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Aschaffenburg Die Bürger haben das Wort

12.06.2007 ·  In Aschaffenburg werden die Bürger entscheiden, ob ein neuer Bahnhof gebaut oder der alte erhalten werden soll. Der Stadtrat hat ein Bürgerbegehren darüber zugelassen.

Von Agnes Schönberger
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Am 29. Juli werden die Aschaffenburger darüber entscheiden können, ob der Vorplatz und die denkmalgeschützten Gebäude des Hauptbahnhofs erhalten werden sollen oder ob der gesamte Komplex abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden soll.

Die Stadträte erklärten in ihrer Sitzung am Montag bei nur einer Gegenstimme aus den Reihen der CSU das Bürgerbegehren „Rettet den Hauptbahnhof“ für zulässig, nachdem die Initiative die noch fehlenden mehr als 1000 Unterschriften kurz vor Ablauf der Frist eingereicht hatte. Gleichzeitig sprach sich eine Mehrheit aus CSU, SPD und UBV für ein Stadtratsbegehren aus, „da es zu einer Demokratie gehört, den Wählern eine Alternative bieten zu können“, so Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD).

Ratsbegehren für einen modernen Hauptbahnhof

Verbunden mit der Abstimmung über das Ratsbegehren war eine „Willensbekundung“ des Stadtrats zugunsten eines Neubaus mit Parkhaus, Einzelhandel, Büros, Praxen und bahnspezifischen Flächen durch den Investor Ferdinand Fäth, der in das Projekt 20 Millionen Euro investieren möchte. Gegen diese Beschlussvorlage votierten die Grünen, die KI sowie Rainer Glaab und Wolfgang Giegerich (beide SPD) und Karl-Heinz Burger (CSU). Das Ratsbegehren wirbt dafür, den alten durch einen „modernen und attraktiven Hauptbahnhof“ zu ersetzen, der gemeinsam mit dem Regionalen Omnibusbahnhof (ROB) zu einer „optimalen Drehscheibe“ für Bahn und Busse sowie Radfahrer und Fußgänger werden solle.

Stadtrat Johannes Büttner (KI), einer der Initiatoren des Bürgerbegehrens, begrüßte das Ratsbegehren. „Denn jedes Mal, wenn uns in Aschaffenburg ein solches entgegengesetzt wurde, haben wir gewonnen.“ Nicht durchsetzen konnte er sich mit seinem Wunsch nach einer Verschiebung des Abstimmungstermins auf die Zeit nach den bayerischen Sommerferien, da am 29. Juli möglicherweise schon viele Menschen auf dem Weg in den Urlaub seien.

Die Entscheidung vom Montag ist der vorläufige Endpunkt einer Debatte über die Zukunft des Hauptbahnhofs, die die Aschaffenburger seit einem Jahr beschäftigt hatte. Im Mai 2006 waren die Pläne des Investors Ferdinand Fäth (Aschaffenburg) bekanntgeworden, der die vorhandenen Bahngebäude abreißen lassen und an ihrer Stelle auf 180 Meter Länge einen kompletten Neubau errichten wollte. Die Stadträte hatten damals weniger an dem Abriss auszusetzen gehabt als an der Tatsache, dass sie über die laufenden Verhandlungen nicht informiert worden waren. Lediglich Johannes Büttner (KI) hatte sich von Anfang an für den Erhalt des aus den fünfziger Jahren stammenden Bahnhofsgebäudes ausgesprochen, da es eng mit der Geschichte der Stadt verbunden sei.

Wähler entscheiden am 29. Juli

Herzog dagegen hatte den Bahnhof in einer Bürgerversammlung als „Skandal“ und „unzumutbar“ charakterisiert und gemeint, die Stadt habe so einen Bau „nicht verdient“. Später äußerte sich der Oberbürgermeister zurückhaltender. Im August 2006 kam schließlich heraus, dass das Landesamt für Denkmalpflege den Aschaffenburger Hauptbahnhof mit seiner Eingangshalle aus „geschichtlichen, künstlerischen und städtebaulichen Gründen“ als Baudenkmal eingestuft hatte. Während sich die Politik mehrheitlich diesem Urteil nicht anschloss, bewegte die Frage Erhalt oder Nichterhalt jedoch die Bevölkerung. Ausnahmsweise waren sich Gewerkschaft und Industrie- und Handelskammer (IHK) einig. Beide plädierten für einen Neubau, der den Hauptbahnhof zu einer „ersten Adresse der Bahn im Rhein-Main-Gebiet“ machen sollte.

Die IHK vertrat zudem die Auffassung, mit dem Projekt würde ein „städtebaulicher Misstand“ behoben und das lange vernachlässigte Bahnhofsviertel deutlich aufgewertet. Seit Ende vergangenen Jahres kämpfte eine Bürgerinitiative um den Stadtrat Büttner für den Erhalt des Bahnhofs. Dabei kam es zu der ungewöhnlichen Koalition von Einzelhändlern in der Innenstadt, die sich durch die Verkaufsflächen in dem neuen Bahnhof bedroht sahen, und dem früheren PDS-Mitglied. Buchstäblich in letzter Minute gelang es der Initiative, die notwendigen, knapp 3000 Unterschriften am Montagmittag vorzulegen.

Ungeachtet der politischen Auseinandersetzungen um den Neubau des Empfangsgebäudes hat die Bahn in den vergangenen Jahren mehr als zehn Millionen Euro in die Sanierung der ICE-Bahnsteige und eine neue Unterführung investiert. Erst vor wenigen Tagen wurden diese offiziell in Betrieb genommen und weitere Arbeiten an den Bahnsteigen für den Nahverkehr für 2,4 Millionen Euro angekündigt. Ob der Hauptbahnhof schon 2010 „in völlig neuer Blüte dastehen wird“, wie es ein Bahnsprecher formulierte, steht in den Sternen. Sollten die Wähler am 29. Juli einem Abriss eine Absage erteilen, dürfte dies zumindest in zeitlicher Hinsicht einen Rückschlag für den Investor wie auch die Pläne der meisten Kommunalpolitiker bedeuten.

Der geplante Bahnhofs-Neubau an der Ludwigstraße hat eine Länge von 180 Metern. Er gliedert sich in drei Teile: das im Westen gelegene Parkhaus, das 349 Stellplätze bietet; im Osten soll ein Gebäude mit Büros, Praxen und Ladengeschäften entstehen. Im Mittelteil befindet sich die Bahnhofshalle, die mit 839 Quadratmetern 300 Quadratmeter größer als die bestehende ist. Das Reisezentrum hat eine Größe von 167 Quadratmetern, für die Bahnhofsmission stehen 44 Quadratmeter zur Verfügung.

Die Einzelhandelsflächen summieren sich auf 2100 Quadratmeter, Büros und Praxen auf 3600 Quadratmeter. Es sind vier gastronomische Betriebe sowie ein Internet-Café vorgesehen. Im rückwärtigen Teil des Bahnhofs ist Platz zum Abstellen von insgesamt 324 Fahrrädern sowie für eine Fahrradwerkstatt. Die Zufahrt zum Parkhaus erfolgt in Höhe der Frohsinnstraße und die Ausfahrt im Westen in Höhe der Duccastraße. In dem neuen Parkhaus gibt es 30 Stellplätze für Motorräder und 150 Stellplätze, auf denen Autofahrer gebührenfrei parken können.

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Jahrgang 1956, freie Autorin für die Rhein-Main-Zeitung in Aschaffenburg.

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