17.04.2007 · Große Trauer, aber auch Erleichterung herrscht an der Technischen Universität Darmstadt. Alle sechs Studenten und Nachwuchswissenschaftler haben den Amoklauf an der Technischen Universität von Virginia unversehrt überstanden.
Große Trauer, aber auch Erleichterung herrscht an der Technischen Universität Darmstadt. Alle sechs Studenten und Nachwuchswissenschaftler haben den Amoklauf an der Technischen Universität von Virginia unversehrt überstanden. „Unsere Studenten sind wohlauf“, bestätigte ein Sprecher der TU. Die Studenten und Wissenschaftler sind seit Herbst in Blacksburg und halten sich dort im Rahmen eines Austauschprogramms auf. Die Virginia Tech University ist seit 2004 Partneruniversität der Hochschule in Darmstadt.
„Unsere Studenten haben den Amoklauf nicht direkt miterlebt“, berichtet Manfred J. Hampe, Professor am Fachbereich Maschinenbau. Zu den Studenten, von denen die meisten Maschinenbau studierten, halte er ständigen Kontakt.
Die Studenten sind geschockt, aber gefasst
Der Schütze, der an der Universität mindestens 32 Menschen tötete und noch mal so viele verletzte, sei zwar in das Nachbarhaus, nicht aber in das Gebäude für Maschinenbau eingedrungen. „Die amerikanische Freundin eines unserer Studenten ist verletzt worden“, hat Hampe erfahren. Die Studenten seien geschockt, aber gefasst. Den Aufenthalt in Blacksburg wolle keiner von ihnen vorzeitig abbrechen.
In psychologischer Betreuung befinden sich dagegen zwei Studenten der Virginia Tech University, die sich derzeit an der Universität in Darmstadt aufhalten. Noch wissen sie nicht, ob Freunde betroffen sind. Die Angst sei natürlich groß, meint Hampe.
Der Professor für Maschinenbau will am Samstag im Rahmen einer länger geplanten Reise nach Virginia fliegen. „Der Kontakt zu unserer Partneruniversität ist sehr eng“, sagt Hampe. Etwa vier- bis fünfmal pro Jahr sei er in Blacksburg, um gemeinsame Projekte zu besprechen. Die Virginia Tech, die zu den besten 25 öffentlichen Universitäten Amerikas gehört, sei bislang ein „ruhiger und friedvoller Ort“ gewesen. „Es gab keine Vorfälle, die auf die Katastrophe hingedeutet hätten.“
Deutsch-Professor Jamie Bishop unter den Opfern
Mit den Kollegen an der Virginia Tech hat Hampe am Montagabend telefoniert. „Da war das Ausmaß des Amoklaufs noch gar nicht bekannt.“ Der Schock sei groß, man finde keine Worte, um das Entsetzen über die Bluttat zu beschreiben. Für große Bestürzung sorgte zudem die Nachricht, dass der Deutsch-Professor Jamie Bishop unter den Todesopfern ist. Bishop, wie auch seine Frau Stefanie Hofer, hätten eng mit den Kollegen der TU Darmstadt zusammengearbeitet, um den Austausch zwischen dem Language Department in Blacksburg und dem Fremdsprachenzentrum in Darmstadt zu fördern. Bishop hätte bald nach Darmstadt kommen sollen.
Wie der Pressesprecher der TU Darmstadt, Jörg Feuck, mitteilte, hat sich eine Delegation der TU, die auf einer Reise zu den Partneruniversitäten in den Vereinigten Staaten ist, auf den Weg zur Virginia Tech gemacht. Sie wollen die Darmstädter Studenten besuchen und ihre Hilfe anbieten. Vizepräsident Reiner Anderl teilte dem Präsidenten der Virginia Tech, Charles Steger, bereits das Mitgefühl und die Bestürzung der Kollegen in Darmstadt mit. Zudem bot Anderl der Partneruniversität in Virginia Hilfe und Unterstützung an. Auf der Etage des Uni-Präsidiums im Verwaltungsgebäude, Karolinenplatz 5, will die TU so bald wie möglich ein Kondolenzbuch auslegen.Alexandra Maus