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Alte Fasanerie Hanau Trauer um den Elchbullen Aaron

24.06.2008 ·  Im Tierpark Alte Fasanerie in Hanau musste ein ehemaliges Flaschenkind eingeschläfert werden. Es hat sich aber auch Nachwuchs eingestellt. Elchmutter Vilma hat Ende Mai Cäsar das Leben geschenkt.

Von Luise Glaser-Lotz
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Trauer und Freude im Wildpark Alte Fasanerie in Klein-Auheim: Wegen einer schweren Verletzung musste der zweijährige Elchbulle Aaron eingeschläfert werden, doch freuen können sich die Besucher über den neuen Nachwuchs, den Elchmutter Vilma Ende Mai geboren hat. Der überraschende Tod Aarons setzt eine Pechsträhne fort, die im vergangenen Jahr mit dem Tod des jungen Luchspaars Lyka und Robin sowie einer ihrer drei Töchter begonnen hatte. Außerdem wütete im Sommer die Blauzungenkrankheit im Wildpark, so dass eine der größten in einem Gehege lebenden Wisentherden in Europa von 16 auf vier Tiere dezimiert worden ist.

Aarons Tod trifft die Tierpfleger hart, weil er zu dem Elchzwillingspaar gehört, dass vom Wildparkteam vor zwei Jahren mühsam mit der Flasche aufgezogen worden war. Lange war unter großer öffentlicher Anteilnahme um das Überleben des Elchpaars Aaron und Aimee gebangt und gekämpft worden, nachdem die Mutter die beiden Frühgeburten nicht angenommen hatte. Nur den intensiven Bemühungen der Pfleger war es zu verdanken, dass die beiden Kinder überlebten und zu Publikumslieblingen im Wildpark wurden.

Wie die Wildbiologin Marion Ebel mitteilt, musste Aaron wegen eines offenen Bruchs am rechten Vorderlauf in dieser Woche eingeschläfert werden. Nachdem aufgefallen war, dass Aaron mit seinem rechten Vorderlauf nicht mehr fest auftreten konnte, ergab das Röntgen zunächst keinen Hinweis auf eine akute Verletzung des Knochens. Vorsorglich wurde der untere Vorderlauf eingegipst, und der Elch kam unter dauernder Beobachtung wieder in sein Gehege. Doch dann wurde ein offener Bruch festgestellt, der laut Ebel nicht behandelbar war. Sie geht davon aus, dass sich der Elch einen Haarriss im Knochen zugezogen hatte, der auf dem Röntgenbild nicht zu sehen war. Später sei es dann zum offenen Bruch gekommen. Wie sich Aaron die Verletzung zugezogen habe, wisse niemand.

Seit der Aufzucht lebte Aaron mit seiner Schwester Aimee in einem neuen Gehege im hinteren Teil des Wildparks, während Mutter Vilma und Vater Dino im alten Gehege geblieben sind. Dort brachte Vilma im vergangenen Jahr wieder Zwillinge zur Welt, um die sie sich diesmal selbst kümmerte. Weil es zwei Bullen waren, konnten sie weder in dem Gehege mit dem Vater bleiben noch in das mit dem großen Bruder Aaron verlegt werden. Deshalb wurden sie an einen Wildpark sowie einen Zoo abgegeben. Ein kleiner Bulle starb kurz darauf, vermutlich an einem Schock, wie Ebel sagt. Dem anderen gehe es aber prächtig in seinem neuen Zuhause.

Auch das im Mai geborene Elchkalb Cäsar gedeiht gut. Seine Mutter zieht es auf, während sich der Vater Dino abseits hält, aber im Gehege bleiben kann. Wenn Cäsar größer ist, käme er als neuer Gefährte von Aimee in Frage, die zurzeit alleine im Gehege trauert. Die Pfleger geben ihr viel Zuwendung, damit sie den Verlust besser verkraftet. Sollte sie aber zu sehr trauern, wird Ebel versuchen, sie mit Vilma, Dino und Cäsar zusammenzubringen. Sollte Dino seine Tochter decken, wäre das nach Ebels Darstellung kein genetisches Problem. Innerhalb der ersten Generation bestehe kein Risiko, allerdings müsste der Nachwuchs später abgegeben werden.

Auf neue Junge hofft man auch wieder für das Luchsgehege. Nach dem Tod von Robin und Lyca wurde den überlebenden Luchskindern Tack und Lady Marieann im November die Luchsdame Momo aus Niedersachsen zur Seite gestellt. Dank der Gesellschaft seien die Kleinen sehr viel ruhiger geworden, berichtet Ebel. Mittlerweile sind die beiden ausgewachsen. Es sei nicht ausgeschlossen, dass Tack Momo oder auch seine Schwester inzwischen gedeckt haben könnte. Sollte Lady Mariann trächtig sein, müsste auch ihr Nachwuchs aus genetischen Gründen abgegeben werden.

Der Tod der Eltern und der Schwester Tosca war, wie sich später bei der Obduktion ergab, von einem seltenen Virus ausgelöst worden, der bei den Tieren verschiedene Nierenerkrankungen verursachte. Die drei jetzigen Luchse wurden dagegen geimpft, obwohl das Mittel nur in der Hälfte der Fälle wirkt.

Noch nicht hundertprozentig sicher ist auch die Wirkung des Impfstoffs gegen die Blauzungenkrankheit, mit dem die Wisente im Mai geimpft wurden. Auf jeden Fall sind die vier verbliebenen Tiere – drei Kühe und ein Bulle – wohlauf. Im Wildpark versucht man, mit ihnen eine neue große Herde aufzubauen. Bei allen Tieren der Herde war die Krankheit ausgebrochen, die vier hatten sie aber überlebt. Unklar ist, ob die Krankheit Auswirkungen auf die Empfängnis- und Zeugungsfähigkeit hatte. Sollte sich Nachwuchs einstellen, so wird das laut Ebel in den nächsten zwei Monaten geschehen. Dann würden plötzlich ein oder mehre Kälbchen geboren, denn vorher ansehen könne man Kühen eine Schwangerschaft nicht. „Da muss man sich überraschen lassen.“

Im Bau ist noch der Spezialstall, der zur besseren Behandlung der Wisente dienen soll, falls die Blauzungenkrankheit (oder eine andere Krankheit) die Tiere wieder bedrohen sollte. Dafür werden vom Verein der Freunde und Förderer des Wildparks Alte Fasanerie weiterhin Spenden gesammelt.

Spendenkonto: „Hilfe für das Wisent", Konto 61 12 866 bei der Sparkasse Langen-Seligenstadt, BLZ 506 521 24. Informationen gibt Marion Ebel unter Telefon 0 61 81/69 06 76.

Quelle: F.A.Z.
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Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

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