Home
http://www.faz.net/-gzl-11wsn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

1000 Jahre Mainzer Dom Das Symbol des zweiten Roms

01.02.2009 ·  Siebenmal abgebrannt, mehrfach beschossen, im Zweiten Weltkrieg bombardiert, aber immer wieder aufgebaut: Der Mainzer Dom ist 1000 Jahre alt und bleibt eine „ewige Baustelle“. Kunsthistoriker sehen in dem Gotteshaus ein „Stelldichein der Stilgeschichte“.

Von Von Markus Schug
Artikel Bilder (4) Lesermeinungen (0)

Siebenmal abgebrannt, mehrfach beschossen, im Zweiten Weltkrieg bombardiert, aber doch immer wieder aufgebaut: Der 1000 Jahre alte Mainzer Dom gilt als „ewige Baustelle“. Und das zu Recht, weil selbst in Friedenszeiten immer etwas zu tun ist, damit die von Erzbischof Willigis begründete Kirche nicht Schaden nimmt oder verfällt.

Wann genau dereinst der Auftrag an die Baumeister erging, im damals mächtigen Mainz ein Gotteshaus nach dem Vorbild der alten Peterskirche in Rom zu errichten, ist nicht überliefert. Weil Kirchenhistoriker zunächst aber davon ausgegangen waren, dass dies wohl bald nach Willigis‘ Amtsantritt geschehen sein musste, wurde in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt im Jahr 1975 schon einmal eine „1000-Jahr-Feier“ organisiert. Inzwischen ist man klüger und geht von einem Baubeginn um die Jahrtausendwende aus.

So lang wie ein Fußballfeld

Als sicher kann wohl gelten, dass die gerade fertiggestellte Bischofskirche am 29. oder 30. August des Jahres 1009 – also kurz vor oder nach der Weihe, was nicht genau überliefert ist – einem verheerenden Brand zum Opfer fiel. Auf dieses Datum gehen jedenfalls die am Sonntag begonnenen Feierlichkeiten zum aktuellen Jubiläum „1000 Jahre Mainzer Willigis-Dom“ zurück.

Doch schon ist – gemessen am Alter des Doms – die nächste Gelegenheit nicht mehr so weit entfernt, das beeindruckende sechstürmige Gotteshaus abermals in den Mittelpunkt zu rücken: Am 10. November 2036 wird sich die Vollendung des nach dem Brand von 1009 unverzüglich begonnenen Wiederaufbaus der Kirche unter Erzbischof Bardo ebenfalls zum tausendstenmal jähren. Dazwischen bleibt dem Bistum Mainz mit seinen 790.000 Katholiken auf rheinland-pfälzischem und hessischem Gebiet genügend Zeit, um 2011 noch an den 1000. Todestag des Kirchengründers Willigis zu erinnern. Von dem ursprünglichen Bau, der auf sumpfigem Gelände hochgezogen worden war, ist überirdisch heute nur mehr Mauerwerk zu sehen; mit Ausnahme der beiden Bronzetüren des Marktportals, die tatsächlich noch aus der Anfangszeit stammen.

Mit seiner damals neue Maßstäbe setzenden Größe und einer aufwendigen Ausstattung war der am Rhein errichtete Dom zweifellos als unübersehbares Zeichen der Bedeutung des Erzbistums Mainz gedacht, das sich selbstbewusst als zweites Rom verstand. Wie die Nachbardome in Worms und Speyer ist die aus karolingischer Zeit übernommene Doppelchoranlage bis heute prägend für die gewaltige Kathedrale, die mit 116 Metern in etwa so lang ist wie ein Fußballfeld. Gut 83 Meter misst der herausragende Westturm, immerhin noch 55 Meter erreichen die östlichen Treppentürme des Doms, dessen Patrone der heilige Martinus und der heilige Stephanus sind.

Lazarett, Kaserne, Viehstall

In den 1000 Jahren ist viel passiert: So wurde das Gotteshaus längst nicht nur zur Feier von Gottesdiensten oder zur Krönung von Königen gebraucht, sondern etwa durch die französischen Besatzer Ende des 18. Jahrhunderts als Lazarett und Kaserne zweckentfremdet und später sogar als Viehstall missbraucht. Zwischen 1797 und 1803 blieb die Kirche geschlossen und sollte eigentlich abgerissen werden.

Weil es aber doch anders kam, steht das Gotteshaus noch immer im Herzen von Mainz – und zeigt dem kunsthistorisch interessierten Betrachter, welch vielfältige Baustile sich an einem einzigen Ort finden lassen: So bietet die Bischofskirche Beispiele für alle großen Stilepochen von der Frühromanik über die Gotik und die Renaissance bis zu Barock, Rokoko und Historismus.

Damit auch in Zukunft weitergebaut werden kann, was vorrangig Aufgabe der Dombauhütte ist, bemühen sich der 1999 gegründete Dombauverein und die 2004 eingerichtete Stiftung Hoher Dom auf vielfältige Weise um Spender und Sponsoren, die sich für den Fortbestand der „ewigen Baustelle“ einsetzen. Seit Herbst 2000 vergeht kein Jahr, in dem nicht an einer Stelle des Domes Gerüste stehen, um die Substanz des Denkmals zu bewahren. Ein Denkmal übrigens, das nicht nur kunstgeschichtliche Kostbarkeit ist, sondern sich als Kirche immer noch „im Gebrauch“ befindet.

Narrenspaß zugunsten des Doms

Das Benefiz-Fußballspiel gegen den FC Bayern München haben die Mainzer zwar mit 0:5 deutlich verloren, doch zumindest ihr Dom hat auch in diesem Fall gewonnen: weil ein Teil des Erlöses, der bei dem Freundschaftskick am 22. Januar im Bruchwegstadion erzielt worden ist, für die Sanierung des 1000 Jahre alten Gotteshauses verwendet werden soll. Am Dienstag nächster Woche sind dann die Fastnachter gefordert, bei der vom ZDF von 20.15 Uhr an übertragenen Open-Air-Benefiz-Sitzung „Da wackelt der Dom“ bundesweit Werbung für das Bauwerk zu machen. Darüber hinaus bietet das Programm zum Domjubiläum 2009 von Anfang Februar bis Mitte November weitere Anlässe, der Stadt Mainz und der von Erzbischof Willigis begründeten Kirche einen Besuch abzustatten: dazu gehören Vorträge und Lesungen, Chorkonzerte und Orgelmatineen, geistliche Führungen und Gottesdienste. Am letzten Augustwochenende will die Dombauhütte bei einem Handwerkermarkt zudem ein von ihr erstelltes Dommodell präsentieren. Nach dem vom Südwestrundfunk übertragenen Festakt am 11. Oktober endet das Jubiläumsjahr am 15. November mit einem Festgottesdienst, den das ZDF überträgt. Informationen unter www.Mainzer-Dom.de. (sug.)

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Und sie drehen sich wieder im Kreis

Von Mechthild Harting

Zwar verkünden die Vertreter von Städten und Kreisen in Rhein-Main immer wieder, nun werde endgültig über Sachthemen diskutiert. Doch es geht immer wieder um Strukturen und Finanzen. Mehr 1 1