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Airbus A 380 Rummel um den Riesenvogel

29.10.2005 ·  An diesem Samstag morgen ist der Airbus A 380 zum ersten Mal auf dem Frankfurter Flughafen gelandet. Zehntausende Schaulustige waren gekommen. Pech für die Flugzeug-Fans: Die Aussichtsterasse war gesperrt, und Nebel hat die Sicht beeinträchtigt.

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Es ist kurz vor neun Uhr, als am Samstagmorgen die Scheinwerfer des Super-Airbus A380 die Nebeldecke über dem Frankfurter Flughafen zur ersten Landung auf einem internationalen Verkehrsflughafen durchstoßen. Wenig später setzt die rund 500 Tonnen schwere Maschine auf der Landebahn auf vor den Augen von rund 10.000 Schaulustigen.

Dicht gedrängt stehen sie am Zaun auf dem ehemaligen amerikanischen Militärgelände im Süden des Flughafens, von dem zur Zeit der Luftbrücke 1948 die amerikanischen „Rosinenbomber“ in das von Sowjettruppen abgesperrte Berlin gestartet waren. Einige Zuschauer stehen auf mitgebrachten Leitern, andere strecken ihre Fotoapparate und Videokameras über die Köpfe des Vordermanns, um das größte Passagierflugzeug der Welt möglichst nah aufs Bild zu bekommen. Fast träge zieht die Maschine an den Menschen vorbei und kommt rund zehn Minuten später kaum noch sichtbar am rund zwei Kilometer entfernten Terminal 2 zum Stehen.

Komplette Abfertigung wird getestet

„Ich bin begeisterter Flugzeug-Fan“, sagt der 15jährige Niklas Ahman, der gegen halb vier Uhr aus den Federn gesprungen ist, um sich von Stuttgart aus mit zwei Freunden auf den Weg zum Fraport-Gelände zu machen. „Plane Spotter“ nennen sich Luftfahrtbegeisterte wie er, einmal in der Woche ziehe er mit seiner Kamera zum Stuttgarter Flughafen, um Fotos zu schießen. „Am A380 fasziniert mich vor allem die Größe“, sagt er.

„Ich hätte mehr Leute erwartet“, sagt Lutz Walter und rückt seine Videokamera neu in Position. Die Fläche auf der ehemaligen Air Base ist bei weitem nicht gefüllt, sie bietet Platz für 100.000 Menschen. Die frühe Anfahrt hat sich nach Einschätzung des 54jährigen dennoch gelohnt. „Hauptsache, ich war beim A380 dabei“, sagt er.

Bei dem eintägigen Aufenthalt in Frankfurt wird die komplette Abfertigung des neuen Riesenflugzeugs getestet werden. Dabei wird nicht nur das Ein- und Aussteigen der Passagiere erprobt, sondern auch alles andere, was auf dem Vorfeld des Airports zur schnellen Abfertigung eines Flugzeugs nötig ist. Dazu gehören unter anderem die Ver- und Entsorgung, das Be- und Entladen sowie das Enteisen. Am Sonntag morgen soll der Airbus wieder zu seinem Heimatflughafen Toulouse in Frankreich zurückkehren.

Fraport-Chef Bender: „Ein Drei-Liter-Flugzeug“

Schaulustige konnten den A380 von einem abgesperrten Gelände auf dem ehemaligen amerikanischen Militärflughafen aus beobachten, das rund 1800 Meter von der Position des Flugzeugs entfernt ist. Das Ereignis wurde auf Großleinwände übertragen. Die Fraport hatte auf dem Gelände Platz für 60.000 bis 100.000 geschaffen. Die Besucherterrasse war an diesem Tag gesperrt. Am Rollfeld verfolgten Flughafen-Chef Bender, Ministerpräsident Koch, Airbus-Chef Gustav Humber und Lufthansa-Finanzvorstand Ludwig Kley die Landung.

Der Vorstandsvorsitzende der Flughafengesellschaft Fraport, Wilhelm Bender, sagte nach der geglückten Landung: „Der A380 ist ein Glücksfall für den Frankfurter Flughafen.“ Er könne mit seiner großen Kapazität helfen, die Probleme des an seine Grenzen stoßenden Airports zu bewältigen. Die Wahl von Frankfurt für die Premiere zeige, daß Fraport „weiter ganz vorn bei den internationalen Flughäfen mithalten“ könne. Bender lobte, die Maschine sei leise und verbrauche wenig Sprit. „Es ist ein Drei-Liter-Flugzeug.“

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) sagte, die Stationierung von A380-Maschinen der Lufthansa in Frankfurt von Ende 2006 an sei „für Hessen ein nicht unerhebliches Stück Existenzsicherung“. Dies gebe eine Perspektive für neue Beschäftigung. Rund 10.000 Arbeitsplätze könnten entstehen, wenn das Flugzeug in Frankfurt im Linienverkehr lande und dort auch gewartet werde. Die Lufthansa will für den A380 eine eigene Werft bauen. Die Arbeiten dafür beginnen im kommenden Monat. Die Genehmigung für diese Wartungshalle war lange Zeit umstritten.

Triebwerksprobleme: Statt Nummer 1 kam Nummer 4

Wegen Triebwerksproblemen hatte Airbus ein anderes A380- Testflugzeug zur ersten Landung auf dem Frankfurter Flughafen geschickt als ursprünglich geplant. Bei dem vorgesehenen A380- Testflugzeug Nummer 1 sei in dieser Woche ein heißgelaufenes Triebwerk ausgetauscht worden, sagte eine Airbus-Sprecherin am Samstag. Deshalb schickte Airbus das zweite Testflugzeug mit der Nummer 4 von Toulouse nach Frankfurt.

Gegen die Landung hatte es in den vergangenen Wochen Proteste von Umweltschützern und Nachbargemeinden gegeben. Für die A380-Wartungshalle sind rund 20 Hektar Wald gerodet worden. Die Umweltschutzorganisation Robin Wood entrollte am Samstag im Terminal 2 ein Protestplakat mit der Aufschrift „Fliegen killt Klima. Stoppt Ausbau.“. Der A380 sei „eine Spritschleuder und ein Klimakiller“, kritisierte Robin Wood.

Ärger über die gesperrte Besucherterasse

Wochenlang hatten sogenannte Plane-Spotter im Internet diskutiert, wo sie die beste Sicht auf den Riesenvogel haben könnten. Plane-Spotter legen sich an Flughäfen auf die Lauer, um startende oder landende Maschinen zu fotografieren. Je ungewöhnlicher der Typ, desto besser. Der Airbus A 380 gilt unter ihnen als eine echte Herausforderung.

Die Fachleute tauschten Tips aus. Wenn die Anflugrichtung stimme, wird ein Feld zwischen Main und Eisenbahn nahe dem Chemiewerk Ticona empfohlen. Auch Plätze an der Autobahn 5 werden genannt. Das seien aber Spotter-Positionen, „die ja ohnehin schon lange keine Geheimtips mehr sind.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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