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Montag, 13. Februar 2012
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Archäologie Von der zweiten Ewigkeit des Baumbewohners

11.07.2004 ·  Von keinem der drei bedeutenden Funde aus der Grube Messel wissen die Fachleute des Senckenberg-Instituts ganz genau, was sich aus den Schichten des Ölschiefers herauspräparieren lassen wird. Daß die Platten Besonderes bergen, hingegen schon.

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Von keinem der drei bedeutenden Funde aus der Grube Messel wissen die Fachleute des in Frankfurt ansässigen Forschungsinstitutes Senckenberg schon ganz genau, was sich aus den fragilen Schichten des Ölschiefers herauspräparieren lassen wird: Daß die Platten Besonderes bergen, hingegen schon: Eine mit 30 bis 40Zentimetern Länge recht stattliche Echse, die sogar noch Hautschüppchen aufweist, ein bis auf die Füße komplett erhaltener Raubvogel und ein Säugetier sind bei den jüngsten Grabungen gefunden worden. Der Rest ist - noch - Vermutung. Gerade bei den Vögeln, so Stephan Schaal, der Leiter der Abteilung Messelforschung des Institutes, gebe es immer wieder Überraschungen. Seit zwei Monaten wird in der Grube wieder nach Fossilien gegraben, außerdem werden Bohrungen unternommen, um die geophysikalischen Besonderheiten des Areals näher zu bestimmen. Heute beginnt das Team um Franz-Jürgen Harms mit einer zweiten Bohrung, die vielleicht das Alter der Grube noch genauer bestimmen hilft: In den vergangenen Jahren hatte man sie aufgrund von Basaltfunden schon von 49Millionen Jahren auf 47Millionen Jahre "verjüngt".

Schaal zeigte am Sonntag vor einigen Besuchern die neuen Funde und erläuterte, wie mit den äußerst fragilen Überbleibseln aus dem Sediment des Maarsees umgegangen wird. Den "Morgenspaziergang", an dem unter anderen einheimische Messelfreunde und Institutsangehörige teilnahmen, unternahmen der Staatssekretär im hessischen Kunstministerium, Joachim-Felix Leonhard, und der Direktor des Instituts und des Senckenberg-Museums Frankfurt, Fritz Steininger.

Knapp eine Woche nachdem der Naturpark Bergstraße-Odenwald, der auch das Weltnaturerbe Grube Messel einschließt, zum Unesco-Geopark ernannt worden ist (F.A.Z. vom 8.Juli), machte sich Leonhard ein Bild von den jüngsten Forschungen. Dabei konnte auch er sich davon überzeugen, daß etwa die Ausschilderung der Grube noch nicht ausreicht, um auch ortsunkundige Interessierte nach Messel zu führen. Dies zählte Leonhard zu den "Schwachstellen, an denen wir arbeiten werden".

Der Naturpark solle mehr in das Bewußtsein der Besucher gerückt werden, vom Weltkulturerbe Kloster Lorsch solle auf die Grube Messel verwiesen werden und umgekehrt. Für das schon im vergangenen Oktober angekündigte Besucherzentrum soll nun im August oder September ein "Ideenwettbewerb" ausgeschrieben werden, der das Gesamtkonzept berücksichtigt. An der Grube Messel wirken das Land, das Senckenberg-Institut und die Gemeinde Messel mit. Außer Gastronomie und Toiletten wünscht sich Leonhard in dem 900Quadratmeter großen Zentrum eine "moderne Museumspädagogik". 2007 soll das Zentrum entstehen.

Im Mittelpunkt jedoch standen die Funde, die in der derzeit laufenden Grabungsperiode gemacht wurden. Der auch für den Laien spektakulärste, weil größte, birgt ein etwa ein Meter langes Säugetier, das die Merkmale eines Baumbewohners aufweist: Der lange Schwanz ist noch unter dem Schiefer verborgen, doch die spitzen langen Eckzähne, der Rumpf und die vorderen Extremitäten sind schon gut zu sehen. Schon die Platte selbst ist eine Besonderheit, denn der große Block konnte in einem Stück geborgen werden. Nun ruht er, in nasse Tücher und Folien verpackt, auf einem Untersuchungstisch. Der Ölschiefer enthält zwar 40Prozent Wasser, an der Luft aber verliert er Feuchtigkeit, die ihm nicht wieder zugeführt werden kann - ist er trocken, ist auch der fossile Fund unwiederbringlich verloren. Muß die Freilegung, die auch mittels einfacher Zahnbürsten unternommen wird, unterbrochen werden, wird die Platte mit Wasserschwämmchen befeuchtet und wieder möglichst luftdicht eingepackt.

Nach der Freilegung aber beginnt die zweite Ewigkeit des Baumbewohners, ebenso wie des vor kurzem gefundenen Raubvogels, der schon fast fertig präpariert ist: Die Vorderseite wird in Epoxydharz konserviert, dann kann millimeterweise auch die Kehrseite bearbeitet werden. Doch auch zarte Blätter oder nach Millionen Jahren noch hell schimmernde Flügel des Prachtkäfers wurden den Besuchern gezeigt: Sie sind in einer Glyzerinlösung aufbewahrt, in der sie in allen Einzelheiten zu erkennen sind. Dann erst widmet sich die Forschung den Präparaten, um sie genau zu untersuchen. Welche Überraschungen die nun geborgenen Naturwunder bereithalten, könnten in der Zukunft Besucher an der Grube selbst erfahren. Eva-Maria Magel

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