlich wird das in der Bestattungsszene, die die Ausstellung zeigt: Romanisierte Gallier tragen einen Verstorbenen in Tücher gehüllt zu einem Scheiterhaufen. Dieses Ritual folgt der römischen Tradition, nach der Amphoren mit Wein und Öl als Grabbeigaben bereitgestellt sind. Ebenso augenfällig wird die Vermischung der Kulturen am Beispiel des keltischen Tempels, der an seinem offenen Säulenumgang erkennbar ist. Solche Heiligtümer standen in römischen Siedlungen, denn in der Provinz wurden die einheimischen Gottheiten und die römischen Staatsgötter gleichsam nebeneinander verehrt.
Eines der größten Dioramen der Schau zeigt die Saalburg selbst, die der Verteidigung des Limesabschnitts im Taunus diente, wie sie in der ersten Hälfte des dritten Jahrhunderts nach Christus aussah. Doch die Garnison war nicht nur Militärstützpunkt, sondern auch ein Zentrum des Zivillebens: Bei dem Kastell entstand ein Ort, in dem Handwerker und Händler lebten. Vor dem Tor findet sich eine „Mansio“ genannte Herberge, nach römischem Stil um einen Innenhof herum gebaut. Gegenüber stehen Streifenhäuser, lange Gebäude mit Satteldach, in denen die Angehörigen der Soldaten wohnten.
Kleidung zeigt die Standesunterschiede
Die Marktszene aus Nida, dem Verwaltungszentrum für den Vordertaunus und die Wetterau, das in Frankfurt-Heddernheim ausgegraben wurde, zeigt, daß Obergermanien bis ins dritte Jahrhundert eine blühende Provinz war. Die Architektur der Häuser an dem Forum genannten Marktplatz folgt römischen Vorbildern, die Händler, die hier etwa Tonvasen anbieten, tragen den für die Kelten typischen Umhang, dazwischen stolziert eine vornehme Römerin in hellem Gewand umher. Die Ausstellung zeigt auch ein Gehöft im „Freien Germanien“ nördlich des Limes, wie es im ersten Jahrhundert nach Christus ausgesehen haben kann: Typisch für diese Gegend ist das langgezogene Haupthaus, das Menschen und Vieh Platz bot. Das steile Satteldach reicht bis tief hinunter; das Haus hat keine Fenster, weil die Germanen kein Glas herstellen konnten.
Die Germanen tragen kurze oder lange Hosen aus Leder, darüber Gewänder aus Wolle oder Leinen. Die Kleidung zeigt die Standesunterschiede: Der der Oberschicht angehörende Krieger, der das Haupthaus des Gehöfts bewohnt, trägt einen auffälligen grünen Umhang und am Gürtel ein Kurzschwert. Mit ihren zahlreichen Darstellungen von Schlachten erinnert die Ausstellung aber doch daran, daß die Römer als Eroberer kamen. Zu sehen sind Reiterkämpfe ebenso wie Gefechte von Fußtruppen zwischen Römern und Kelten zur Zeit Cäsars: Die Legionäre sind in geordneten Reihen aufmarschiert und schleudern gerade ihre Wurflanzen. Die Gallier kämpfen nicht in Reihen und tragen anders als die Römer keine einheitlichen Waffen. Einige haben Schwerter, andere Lanzen, ihre Schilde sind unterschiedlich groß, manche rund, andere oval.