Home
http://www.faz.net/-gzl-70765
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Aschaffenburg Versteckte Motive im Visier

 ·  Jugendliche fotografieren ihre Heimatstadt. Die Ausstellung „Augenblicke“ zeigt nun das erstaunliche Ergebnis ihrer Motivsuche. Ein weiterer Erfolg für das Projekt „soziale Stadt Aschaffenburg“, das sich vor allem um junge Arbeitslose kümmert.

Artikel Bilder (25) Lesermeinungen (0)
© GobalSozial e.V. Aschaffenburg

Jan Faidi hat es eine Götterstatue im Nilkheimer Park besonders angetan. Als er den steinernen Riesen beim Streifzug durch den Nilkheimer Park entdeckte, drückte der 19-Jährige auf den Auslöser seiner Handykamera. Marcel Becker war mit seiner Gruppe nachts in der Stadt unterwegs. Seine Motive: Schloss Johannisburg, die Ebertbrücke und das Restaurant Schönbusch im Lichterglanz. 22 Jugendliche haben in den vergangenen sechs Monaten ihre Heimatstadt fotografiert, einige Fotos sind bis zum 22. Juni in der Ausstellung „Augenblicke“ in der Kompetenzagentur Koala zu sehen.

Die Fotos sind beim Projekt-Initiative Stadtteilaufwertende Maßnahmen durch Arbeitsgelegenheiten (Prisma) entstanden. Prisma ist ein wesentlicher Bestandteil der sozialen Stadt Aschaffenburg. Das Projekt wendet sich an arbeitslose Jugendliche und junge Erwachsene, die in kein „normales“ Raster passen. Das sind zum Beispiel Schulabbrecher oder Jugendliche, denen gekündigt wurde, einige sind mit dem Gesetz in Konflikt geraten oder von Verwahrlosung bedroht.

„Globalsozial e.V.“ ausgezeichnet

Der Aschaffenburger Verein „Globalsozial“ initiierte vor sechs Jahren das Projekt mit dem Ziel, Jugendliche aus sozial instabilen Verhältnissen bei der beruflichen Eingliederung zu unterstützen und sozialpädagogisch zu begleiten.

Kooperationspartner von „Globalsozial“ sind das Jobcenter und das Jugendamt der Stadt. Wie der Verein mitteilt, konnten 2010 etwa drei Viertel der Jugendlichen in Jobs oder in eine Ausbildung vermittelt werden. Für das Projekt wurde „Globalsozial“ mit dem Agenda21 Preis der Stadt Aschaffenburg ausgezeichnet.

Prisma bietet Jugendlichen, die woanders gescheitert sind, für neun Monate Beschäftigung und Qualifizierung. Das Zentrum für Nachbarschaftshilfe in Damm ermöglicht es ihnen, sich im Stadtteil sinnvoll für das Gemeinwesen zu engagieren. Die Jugendlichen betreiben unter anderem eine Fahrradwerkstatt, bauen und verleihen große Spielgeräte, trainieren Schulmannschaften, pflegen Streuobstwiesen, helfen bei Besorgungen und auch bei Gemeinde- oder Straßenfesten.

Mit der Fotoausstellung, die nach und nach an verschiedenen Orten in der Stadt gezeigt werden soll, präsentiert sich Prisma auch außerhalb des Stadtteils Damm der Öffentlichkeit. Die Bilder werden verkauft, der Erlös kommt der Jugendarbeit des Vereins zugute. Die Ausstellung dokumentiert auch das große Interesse der Jugendlichen am Main. Ilona Degenhardt und Manfred Kuhn vom Vorstand des Vereins „Globalsozial“, begleiteten die Jugendlichen bei ihren Foto-Touren durch die Stadt.

Dabei machten sie die Erfahrung, dass der Main für die Jugendlichen ein „ganz zentraler“ Punkt ist. Viele Fotos entstanden im Leiderer Hafen, aber auch die Mainwiesen mit dem Schloss im Hintergrund wurden häufig fotografiert. Degenhardt, die das Projekt Prisma leitet, entdeckte dabei auch „versteckte“ Motive, wie etwa die Graffiti unter der Adenauerbrücke. Da das Mainufer den Jugendlichen besonders wichtig ist, werden sie sich auch am Pilotprojekt des Bundes „Bürgerbeteiligung Mainufergestaltung“ mit eigenen Vorschlägen beteiligen. Degenhardt wird mit ihnen demnächst zur Vorbereitung die Dauerausstellung am Mainufer besuchen.

Die Ausstellung im Koala, Goldbacher Straße (Schöntalpassage), ist bis 22. Juni täglich von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere Informationen gibt es unter www.globalsozial.de

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Zwischen Zuckeln und Rasen

Von Mechthild Harting

Der FDP-Verkehrsminister Florian Rentsch will kein Tempo-30-Limit nachts auf Frankfurter Hauptverkehrsstraßen. Das ist nun offensichtlich und nicht per se verwerflich. Seine Begründung hingegen klingt kurios. Mehr 3 3