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Aschaffenburg Tempolimit soll Lärm an Verkehrsachsen mindern

 ·  Die Aschaffenburger Stadträte votieren für Tempo 30 in der Würzburger Straße und der Schillerstraße. Auf diesen wichtigen Durchfahrtsstraßen sollen sich Kraftfahrer nicht nur nachts an diese Vorgabe halten, sondern auch tagsüber.

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Mit einem Tempolimit auf zwei wichtigen Durchfahrtsstraßen mit einer hohen Einwohnerdichte will die Stadt Aschaffenburg den Verkehrslärm reduzieren. Der Lärmaktionsplan, den der Umwelt- und Verwaltungssenat am Mittwoch einstimmig beschloss, sieht für Teile der Schillerstraße und der Würzburger Straße eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer in der Stunde nicht nur nachts, sondern auch am Tag vor.

Weitere Vorschläge zur Lärmminderung, die in den nächsten fünf Jahren verwirklicht werden sollen, betreffen den Einbau von sogenanntem Flüsterasphalt, die Einführung eines Lastwagen-Routenkonzepts, intensivere Verkehrskontrollen sowie als letzte Möglichkeit den passiven Schallschutz. Der Lärmaktionsplan liegt vom 26. Juli an im Umweltamt aus. Bis 10. September können Bürger und Verbände Stellung nehmen.

Lärmschutzvorgabe der EU

Die ebenfalls hochbelastete Hanauer Straße, die vom Westen vierspurig in die Stadt führt, wurde von der Geschwindigkeitsbeschränkung ausgenommen. Dort soll Tempo 30 erst dann gelten, wenn eine Anbindung an die Bahnparallele besteht. Dies wird nach Angaben von Dietmar Schlett vom Umweltamt erst im Jahr 2018 der Fall sein. Hintergrund des Plans ist eine Lärmschutzvorgabe der EU aus dem Jahr 2002, die die Länder und Kommunen dazu verpflichtete, die Lärmbelastung zu erfassen und in problematischen Fällen zu handeln. Aschaffenburg bediente sich dabei der Hilfe des Ingenieurbüros für Schall- und Schwingungstechnik Accon GmbH in Augsburg.

Einbezogen in die Untersuchung wurden nicht nur Bundes- und Staatsstraßen mit mehr als sechs Millionen Fahrzeugen pro Jahr (entspricht etwa 16.400 Autos am Tag), sondern auf Antrag der Stadträte auch kommunale Hauptverkehrsstraßen. Dies sind in Aschaffenburg die Schillerstraße, die Löherstraße, die Adenauer- und die Willigisbrücke, der Südring sowie ein Abschnitt der Schweinheimer Straße. Aufgenommen wurden Straßenabschnitte, in denen mindestens 50 Personen einem Lärm von mehr als 70 Dezibel (gemessen über 24 Stunden) oder mehr als 60 Dezibel in der Nacht ausgesetzt waren.

1000 Menschen leiden unter Lärm

Als „Hot-Spots“, so Damaris Krines von Accon, erwiesen sich die Hanauer und die Würzburger Straße sowie die Schillerstraße. Mehr als 1000 Menschen haben dort unter sehr hohen Lärmbelastungen (also mehr als 70 Dezibel) zu leiden. Legt man einen niedrigeren Wert, 55 Dezibel, zugrunde, erhöht sich die Zahl der Betroffenen auf 5000.

Krines zufolge reduziert sich der Lärm durch die geplante Geschwindigkeitsbegrenzung um 2,5 Dezibel. Das bedeutet, dass in der Schillerstraße, wo bis zu 75 Dezibel gemessen werden, durch Tempo 30 lediglich für elf Prozent der Anwohner die Belastung auf weniger als 70 Dezibel sinkt. Dagegen würde der Einbau von Flüsterasphalt die Lärmbelastung drastisch senken. Anders sieht es in der Würzburger Straße aus, wo nicht so hohe Lärmwerte vorliegen. Dort würden 87 Prozent der Bewohner von einer Temporeduzierung profitieren.

Mehrkosten durch „Flüsterasphalt“

Die Mehrbelastung für das Aufbringen des Flüsterasphalts beläuft sich nach Angaben Krines‘ auf einen Euro pro Quadratmeter. Er soll jedoch erst dann eingebracht werden, wenn ohnehin eine Straßensanierung ansteht, sagte sie. Eine deutliche Minderung des Verkehrslärms erhofft sich die Stadt von der Fertigstellung der Ringstraße (voraussichtlich 2011) und dem Bau der Bahnparallele, die für die Hälfte der betroffenen Bürger eine Entlastung bringen soll.

Der SPD-Stadtrat Theo Bubenzer nannte den Lärmaktionsplan ein „schwieriges Thema“. Zu den geplanten Tempo-30-Zonen meinte er, die Einführung bedeute einen langwierigen Umerziehungsprozess. Unter Hinweis auf die bestehende Geschwindigkeitsbegrenzung in einigen Innenstadtstraßen, in denen nach wie vor schnell gefahren werde, äußerte er Zweifel, ob Verbotsschilder ausreichen. Stefan Link (Grüne) nannte die Zahl der Bürger, die vom Verkehrlärm belastet sind, erschreckend. Er kritisierte, dass es keine Vorschläge gebe, die Autos aus der Stadt herauszuhalten, den Verkehr zu beruhigen oder das Bus- und Radfahren attraktiver zu machen. Er musste sich daraufhin von Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD) vorhalten lassen, selbst mit dem Auto zur Ausschusssitzung gekommen zu sein. Link wies diese Bemerkung, die sein persönliches Verhalten betreffe, als „unüblich im Stadtrat“ zurück. Johannes Büttner (KI) monierte, dass die Belastungen durch die Eisenbahn, die mitten durch die Stadt führt, und die Flugzeuge nicht in dem Plan erfasst worden seien.

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Jahrgang 1956, freie Autorin für die Rhein-Main-Zeitung in Aschaffenburg.

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