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Veröffentlicht: 23.01.2017, 11:29 Uhr

Ausstellung in Hanau Reise durch die Welt der europäischen Theater

Das Comoedienhaus gehört zu den 120 interessantesten und besterhaltenen Theatern Europas. Davon und von der Geschichte dieser Häuser erzählt eine Ausstellung im Hanauer Rathaus.

von , Hanau
© Rainer Wohlfahrt Ein Welterfolg im Hanauer Rathaus: das Plakat zum Musical „Jesus Christ Superstar“

Mit seinen rund 200 Plätzen ist das Comoedienhaus Wilhelmsbad ein kleines Theater, doch genügt ein Blick in den Theatersaal, um zu erkennen, dass es sich um ein besonderes Schmuckstück handelt. Die Bedeutung des 1781 auf Geheiß des kurhessischen Erbprinzen Wilhelm von Hessen-Kassel erbauten Barocktheaters zeigt auch seine Mitgliedschaft in dem internationalen Kulturprojekt „Europäischen Route Historischer Theater“.

Luise Glaser-Lotz Folgen:

Um in den erlesenen Kreis der 120 interessantesten und besterhaltenen 120Theater Europas aufgenommen zu werden, galt es, sich unter 3000 historischen Theatern Europas durchzusetzen. Nicht nur das hat Hanau mit dem Comoedienhaus geschafft, im Jahr 2010 übernahm die Stadt auch das Management für die deutsche Route der historischen Theater. Seitdem erfüllt sie die Aufgabe im Auftrag der Organisation „Perspektiv – Gesellschaft der historischen Theater Europas“, die sich vor rund zehn Jahren gründete, um die historischen Theater als gemeinsames europäische Kulturerbe zu erhalten und ihre Bedeutung stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken.

Europas Geschichte: von der Antike bis zur Gegenwart

Schwerpunkt der von der Europäischen Union unterstützten Arbeit ist der Aufbau einer Europa-Route zur Verbindung aller wichtigen historischen Theater. Außerdem wird eine Datenbank geführt mit Informationen über alle rund 3000 historischen Theater in Europa.

In diesen Tagen ist Hanau Station der Wanderausstellung „Die Geschichte Europas – erzählt von seinen Theatern“, die unter Federführung des Vereins „Perspektiv“ von den sechs größten Theatermuseen Europas in Wien, München, Kopenhagen, London, Warschau und Ljubljana entwickelt wurde. Auf ihrer Reise durch Europa macht die Ausstellung Station im Foyer des Hanauer Rathauses. Danach wird sie in London, ihrer letzten Station, zu sehen sein.

Erzählt wird die Geschichte Europas von der Antike bis zur Gegenwart weniger in der Perspektive politischer und gesellschaftlicher Wirren, von Kriegen und sozialen Verwerfungen, sondern aus der Sicht der Welt des Theaters. Über die Darstellung der Baugeschichte der Theater, ihrer unterschiedlichen Darbietungsformen und länderspezifischen Eigenheiten der Theaterkultur kann der Betrachter in die Zeit der jeweiligen Gesellschaften eintauchen. Farbenfroh in den Landesfarben gekennzeichnet, widmet sich die Schau neun Themen: „Überall ist Mittelmeer“, „Die Macht der Religion“, „Wandel der Gesellschaft – Wandel der Gebäude“, „Ästhetik und Technik“, „Die Nation“, „Feuer!“, „Grenzen überwinden“, „Krieg“ und „Demokratie“. Jedes der sechs Museen steuerte dazu ausgewählte Objekte aus seiner Sammlung bei.

Da aber das interessante Theater für die Hanauer weiterhin das Comoedienhaus ist, erstellte der städtische Fachbereich ergänzend einen Sonderteil über das Comoedienhaus, das bis heute als beliebter Veranstaltungsort für Theater-, Konzert-, Kleinkunst- und Kindertheatervorstellungen genutzt wird. Wie die gesamte Kuranlage und das frisch sanierte älteste feststehende Karussell der Welt, wurden die Pläne auch für das Comoedienhaus von Wilhelms Baumeister Franz Ludwig von Cancrin ersonnen.

Pomp eines barocken Theaterhauses

Er verlieh dem Theater nach außen ein schlichtes Aussehen, so dass es zunächst als „Scheunentheater“ bezeichnet wurde. Im Innenausbau aber wurde es dem Pomp eines barocken Theaterhauses und den Ansprüchen der höfischen Kurgäste in Wilhelmsbad rundum gerecht.

Die Spielzeiten dort waren allerdings eher kurz, über viele Jahre blieb das Theater ungenutzt, vor allem als es die Kuranlagen nach der Verlegung der Residenz Wilhelms nach Kassel ihre gesellschaftliche Bedeutung verloren. Nach den beiden Weltkriegen wurde das Theater teilweise als Lagerort für Vorräte, teilweise als Unterkunft für Vertriebene genutzt. Das Gebäude verfiel zunehmend, bis es vom Jahr 1968 an im Auftrag der Landesregierung, des Hessischen Rundfunks und der Stadt Hanau saniert wurde. Danach wurde das Comoedienhaus durch die alljährlichen „Wilhelmsbader Produktionen“ des Hessischen Rundfunks mit internationalen Künstlern überregional bekannt.

Heute wird das Haus von der Comoedienhaus Betriebsgesellschaft betrieben und vor allem von der Volksbühne Hanau bespielt. Einen Blick wird im Sonderteil auch auf die Geschichte der gesamten Theaterkultur in Hanau geworfen, in der das einstige Stadttheater eine große Rolle spielte. Das Haus wurde mit der gesamten Innenstadt 1945 zerstört. Nicht ausgelassen werden die Volksbühne Hanau, die rege Szene der Amateur- und Schultheater sowie das Papiertheater im Schloss Philippsruhe.

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