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Ausgrabungen in Wiesbaden Wellness für römische Legionäre

19.11.2009 ·  Bevor die amerikanischen Streitkräfte ihr europäisches Hauptquartier nach Wiesbaden-Erbenheim holen, dürfen Archäologen dort graben. Denn das Gebiet war auch für das römische Heer und für die Kelten interessant.

Von Ewald Hetrodt, Wiesbaden
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Wo im Dezember der Bau von Wohnungen für die Angehörigen der amerikanischen Streitkräfte beginnt, haben vor knapp 2000 Jahren schon die Soldaten des römischen Heeres gelebt. „Die alten Römer wussten auch schon, dass Wiesbaden ein wundervoller Platz zum Leben ist“, meinte Oberst Jeffrey W. Dill, der Standortkommandant der amerikanischen Garnison, gestern Morgen. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) ließ er sich über die archäologischen Ausgrabungsarbeiten im Süden des Militärflugplatzes informieren.

Wie berichtet, wollen die Amerikaner ihr europäisches Hauptquartier von Heidelberg an den Standort im Wiesbadener Stadtteil Erbenheim verlegen. Das militärische Kommandozentrum soll 2012 fertig sein. In der unmittelbaren Nachbarschaft werden Wohnungen gebaut.

Fundamentreste eines römischen Gutshofes

„Wir hatten immer schon den Verdacht, dass diese Fläche interessant für uns sein könnte“, berichtete der hessische Landesarchäologe Egon Schallmeyer. Mit der amerikanischen Armee und der Stadt einigte er sich darauf, dass seine Leute einen 25.000 Quadratmeter großen, rechteckigen Abschnitt des insgesamt vier Quadratkilometer großen Baugeländes bis Ende April genauer in Augenschein nehmen dürfen.

Sieben bis zehn Mitarbeiter graben dort nun die Fundamentreste eines römischen Gutshofes aus. Er geht auf das zweite Jahrhundert nach Christus zurück und bestand aus drei Steingebäuden. Angesichts des Zeitdrucks wollen die Archäologen keine Winterpause einlegen. Auch auf die feuchte Witterung dieser Tage nehmen sie keine Rücksicht. Der Boden ist durchnässt, und die untersuchten Teilflächen müssen immer wieder mit Planen abgedeckt werden, um sie vor den ergiebigen Niederschlägen zu schützen.

Spektakulär sind die bisher geborgenen Funde wie Schieferplatten und Steinziegel nicht. Der Erkenntniswert für die Wissenschaftler ist dennoch beachtlich. Denn bisher haben die hessischen Archäologen sich nur wenige römische Gutshöfe so genau anschauen können. Dass im Übrigen kleine und große Überraschungen nie ausgeschlossen sind, zeigte sich, als während des gestrigen Termins dicht unter der Oberfläche eine Münze gefunden wurde.

„Wellnessbereich der Mainzer Legionäre“

Noch bis Ende des Jahres werden die Reste der römischen Zivilisation untersucht. Danach wollen die Fachleute sich mit den ebenfalls auf dem Areal anzutreffenden Relikten einer fränkischen Siedlung aus dem frühen Mittelalter auseinandersetzen. Schließlich ist in Erbenheim noch eine dritte Epoche vertreten. Bei der Untersuchung mehrerer Straßentrassen wurde eine Keltensiedlung aus dem siebten Jahrhundert vor Christus nachgewiesen. Von den Völkern, die den Amerikanern zuvorgekommen sind, scheinen die Römer ihnen noch am nächsten zu sein.

Schallmeyer erklärte, dass das römische Heer ebenso wie die amerikanischen Streitkräfte den Standort Erbenheim in eine weltweite Logistik eingefügt hätten. Allerdings hätten die Römer ihr militärisches Hauptquartier in der Nachbarschaft bezogen. „Wiesbaden war der Wellnessbereich der Mainzer Legionäre.“

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Jahrgang 1963, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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