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Ausbildungsmesse Nur wenige wollen Putzen zum Beruf machen

05.06.2007 ·  In Wiesbaden können sich Jugendliche zur Zeit darüber informieren, welche Berufe sie ergreifen können. 150 Berufe, von A wie Altenpfleger bis Z, werden auf der Messe vorgestellt.

Von Oliver Koch
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Lena und Sonja stecken die Köpfe zusammen. Angestrengt grübeln die beiden 16 Jahre alten Schülerinnen über einem Fragebogen, der ihnen einiges abverlangt. „Wie viele Ausbildungsberufe gibt es“, liest Lena die erste Frage vor. Die richtigen Antworten müssen an den verschiedenen Ständen der Ausbildungsmesse erfragt werden, die derzeit in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen zu Gast ist. So sollen die Jugendlichen dazu animiert werden, sich mit möglichst vielen der rund 150 vorgestellten Berufe zu befassen, die von A wie Altenpfleger bis Z wie Zimmerer reichen.

Dabei steht der Wunschberuf von Lena und Sonja schon fest: Sie würden gerne medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte werden, berichten sie. Die zwei Schülerinnen gehören zu den 8000 bis 10.000 Besuchern, die während der beiden Messetage erwartet werden; rund 70 Unternehmen und Institutionen beteiligen sich an der von Industrie- und Handelskammer Wiesbaden (IHK), Arbeitsagentur, Kreishandwerkerschaft und Handwerkskammer ausgerichteten Veranstaltung.

„Wer flexibel und engagiert ist, der findet hier was“

Über ihre spätere Berufswahl hat sich die 15 Jahre alte Ann-Kathrin noch keine großen Gedanken gemacht. Schließlich schränkt die Realschülerin die in Frage kommenden Berufe dann doch auf „irgendwas Kreatives“ ein. Während viele Jugendliche einer Talkrunde zum Thema Ausbildung, an der sich unter anderen Wiesbadens künftiger Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) und der Landrat des Rheingau-Taunus-Kreises, Burkhard Albers (SPD), beteiligen, nur wenig abgewinnen können, stößt das anschließende Schau-Frisieren auf große Resonanz.

„Friseurin ist bei den Mädchen immer noch ein heißgeliebter Beruf, genauso wie Mechatroniker bei den Jungs“, sagt Carola Voelkel, Vorsitzende der Geschäftsführung in der Wiesbadener Arbeitsagentur. Dagegen suchten etwa das Gebäudereinigungsgewerbe oder „Grünberufe“ wie Gärtner oder Forstwirte händeringend nach Nachwuchs. Dabei böten sich auch hier vielfältige Möglichkeiten, so Voelkel. Die Chancen auf einen Ausbildungsplatz im Raum Wiesbaden stehen in ihren Augen gut.

„Wer flexibel und engagiert ist, der findet hier was, wenn auch vielleicht nicht den Traumberuf.“ IHK-Präsident Gerd Eckelmann spricht von 200 freien Ausbildungsplätzen, die ihm seine Betriebe vor der Messe gemeldet hätten. Vor diesem Hintergrund sei es verwunderlich, dass „alljährlich Horrorszenarien kursieren, die ein Lehrstellendesaster heraufbeschwören“.

Interessiert am Beruf des Elektronikers

Am Stand der Gebäudereiniger hat sich gerade der 15 Jahre alte Eugen an einer Reinigungsmaschine versucht. Eine Ausbildung in diesem Beruf könne er sich aber nicht vorstellen. „Putzen kann man auch zu Hause“, sagt er und berichtet, dass er nur am Beruf des Elektronikers interessiert sei. „Das ist leider eine typische Reaktion“, äußert Guido Hahn vom Landesverband der Gebäudereiniger und beklagt die geringere Bereitschaft der Jugendlichen, sich zu informieren.

Seine Berufswahl hat der 23 Jahre alte Sebastian Wick noch nicht bereut. Anfangs sei er skeptisch gewesen, aber die Gebäudereinigung habe sich als vielfältige und anspruchsvolle Tätigkeit entpuppt, so Wick, der kurz vor der Prüfung steht. Dass viele Schüler nur an einer Handvoll Berufen interessiert seien, bestätigt auch Liesel Weiß, die zusammen mit Berufsschülern aus Taunusstein angereist ist. „Ziel ist, dass die Schüler hier ihr Gesichtsfeld erweitern“, so die Lehrerin.

Die Ausbildungsmesse ist noch am Mittwoch von 9 bis 14 geöffnet.

Quelle: F.A.Z.
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