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Schlimme Zustände in Hanau : Ein Leben zwischen Kakerlaken und Müllbergen

Strukturwandel: Die Wohnblocks an der Daimlerstraße werden entmietet, erst dann kann die Sanierung der heruntergekommenen Gebäude beginnen. Bild: Rainer Wohlfahrt

An der Daimlerstraße in Hanau hausen seit Jahren Hunderte Armutsflüchtlinge. Rund um die Gebäude herrscht das Chaos. Nun sind die Wohnblocks verkauft worden – und die neuen Besitzer wollen durchgreifen.

          Der Rand der Hanauer Gesellschaft befindet sich in der Daimlerstraße. Seit der Öffnung der Grenzen zu Rumänien und Bulgarien sind in die aus acht Gebäuden bestehende Wohnanlage in der Nähe des Hauptbahnhofs immer mehr Armutsflüchtlinge eingezogen, mit und ohne Anmeldung, mit und ohne Mietvertrag. Wie viele Menschen sich in den Wohnungen, aber auch in einzelnen Räumen in den Kellern oder in den Tiefgaragen aufhielten, das wusste über die Jahre niemand so genau.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Der Internationale Bund, der sich in einem Kooperationsprojekt mit der Stadt um diejenigen Familien kümmert, die sich helfen lassen wollen, sprach in seinem Jahresbericht für das Jahr 2016 von schätzungsweise 400 Personen, vor allem Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien, darunter zahlreiche Roma. Immer wieder gaben und geben die unwürdigen Zustände dort Anlass zu Diskussionen, und das bisweilen zudringliche Verhalten mancher Bewohner bringt die Nutzer des nahen Bauhofs in Rage.

          Das Ausmaß der Verwahrlosung war nicht klar

          Wie es aussieht, könnte der soziale Brennpunkt in einiger Zeit verschwunden sein, denn Investoren, die Offenbacher Unternehmen MS & Söhne Grund- und Immobilienbesitz GmbH sowie Finest Property UG, kauften die Anlage und übernahmen sie Mitte Oktober. Sie wollen nach den Worten von Anna Kurz, Geschäftsführerin der Finest Property, dort Mietwohnungen im gehobenen Standard mit zwei bis fünf Zimmern für rund 100 Familien schaffen. Der Mietpreis stehe noch nicht fest, er werde sich an denen vergleichbarer Hanauer Immobilien orientieren.

          Aber es komme darauf an, wie schwierig es werde und wie lange es dauere, bis die Häuser von den Bewohnern verlassen seien. Anschließend wird mit einer Sanierungszeit von sechs bis zwölf Monaten gerechnet. Die Erkenntnis, dass die Häuser nur ohne Bewohner auf Vordermann gebracht werden könnten, sei erst nach der Übernahme entstanden. Man habe schlimme Zustände erwartet, aber das Ausmaß der Verwahrlosung sei erst mit Beginn der Aufräumarbeiten offenbar geworden.

          Ab in die Tonne: Bisher wurden 40 Container voller Müll abtransportiert.
          Ab in die Tonne: Bisher wurden 40 Container voller Müll abtransportiert. : Bild: Rainer Wohlfahrt

          Wovon Kurz spricht, wird bei einem Rundgang deutlich. Am schlimmsten ist es in einigen Kellern, dort hausten Kurz zufolge Menschen auf Matratzen zwischen Müll und heruntergekommenen Waschräumen. 36 Container seien bisher mit Abfällen aller Art gefüllt worden, aber ständig komme neuer Müll hinzu. In einem Kellerraum stapelt sich der Dreck bis fast unter die Decke. Der kann aber nicht weggeräumt werden, sagt Bauleiter Carmine Esposito, weil es, so unvorstellbar es auch sei, noch einen Bewohner des Raumes gebe. Sein Bett sei unter den Abfällen verschwunden. Aufpassen muss man vor Kabeln am Boden. Das könnten Stromleitungen sein, denn üblich war es nach den Schilderungen des Bauleiters, dass die Hauptleitungen illegal angezapft wurden.

          Alles muss in den Häusern erneuert werden: die Leitungen, die Fenster und die Türen. Vor allem der Austausch der Gasleitungen könne nur stattfinden, wenn niemand mehr dort wohne, sagt Kurz. Auch rund um die Gebäude herrscht Müllchaos. An vielen Stellen stapeln sich alte Autoreifen, hinter einem Haus gibt es einen ganzen Berg davon. Der Treppenabgang in eine Kellerwohnung wurde laut Esposito kürzlich vom Müll befreit, jetzt kann die Treppe vor lauter Unrat und Glasscherben kaum mehr betreten werden. Dass sich dort Ratten und Kakerlaken wohl fühlen, ist keine Frage. Die Plage sei riesig, berichtet der Bauleiter. Auch das sei ein Grund dafür, warum alle Mieter gehen müssten, auch diejenigen, die versuchten, sich hinter ihrer Wohnungstür ein Zuhause zu schaffen. Davon gibt es durchaus einige in der Wohnanlage, aber bei dem starken Ungezieferbefall reichen Putzen und Sauberkeit nicht aus.

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