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Aschaffenburg Sonnenuhr vor der Vollendung

11.09.2006 ·  Auf dem Theaterplatz in Aschaffenburg entsteht eine der größten Sonnenuhren Deutschlands. Der gesamte Platz wird jetzt mit einem Netz von Linien für Monate, Stunden und Minuten überzogen.

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Am Montag morgen um 10 Uhr hat Yves Opizzo auf dem Aschaffenburger Theaterplatz die für den „Gnomon“ vorgesehene Stelle markiert. Dort, wo der Zeigerstab der geplanten Sonnenuhr errichtet werden sollte, machte er ein schwarzes Kreuz. Zwei Stunden später wies Norbert Roth, der Vermesser beim Stadtplanungsamt, darauf hin, daß auch er schon vor einiger Zeit einen Standpunkt für den Gnomon errechnet und mit gelber Farbe markiert habe. Dieser lag allerdings 25 Zentimeter von dem schwarzen Kreuz entfernt.

Der dem Laien beachtlich erscheinende Unterschied habe in Wirklichkeit „nicht die kleinste Bedeutung“, erklärte Opizzo. Er muß es wissen, denn er ist ein international führender Gnomonist, Experte also für die Zeiger von Sonnenuhren. Mit der Astrophysik ist der Franzose ebenso vertraut wie mit den einschlägigen Feinheiten der Informatik.

Platzgestaltung im öffentlichen Raum

Ein Kran des städtischen Tiefbauamtes beförderte den knapp eine Tonne wiegenden, schlanken Kegel aus Edelmetall an den schließlich für ihn vorgesehenen Platz. Damit ging die jahrelang geplante Errichtung einer der größten Sonnenuhren Deutschlands in ihre letzte Phase. In den nächsten zwei Monaten wird der Bildhauer Christian Tobin aus Dießen-Riederau am Ammersee mit einem Mitarbeiter das Werk in Aschaffenburg vollenden.

Tobin und Opizzo lernten sich gegen Ende der neunziger Jahre bei Arbeiten an einer Großsonnenuhr vor der Technischen Universität in Kapstadt kennen. Gemeinsam planten und verwirklichten sie in den Jahren 1997 und 1998 die Sonnenuhrenabteilung des Deutschen Museums in München. Der Reichtum an ästhetischen und funktionellen Varianten mache Sonnenuhren als Gestaltungselement in jeder Größe interessant - bis hin zur Platzgestaltung im öffentlichen Raum, erklärt Tobin. So hat er nach eigenem Bekunden beispielsweise 1999 die Großsonnenuhr vor dem Deutschen Uhrenmuseum in Furtwangen geschaffen.

In dieser Woche will er mit Opizzo zunächst nur Koordinaten vermessen. Anhand jüngster wissenschaftlicher Erkenntnisse, der computergestützten Übertragung der Koordinaten auf die Zifferblätter und durch die Verwendung dauerhafter und witterungsfester Materialien könne eine bisher nicht dagewesene Präzision in der Größenordnung von wenigen Sekunden erreicht werden, erklärt Tobin.

Sonnenuhr zeigt tagsüber die „wahre Ortszeit“

Zu diesem Zweck hat Opizzo provisorisch einen Theodolit, ein feines Meßwerkzeug, auf dem mächtigen Uhrzeiger plaziert. Wenn die Berechnungen beendet sind, wird eine runde Kugel aus hochpoliertem Stahl aufgesetzt. Mit einem Durchmesser von 35 Zentimetern wirft sie später den Schatten, der die Zeit anzeigt. Er wird als Ellipse auf dem hellen Granitbelag erscheinen und ist im Sommer größer und im Winter kleiner als das Original. Unterhalb der Kugel befindet sich ein kleines Fenster aus Acryl. Dahinter wird ein computergesteuerter Lichtstrahl erzeugt, der nachts die mitteleuropäische Zeit anzeigt. Insgesamt wird der Gnomon eine Länge von ungefähr sechseinhalb Metern aufweisen.

Um an dem Schatten die Zeit ablesen zu können, muß der größte Teil des Theaterplatzes jetzt mit einem Netz von unterschiedlich breiten Linien für Monate, Stunden und Minuten überzogen werden, das bestückt ist mit Punkten, römischen Ziffern und Tierkreiszeichen. Dies ist eine Heidenarbeit: Zunächst muß Tobin nach exakten Plänen für die Strahlen und Kurven des riesigen Zifferblattes zahllose Nuten in den Granitbelag fräsen, in die er anschließend Gabbro einlegt, ein schwarzes, poliertes Gestein vulkanischen Ursprungs, das als besonders haltbar gilt und sich von dem Platz optisch erkennbar deutlich abhebt. Die Sonnenuhr wird tagsüber nicht die mitteleuropäische, sondern die „wahre Ortszeit“ anzeigen. Der beste Blick bietet sich von der Galerie der Stadtloggia an der Dalbergstraße aus.

Die Kosten für das Zifferblatt, den Gnomon und die Beleuchtung liegen insgesamt bei mehr als 200.000 Euro.

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