10.07.2007 · Erneut ist der Zugverkehr im Rhein-Main-Gebiet lahmgelegt worden. Wegen des Warnstreiks der Lokomotivführer fuhren weder die S-Bahnen rund um Frankfurt, noch viele Nahverkehrszüge in der Region.
Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage haben am Dienstag auch im Rhein-Main-Gebiet die Züge stillgestanden. Wegen des Warnstreiks der Lokomotivführer fuhren zwischen 8 Uhr und 10.15 Uhr weder die S-Bahnen rund um Frankfurt, noch viele Nahverkehrszüge in der Region. Bei Rüdesheim blockierten Lokführer mit ihren Maschinen die Gleise: Auf der Strecke zwischen Koblenz und Wiesbaden fuhr daher kein Zug. Auch in Kassel und Fulda fielen Verbindungen aus. Dabei war der Streik am Morgen noch gerichtlich verboten worden.
Mit einer einstweiligen Verfügung hatte das Mainzer Arbeitsgericht der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) auf unbegrenzte Zeit verboten, die Arbeit niederzulegen und zu Streiks aufzurufen. Die Arbeitsrichter begründeten das Verbot damit, dass der Ausstand gegen die Friedenspflicht verstoße, weil die GDL neben Entgelterhöhungen auch die Änderung ungekündigter Tarifverträge verlange. Das Gericht gab damit der Deutschen Bahn recht, die die Warnstreiks als unzulässig bezeichnet hatte.
Bahn will eventuell Schadensersatz fordern
Dem widersprach der GDL-Vorsitzende Manfred Schell: „Wir sind der Ansicht, dass wir zu keiner Zeit gegen die Friedenspflicht verstoßen haben.“ Die GDL kündigte Berufung an. Weil der Gerichtsbeschluss erst nach Beginn des Warnstreiks rechtskräftig zugestellt wurde, war der Zugverkehr im Rhein-Main Gebiet vielerorts trotzdem lahmgelegt worden. Nach Bekanntwerden der Gerichtsentscheidung beendeten die Lokführer den Ausstand 45 Minuten früher als geplant. Die Deutsche Bahn denkt darüber nach, Schadensersatz von der GDL zu fordern.
Am Frankfurter Hauptbahnhof zeigten die Anzeigetafeln Verspätungen von 120 Minuten oder mehr für die meisten Züge an. Trotz der Warnungen in den Medien waren viele Reisende gestartet. Ihnen war offenbar nicht bewusst gewesen, dass die Lokführer abermals streiken würden.
„Da trifft es ja mal wieder genau die Falschen“, sagte eine ältere Dame in Frankfurt. Sie habe ja generell Verständnis für die Forderungen der Zugführer nach einer Lohnerhöhung, doch müssten die nicht ausgerechnet jetzt streiken: Sie wolle zur Verwandtschaft nach München. Ähnlich äußerten sich viele Reisende.
Ärger unter den Fahrgästen
Nicht alle blieben so ruhig. Am Frankfurter Hauptbahnhof fanden sich auch einige verärgerte Reisende. Auf der Suche nach der Shuttle-Bahn zum Flughafen musste ein Urlauber aus China erfahren, dass er sein Zugticket vergeblich gekauft hatte. Ihm blieb nur noch das Taxi, um sein Flugzeug zu erreichen.
Die Mitarbeiter des Serviceteams der Deutschen Bahn wurden mit Fragen nach alternativen Routen bestürmt. Auch die Mitarbeiter der Bahnverwaltung waren im Einsatz. Mit roten Servicewesten über dem Jackett konnten sie den Reisenden jedoch auch nur sagen: „Wir wissen leider nicht, wann die Züge wieder fahren.“
Die Vertreter der Lokführergewerkschaft hatten sich, mit weißen Plastikhemden bekleidet, in der Mitte des Bahnhofs versammelt. Noch kein Reisender habe ihn beschimpft oder sich beschwert, behauptete einer von ihnen. Auch davon, dass das Landgericht Mainz den Streik verboten habe, wisse er nichts. Zum Glück gehörten Busse und U-Bahnen in Frankfurt nicht zur Deutschen Bahn, äußerte eine junge Frau. Sie werde nun einfach in den Bus steigen. Mit dem Umsteigen vieler Reisender hatte die Verkehrsgesellschaft Frankfurt gerechnet und die U-Bahn-Züge um zusätzliche Waggons verlängert. Trotzdem waren gestern viele U-Bahnen und Busse überfüllt. Die von manchen befürchteten Staus in der Innenstadt blieben nach Polizeiangaben jedoch aus.