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Atomkraft Wird Biblis A im Jahr 2008 abgeschaltet?

10.08.2006 ·  Ungeachtet der Diskussion über den Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark will der Stromkonzern RWE längere Laufzeiten für den ältesten deutschen Meiler Biblis A erreichen.

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Ungeachtet der Diskussion über den Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark will der Stromkonzern RWE längere Laufzeiten für den ältesten deutschen Meiler Biblis A erreichen. Dazu sei ein Antrag zur Übertragung von Strommengen auf Biblis A geplant, kündigte RWE-Vorstandschef Harry Roels gestern in Essen an. Auch das hessische Umweltministerium spricht sich für längere Laufzeiten aus. Nach einer Einschätzung des Bundesamtes für Strahlenschutz soll Biblis A im Jahr 2008 abgeschaltet werden.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hatte am Mittwoch die Bundesländer zu weiteren Sicherheitsüberprüfungen an ihren Kernkraftwerken aufgefordert und den Betreibern alter Kraftwerke ein vorgezogenes Abschalten empfohlen, um die Sicherheit zu verbessern.

Dies bezeichnete der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) als „nicht sinnvoll“. Hessen heiße ein Mehr an Laufzeit gut, wenn es mit noch mehr Sicherheit verbunden werde. Ein Sprecher des Betreibers RWE bezeichnete Biblis A als eine „nachgerüstete, optimierte Anlage mit einem Top-Sicherheitsstandard“. Mit dem Antrag will der Konzern die Erlaubnis zum Übertragen von Strommengen erreichen, um das Werk länger nutzen zu können.

RWE will Antrag auf Verlängerung stellen

Die rot-grüne Bundesregierung hatte 2000 mit den vier größten Energieunternehmen Deutschlands den Atomausstieg beschlossen, nach dem alle Atomkraftwerke nach und nach abgeschaltet werden sollen. Für jedes der 17 Kernkraftwerke wurden je nach Alter eine Restlaufzeit als Menge des noch zu produzierenden Atomstroms errechnet. Ist diese Strommenge verbraucht, wird der Meiler abgeschaltet. Ein älteres Atomkraftwerk kann seine Reststrommenge problemlos auf ein jüngeres übertragen. Sollen von einem jüngeren Werk Strommengen auf ein älteres übertragen werden, bedarf es der Genehmigung des Bundesumweltministeriums. Im Fall von Biblis A will RWE den entsprechenden Antrag noch in diesem Sommer einreichen.

Die Grünen in Hessen wehren sich gegen den Antrag von RWE und werfen dem Konzern rein wirtschaftliche Interessen vor. RWE wolle mit der Stromübertragung das Werk in die nächste Legislaturperiode retten, in der Hoffnung, daß eine mögliche CDU-Bundesregierung den Atomausstieg wieder rückgängig macht. Außerdem sei der Zeitpunkt für die Ankündigung des Antrages denkbar schlecht gewählt, meinen die Grünen. Wenige Tage nach dem gravierenden Störfall im schwedischen Atomkraftwerk Forsmark und vor dem Hintergrund der noch anstehenden detaillierten Prüfungen deutscher Atomkraftwerke könne diese Ankündigung „nur als Provokation verstanden werden“, sagte der Landtagsabgeordnete Frank Kaufmann.

Die hessische FDP griff dagegen den Bundesumweltminister scharf an und warf ihm vor, mit unbegründeten Attacken gegen Biblis dem Bundesland Hessen Schaden zuzufügen.

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