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Aschaffenburg Einbrecher kommen, wenn die Bewohner zu Hause sind

 ·  Zwei Raubüberfälle verunsichern viele Aschaffenburger. Die Ermittler sprechen von einem neuen Phänomen. Denn die Einbrecher gehen brutal vor und scheinen sich bewusst Wohnungen auszusuchen, in denen sich der Bewohner gerade aufhält.

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Die Einbrecher kamen im Schutz der Dunkelheit. Ihr Ziel waren frei stehende, jedoch keineswegs einsam gelegene Einfamilienhäuser in Aschaffenburg. Was die beiden jüngsten Fälle so bedrohlich macht und in der Bevölkerung für Verunsicherung sorgt, ist nicht nur der Umstand, dass die bewaffneten Verbrecher brutal und kaltblütig zu Werke gingen, sondern dass sie sich nicht von der Anwesenheit der Bewohner abschrecken ließen. Im Gegenteil: Aus Sicht der Polizei hat es den Anschein, als hätten sie sich bewusst dazu entschieden, in Häuser einzudringen, in denen sich Leute aufhielten.

Ende Oktober überraschten die Täter gegen 4 Uhr in der Nacht eine aus vier Personen bestehende Familie in ihrem Haus an der Straße „Am Floßhafen“ in der Aschaffenburger Innenstadt im Schlaf, zerrten sie aus ihren Betten und bedrohten sie mit einer Pistole und einem Messer. Sie schlugen auf den Sohn und den Familienvater ein, bis dieser die Tresorschlüssel herausgab. Anschließend fesselten die mit Wollmützen maskierten Männer - es sollen drei oder vier gewesen sein - ihre Opfer. Nach einer Stunde konnte sich einer der Überfallenen befreien und die Polizei alarmieren. Die Beute war eher gering. Den Tätern, die alle deutsch mit osteuropäischem Akzent gesprochen haben sollen, fielen Schmuck und etwas mehr als 1000 Euro in die Hände. Eine Großfahndung verlief ohne Erfolg. Nach Darstellung der Polizei hatten die Einbrecher eine Türe aufgebrochen, um in die Wohnräume zu gelangen.

Mit Sturmmasken maskierte Männer

Einen Monat später traf es einen 47 Jahre alten Gastwirt und dessen neun Jahre jüngere Lebensgefährtin in ihrem Haus an der Vogelsbergstraße im Aschaffenburger Stadtteil Schweinheim. Drei mit Sturmmasken maskierte Männer drangen über eine Terrassenschiebetür gewaltsam in die Wohnung ein und bedrohte das Paar, das sich im Fernsehen einen Krimi anschaute, mit Pistole und Messer. Sie mussten Schmuck und Bargeld im Wert von mehreren tausend Euro herausgeben. Beide wurden geschlagen. Nach Medienberichten sollen die Einbrecher den Mann mit Schnaps übergossen und gedroht haben, ihn anzuzünden, wenn er nicht die Geheimnummern der Bankkarten verrate. Auch in diesem Fall fesselten die Verbrecher ihre Opfer. Vom Haupttäter ist bekannt, dass er mit osteuropäischem Akzent sprach. Dem Trio gelang die Flucht über ein Nachbargrundstück, die von einem Hubschrauber unterstützte Großfahndung brachte keinen Erfolg. Vom den drei Männern fehlt bis heute jede Spur.

Unmittelbar nach dem zweiten Überfall wurde in Aschaffenburg eine aus neun Beamten bestehende Sonderkommission „Trio“ gebildet, die vor wenigen Tagen noch um einen Mann aufgestockt wurde. Es gebe zwar zahlreiche Hinweise, aber noch keine heiße Spur. Es werde in alle Richtungen ermittelt, sagte Polizeisprecher Karl-Heinz Schmitt vom Polizeipräsidium in Würzburg.

Wartezeit beim Notruf

Für die Ermittler handelt es sich um ein neues Phänomen. „Normalerweise gehen Einbrecher in Häuser, von denen sie vermuten, dass sie leer sind“, sagte Schmitt. Ähnliche Fälle im Rhein-Main-Gebiet seien ihm nicht bekannt. In Frankfurt wurde allerdings vor wenigen Tagen eine 85 Jahre alte Frau in ihrer Wohnung in Preungesheim überfallen. Die beiden Räuber waren in der Nacht über Balkone bis in den dritten Stock geklettert und hatten ein Fenster zur Wohnung der Seniorin aufgebrochen. Sie bedrohten die Frau mit Messern und erbeuteten 250 Euro sowie Schmuck. Und Ende September hatten Unbekannte gegen 21.45 Uhr in Frankfurt-Niederrad die Tür eines 89 Jahre alten Mannes aufgehebelt, der im Wohnzimmer Fernsehen schaute. Die zwei Täter fesselten den Mann und durchwühlten das Haus. Sie sollen nicht bewaffnet gewesen sein und hochdeutsch gesprochen haben.

Die Ermittlungen der Aschaffenburger Sonderkommission konzentrieren sich auf einen dunklen Kleinwagen mit Offenbacher Kennzeichen. Einige Stunden vor dem Überfall hatten sich drei Männer in der Nähe des Tatortes nach der Vogelsbergstraße erkundigt. Nach ihnen wird intensiv gefahndet. Sollte es sich bei ihnen um die Täter handeln, ließe das darauf schließen, dass sie die Tat nicht gut geplant hatten und möglicherweise im Auftrag handelten.

Eines der Opfer beklagte später, dass sein Notruf nicht sofort angenommen worden und er in einer Warteschleife gelandet sei. Schmitt zufolge hat es 17 Sekunden gedauert, bis der Mann mit einem Polizisten sprechen konnte. Er äußert Verständnis für die Kritik: „In so einer Extremsituation erscheint einem jede Sekunde als Ewigkeit.“

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Jahrgang 1956, freie Autorin für die Rhein-Main-Zeitung in Aschaffenburg.

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