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Aschaffenburg Lange Schlangen vor dem Kaufhaus für Arme

12.10.2007 ·  Im „Kaufhaus Grenzenlos“ am Aschaffenburger Bahnhof können arme Menschen günstig einkaufen. Doch dafür müssen sie bei Wind und Wetter lange anstehen. Jetzt wird der Laden Teil eines Modellvorhabens - und bekommt wesentlich mehr Platz.

Von Ewald Hetrodt
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In der Mittagszeit bildet sich an der Kleberstraße im Aschaffenburger Bahnhofsviertel fast an jedem Werktag eine Schlange. Regelmäßig muss man bis zu 50 Meter anstehen. Um 13 Uhr öffnet das Kaufhaus „Grenzenlos“ und verkauft Lebensmittel für nur 30 Cent und preisgünstige Kleidung. Doch auch wenn sich das Warten lohnt, wird das Anstehen bei Wind und Wetter von vielen Menschen als entwürdigend empfunden. Vom nächsten Frühjahr an dürften die Schlangen kürzer werden, denn das Kaufhaus für Arme zieht um. An der nahe gelegenen Kolpingstraße sind 560 Quadratmeter Platz, so dass künftig deutlich mehr Leute gleichzeitig einkaufen können.

Von den etwa 20 sogenannten Tafeln im Rhein-Main-Gebiet unterscheidet sich das „Kaufhaus Grenzenlos“ vor allem dadurch, dass die Waren nicht kostenlos abgegeben werden. Dadurch soll einerseits der Charakter des Verteilens von Almosen vermieden werden. Andererseits gibt es dafür auch einen sehr praktischen Grund: „Als die Lebensmittel noch nichts kosteten, konnten wir einen großen Teil abends am Bahnhof wieder einsammeln“, erzählt der Vereinsvorsitzende Harry Kimmich. Die Leute hätten viel mehr Ware weggeschleppt als sie benötigten, das aber erst mit einer gewissen Verzögerung selbst bemerkt.

Spenden von Bäckern und Discountern

Das Kaufhaus ist im Jahr 2001 entstanden. Heute kommen dort von montags bis freitags jeweils rund 300 Kunden. Insgesamt besitzen knapp 1400 Menschen den „Grenzenlos-Pass“. Er dient gleichsam als Eintrittskarte, indem er die Bedürftigkeit nachweist.

Die Sozialberaterin Marion Forche hebt hervor, dass die Lebensmittel allesamt einwandfrei seien. Nur die Verpackungen wiesen manchmal Schäden auf. Insgesamt zehn fest Angestellte kümmerten sich darum, dass die Produkte mit zwei Kühlwagen und zwei weiteren Fahrzeugen von den Spendern abgeholt würden. Dabei handele es sich sowohl um alteingesessene Bäckereien als auch um große Discounter wie Lidl, Rewe, Aldi, Plus und Norma.

Weil es gegenwärtig keine Lagerflächen gibt, muss die morgens angelieferte Ware nachmittags unters Volk gebracht werden. So erklärt sich, dass für 30 Cent manchmal nur fünf, manchmal aber auch zehn Teile zu haben sind. Nach Forches Angaben räumen bis zu 25 Ein-Euro-Jobber die Waren in die Regale. Um den Verkauf der nicht ganz so preisgünstigen Kleidung kümmert sich das Diakonische Werk. Das neue Kaufhaus ist Teil eines Zentrums, das der Verein Grenzenlos e.V. und das Diakonische Werk als Modellvorhaben des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ für knapp 640.000 Euro errichten. Die Bezirksregierung von Unterfranken hat gerade einen Zuschuss in Höhe von rund 380.000 Euro bewilligt, die Stadt Aschaffenburg beteiligt sich mit 130.000 Euro, das Diakonische Werk zahlt 30.000 Euro. Die verbleibenden 100.000 Euro muss „Grenzenlos“ aus Spendengeldern aufbringen.

Arbeitsprojekte für sozial Benachteiligte

Im Vordergebäude des künftigen Standorts an der Kolpingstraße sind schon jetzt verschiedene soziale Einrichtungen untergebracht, die Bildungs-, Kultur- und Beratungsangebote machen. In dem rückwärtigen Bauwerk werden im Frühling das neue Kaufhaus und eine Werkstatt untergebracht.

„Im Rahmen eines globalen Handlungsansatzes“ solle auf diese Weise vor allem die Integration der ausländischen Quartiersbewohner verbessert werden, heißt es in einem Papier der Bezirksregierung. Außerdem würden Beschäftigungs- und Arbeitsprojekte für sozial Benachteiligte geschaffen. Schließlich erhöhten die „integrierten Dienstleistungen“ die Lebensqualität im ganzen Stadtteil.

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Jahrgang 1963, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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