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Atomkraftwerk Biblis B könnte „Reserve-Meiler“ werden

30.05.2011 ·  Der Ausstieg aus dem Atomzeitalter ist nach dem Regierungsbeschluss in trockenen Tüchern. Nur in Biblis herrscht nach wie vor Unsicherheit. Denn während der eine Block definitiv nicht mehr hochgefahren wird, könnte der andere zum „Reserve-Meiler“ werden.

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Die Kehrtwende in der Atompolitik ist ebenso beschlossene Sache wie das Aus für die ältesten deutschen Meiler, darunter Biblis A. Unklar bleibt dagegen auch nach dem Beschluss der Berliner Regierungskoalition, ob der derzeit heruntergefahrene Block Biblis B abermals ans Netz geht. Denn Biblis oder Philippsburg I bei Karlsruhe soll bis 2013 in einer Art „Stand By“-Funktion gehalten werden, um bei Stromengpässen reagieren zu können. Entscheiden muss dies letztlich die Bundesnetzagentur. Die hessische SPD warnte am Montag bereits vor einem Scheitern des Energiegipfels, sollte Biblis B wieder hochgefahren werden.

Der andere südhessische Block, Biblis A, gehört zu den sieben ältesten Atomkraftwerken und wird ebenso stillgelegt wie das AKW Krümmel. Die Alt-Atomkraftwerke waren Mitte März nach der Katastrophe von Fukushima aus Sicherheitsgründen mit dem Atom-Moratorium abgeschaltet worden.
SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel sieht die Glaubwürdigkeit der hessischen CDU infrage gestellt, sollte der Atomreaktor Biblis B wieder ans Netz gehen.

In „Stand By“-Funktion gehalten

„Offensichtlich ist Schwarz-Gelb keine Begründung zu fadenscheinig, um an der Atomenergie festzuhalten“, sagte er der Nachrichtenagentur dpa in Wiesbaden. Sollte Biblis B tatsächlich bis zum Jahr 2013 in „Stand By“-Funktion gehalten werden, wie es derzeit diskutiert werde, sei dies eine „ernste Belastungsprobe“ für die Konsensgespräche über eine Energiewende in Hessen.

Die Bundesnetzagentur hatte errechnet, dass gerade im Süden Deutschlands im Winter bei zu wenig Solar- und Importstrom bis zu 2000 Megawatt fehlen könnten. Die hessischen Linken fordern daher einen Ausbau der alternativen Energien. „Auf die Befürchtungen ... gibt es eine klare Antwort: Erneuerbare Energien und besonders Windkraft im Süden ausbauen!“, sagte die Linken-Fraktionsvorsitzende Janine Wissler. Biblis B als Reservemeiler zu betrachten, zeuge mehr von Risikobereitschaft und Demut vor den Konzernen als von dem klaren Willen, endlich auszusteigen.

Definitiv stillgelegt werden neben Biblis A auch Isar I, Neckarwestheim I, Brunsbüttel, Unterweser und Krümmel. Reststrommengenübertragungen von alten auf neue Meiler sollen weiter möglich sein. Zum Zeitpunkt für die Entscheidung über den „Reserve-Meiler“ machte die Bundesnetzagentur auf Anfrage zunächst keine Angaben.

Kommission: Bis spätestens 2021 aussteigen

Der Berliner Regierungsplan für einen Ausstieg bis 2021/2022 liegt auf der Linie der Empfehlung der Ethikkommission zur Atomenergie, die nach dem GAU von Fukushima von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingesetzt worden war. Die Kommissionsvorsitzenden, der frühere Umweltminister Klaus Töpfer und der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft Matthias Kleiner, übergaben am Morgen der Kanzlerin ihren Abschlussbericht. Die Kommission empfiehlt einen Atomausstieg bis spätestens 2021.

Block A war 1974 ans Netz gegangen, er ist heute der älteste kommerziell genutzte deutsche Meiler. 1976 folgte Block B. Nach dem Atom-Kompromiss der Bundesregierung hätten die Reaktoren je nach Auslastung noch bis zum Jahr 2020 laufen können. Die beiden Druckwasser-Reaktoren haben nach Angaben der Betreiberin RWE AG eine Leistung von zusammen 2500 Megawatt, in den Blöcken sind jeweils 193 Brennstäbe in Gebrauch.

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