08.09.2007 · Die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs nutzt einen ehemaligen Supermarkt in Wiesbaden trotz gerichtlichen Verbots als Gebetszentrum. Die Anwohner fühlen sich hilflos.
Von Heidi Müller-GerbesEin weithin sichtbares Schild kündet davon, dass die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) den von ihr erworbenen einstigen Supermarkt auf dem Gräselberg eingerichtet hat. Und Anwohner beobachten verärgert das offenbar rege Gemeindeleben der vom Verfassungsschutz beobachteten Organisation. Kinder würden in Bussen zur Koranschule gebracht und vor allem zu Zeiten des traditionellen Freitagsgebets „geht’s hier richtig ab“, berichtet der in der Bürgerinitiative Gräselberg engagierte Wolfgang Kopp.
Gebete des Mullahs seien schon bis in ihre Wohnung gedrungen, entrüstet sich eine vis-à-vis lebende Frau, die lieber nicht namentlich genannt werden will. Die neue Nachbarschaft bereitet ihr sichtlich Unbehagen. Und so manche Beobachtung scheint sie in ihrem Misstrauen zu bestärken. Erst kürzlich sei eine Anwohnerin, die sich wegen ihres besetzten Parkplatzes habe beschweren wollen, vor zwei sie verfolgenden Männern regelrecht aus dem Gebäude geflüchtet.
In die rechte Ecke gestellt
Die meisten Gräselberger sind vorsichtig geworden, sich zur umstrittenen Umnutzung des Supermarkts zu äußeren. „Ihr stellt uns dann doch alle gleich in die rechte Ecke“, brummelt ein Mittvierziger – und zieht des Weges. Ein älterer Herr, der regelmäßig in der Mittagsstunde seinen kleinen Hund ausführt und vor dem Supermarkt vorsichtshalber die Straßenseite wechselt, ist zwar gesprächiger, will seinen Namen aber auch nicht in der Zeitung und im Internet lesen. Es habe schon Drohungen gegeben, sagt er; man könne ja nicht wissen, ob „die da drüben“ auch mal Ernst machten.
Völliges Unverständnis herrscht auf dem Gräselberg darüber, dass die IGM den von ihr Mitte vorigen Jahres erworbenen Supermarkt längst als „Gebetszentrum“ nutze, obgleich ihr das im Mai gerichtlich untersagt worden sei. „Wir haben ein Urteil und die machen, was sie wollen“, regt sich Kopp auf. Und klagt über die Politik, die zuließe, dass sich Islamisten mitten im Wohngebiet ausbreiteten: „Wenn die Politiker das vor ihrer Haustür hätten, wäre längst was passiert.“
1300 Unterschriften gegen die Moschee
Kopp ist Miteigentümer der Wohnanlage, zu der auch der Supermarkt gehört. Und gehört als solcher zu den Klägern, die erstinstanzlich erreicht haben, dass die IGM den Supermarkt nicht ohne Zustimmung der Eigentümergemeinschaft „als religiöses Zentrum, für religiöse Betätigungen nutzen oder nutzen lassen“ darf.
Die Eigentümergemeinschaft hat im vorigen Monat dazu noch einmal klare Beschlüsse gefasst – und will notfalls auch gerichtlich durchsetzen, dass das annähernd vier Quadratmeter große Schild mit der Aufschrift „Gemeindezentrum IGM“ wieder entfernt und der ursprüngliche Zustand auf dem Platz vor dem Supermarkt wiederhergestellt wird.
Die IGM beziehungsweise die sie vertretende Europäische Moscheebau- und Unterstützungs-Gemeinschaft e.V. (EMUG) hat gegen den Beschluss des Amtsgerichts Beschwerde eingelegt, und eine Entscheidung in zweiter Instanz ist so rasch offenbar nicht zu erwarten; die zuständige 14. Zivilkammer hat den Rechtsstreit nach Auskunft ihrer Vorsitzenden Richterin noch nicht terminiert. Die Bürgerinitiative Gräselberg hat unterdessen 1300 Unterschriften gegen die Moschee im Supermarkt gesammelt und will diese demnächst Oberbürgermeister Helmut Müller (CDU) überbringen.
stimmenverlust
christian rohloff (elvisthe)
- 08.09.2007, 12:27 Uhr
Inkonsequente Politiker
Dieter Hebenstreit (wdheben)
- 08.09.2007, 12:30 Uhr
In die rechte Ecke gestellt
TOBIAS RÜGER (t.ruger)
- 08.09.2007, 13:32 Uhr
1, 2, 3 eine neue Moschee ist da...
lothar schiel (www-faz)
- 18.09.2007, 23:34 Uhr